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Das nächste Ziel für eine Sonnenfinsternisexpedition war die Stadt Jokkmokk am nördlichen Polarkreis in Schweden. Schorr, Baade und Bernhard Schmidt reisten mit dem Dampfer Frigga" von Emden aus nach Narvik. Die Reise ging mit der Lapplandsbahn über Kiruna weiter bis Murjek, von dort wurde der Rest mit dem Auto bewältigt. Kurz darauf trafen Messow, Kruse und Larink und der Studienassessor Nevermann auf dem Landweg ein. Begleitet wurde die Expedition von W.J. Luyten von der Harvard-Sternwarte im amerikanischen Cambridge. Im Garten der Volksschule von Jokkmokk fand die Expedition einen geeigneten Standort zum Aufbau der Instrumente. Bernhard Schmidt, der mittlerweile an der Hamburger Sternwarte arbeitete, hatte vor, zum ersten Mal ein Spiegelteleskop, den von ihm selbst gebauten 11-Meter-Spiegel" einzusetzen.

Hamburger Sonnenfinsternisexpedition nach Jokkmokk in Nordschweden,
1927.
Die drei Personen von rechts: Bernhard Schmidt, Walter Baade, Richard
Schorr.
In fast schon gewohnter Weise verursachte das Wetter am 29. Juni 1927 ein leichtes Kribbeln der Nerven:
| Am frühen Morgen war es vollkommen klar; später traten aber vereinzelte Wolken auf und kurz vor der Totalität schien es fast, als wenn eine solche Wolke die Sonne verdecken und alle aufgewandte Mühe illusorisch machen würde. Glücklicherweise trat dies jedoch nicht ein; der Himmel blieb dort, wo die Sonne stand, vollkommen klar und das unvergleichlich großartige Schauspiel konnte in seiner vollen Schönheit beobachtet werden." |

Über diese Expedition sind sonst kaum Details in alten Unterlagen der Sternwarte zu finden gewesen, auch eine genaue Beschreibung, die in den Mitteilungen der Sternwarte erscheinen sollte, blieb aus. Es erschien lediglich eine Beilage zu den Hamburger Nachrichten am 30. Juli 1927.
Einen Monat später sorgte eine Anekdote über die Lapplandfahrt für einen kleinen Sternwartenskandal. Im Juli 1927 besuchte Hans Schimank von den Technischen Staatslehranstalten" mit seinen Lehrerkollegen die Sternwarte. Geführt wurde die Gruppe von Willi Kruse. Nach dieser Führung ging man noch für einen kurzen Plausch ins Caffee Land". Kruse erzählte dabei über seine Erlebnisse bei der Finsternisexpedition in Lappland. Was er jedoch nicht wußte, war, daß sich unter den Lehrern Edmund Hoehne befand, Gelegenheitsredakteur beim Hamburger Echo". Hoehne bekam Lust, über das eben Gesehene und Gehörte einen Artikel zu schreiben, der in der Juli-Ausgabe der Zeitung erschien. Der letzte Absatz dieses Aufsatzes erregte aufgrund der, an die Öffentlichkeit gezogenen Interna um den unter Schorrs persönlichem Schutz arbeitenden Bernhard Schmidt heftigen Zorn. Im Artikel hieß es:
| Um so eigenartiger wirkt die kometenhafte Tätigkeit des berühmten einarmigen Optikers Schmidt, der mittels Handretusche die schwierigsten Linsen korrigierte, bei denen alle Schleifmaschinen und Berechnungen der großen Firmen Zeiß oder Steinheil versagten. In seiner primitiven und geradezu schlampigen" Werkstatt in Thüringen erledigt er die kompliziertesten Arbeiten dank seiner natürlichen Einfühlungskraft in optische Probleme, so daß er als eine Art Wunderdoktor von den Sternwarten gerufen wird, wenn alle Ingenieure versagten. Jedoch, ob er kommt, wann er kommt, ob er die Arbeit gleich zu Ende führt oder plötzlich verschwindet, das alles hängt von den Launen dieses genialen Originals ab, der wie ein letzter hoffmannesker Vertreter des toten Handwerks mitten in unserer Maschinenzeit wirkt. Die Hamburger Sternwarte hatte sich Schmidt gesichert für die Expedition nach Nordschweden bei der letzten Sonnenfinsternis, wobei er bis zur Erschöpfung Tag und Nacht, zerstochen von Tausenden von Mücken, montierte, dann aber plötzlich verschwand, einsam im Gebirge eine Hirtenhütte aufsuchte und sich ausschlief, da die klugen Professoren jetzt nicht mehr viel verpfuschen konnten." |

Willi
Kruse
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1927
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