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Der Krieg hatte die Pläne für weitere Reisen zu Sonnenfinsternissen gründlich verändert. Finsternisbeobachtungen am 3. Februar 1916 in Mittelamerika und am 8. Juni 1918 in Nordamerika mußten aufgegeben werden. Dies lag einerseits an den beschränkten Möglichkeiten während des Krieges, andererseits daran, daß fast die gesamte Sonnenfinsternisausrüstung in Rußland beschlagnahmt war. Erschwerend kam hinzu, daß Deutschland und besonders die deutsche Wissenschaft wegen der Giftgaseinsätze im Ersten Weltkrieg international geächtet wurde.
Zu der holländisch-deutschen Sonnenfinsternisexpedition zu den Weihnachtsinseln, südlich der Insel Java, war die Hamburger Sternwarte zwar eingeladen, sie mußte jedoch aus finanziellen Gründen ablehnen. Nur Graff war nach Rückkehr der Expedition an der Vermessung der Photoplatten beteiligt. Es sollte die relativistische Lichtablenkung am Rande der Sonne bestimmt werden. Einstein selbst hatte zur Überprüfung des von ihm aufgestellten Äquivalenzprinzips diesen Test vorgeschlagen. Er sollte eigentlich schon auf der Krim durchgeführt werden, doch der Krieg ließ dies nicht zu.
Erst 4 Jahre nach Kriegsende traf ein Teil der in Odessa lagernden Instrumente
wieder in Hamburg ein. Schorr begleitete den Transport mit dem Dampfer "Ionia"
der Levante Linie. Viele Gegenstände waren von den Russen während
des Krieges für andere Zwecke verwendet worden und fehlten nun
völlig. So blieb das Doppeläquatorial verschollen, auch die Zelte
und sogar die Bespanntücher für das 20 m- und das neue 40 m-Rohr blieben
in Russland. Die Optiken dieser Instrumente waren aber noch vorhanden.Schorr
plante deshalb eine neue Reise, diesmal zur Sonnenfinsternis am 10. September
1923 nach Mexiko. Dazu war es jedoch notwendig, die aus der Sowjetunion zurückerhaltenen
Ausrüstungsgegenstände wieder funktionstüchtig zu machen. Der
Hamburger Senat lehnte es jedoch ab, zusätzliche Mittel für diese
Expedition zur Verfügung zu stellen. Es herrschte immerhin der Beginn einer
tiefgreifenden Wirtschaftskrise in Deutschland, so daß die Reise schon
als aufgegeben galt. Im Januar 1923 besuchte der Bibliothekar der mexikanischen
National-Sternwarte in Tacubaya, Weitzberg, die Hamburger Sternwarte. Bei einem
Gespräch mit Schorr, bei dem dieser mitteilte, daß es wohl nichts
mit einer Hamburger Expedition nach Mexico werden würde, berichtete Weitzberg
über dessen guten Kontakte zur deutschen Kolonie in Mexico und man kam
überein zu prüfen, ob nicht die Kolonie ihrerseits das notwendige
Geld aufbringen könnte. Reisepläne nach Mexiko bekamen wieder neues
Leben. Nun, nachdem schon kaum mehr jemand auf der Sternwarte mit der Fahrt
zur Sonnenfinsternis rechnete, überschlugen sich plötzlich die Dinge.
Im Februar war das Glück perfekt, denn die mexikanische Regierung lud auf
diplomatischem Weg eine deutsche Expedition ein, zur Beobachtung der Finsternis
nach Mexico zu kommen. Sogar die Überfahrt sollte bezahlt werden. Dies
war nun zwar keine rein Hamburger Expedition mehr, sie bestand aus drei Teilnehmern
des Potsdamer Astrophysikalischen Observatoriums (Ludendorff, Kohlschütter
und der Mechaniker Hermann) und - besser als nichts - zwei Hamburgern, Schorr
und Dolberg. Die Hamburgische Finanzdeputation lehnte es jedoch auch unter diesen
Voraussetzungen ab, Gelder für die Wiederherstellung der Instrumente und
für die Anschaffung von Photoplatten und Zelten bereitzustellen. Doch wiederum
kamen Schorrs enge Kontakte zur Hamburger Finanzwelt zum Tragen, denn durch
Vermittlung der Handelskammer wurde das Geld aus Kaufmanns- und Schiffahrtskreisen
bereitgestellt. Die Zeit drängte nun allerdings schon erheblich, und in
aller Eile wurden die Instrumente bis Ende Juni repariert und auf dem Gelände
der Sternwarte provisorisch aufgestellt. 42 Kisten kamen dieses Mal aus Hamburg
zusammen, 20 weitere kamen aus Potsdam, insgesamt mehr als 10 t. Es ist nicht
bekannt, ob Schorr wieder seine Privatkiste gepackt hatte, die leicht gluckerte,
wenn sie bewegt wurde - doch anzunehmen ist es.
Am 11. Juli bestieg die gesamte Expeditionsgruppe den Liniendampfer Holsatia" der Hamburg-Amerika-Linie, der sie über Plymouth, Santander, den Azoren nach Havanna brachte. Am 2. August traf das Schiff im mexikanischen Hafen Vera Cruz ein.
Da die Expedition auf Einladung der mexikanischen Regierung einreiste, durfte deshalb auch die Ausrüstung zollfrei eingeführt werden. Schorr berichtete,
| daß sich die Formalitäten für unser persönliches Gepäck schnell erledigten, und wir sehr froh waren, aus der Bruthitze der Zollhalle und dem Höllenlärm, den die Arbeiten am eisernen Dach derselben veranlaßten, bald herauszukommen, während die übrigen Passagiere z.T. stundenlang auf die Erledigung der Zollhandlung warten mußten." |
Doch nach diesem kurzen Glück ließen die ersten kleinen Schwierigkeiten" nicht lange auf sich warten. Eigentlich war vorgesehen, die Zollabfertigung gleich in Vera Cruz vorzunehmen, wo die Behörden über die zollfreie Einfuhr der Instrumente unterrichtet waren, doch die Kisten wurden versehentlich unter Zollverschluß auf der langsamen einspurigen Staatsbahn nach Mexico-City geschickt. Eine kleine Programmänderung, die später noch erhebliche Folgen haben sollte.
In Mexico-Stadt eingetroffen, wurde zusammen mit den Vertretern der Nationalsternwarte für die Expedition ein geeigneter Standort gesucht. In der Nähe von Durango auf der Sierra Madre Occidental bauten bereits eine mexikanische und eine nordamerikanische Expedition ihre Instrumente auf. Das Angebot, ebenfalls dort aufzubauen, wurde ausgeschlagen, weil dadurch im Fall lokaler Bewölkung alle drei Expeditionen leer ausgehen würden. Die deutsche Expedition faßte daher einen kleinen Ort, Passaje30, ins Auge. Dieser Ort wurde allerdings überall als trostloses Nest beschrieben, man wollte deshalb lieber vor Ort entscheiden, da überdies von allen Seiten stark abgeraten wurde - die Ausrüstung und das Leben überhaupt sei dort auf dem Lande in Gefahr. Nach einem anregenden Fest in der Deutschen Kolonie" traf dann endlich die Nachricht ein, daß das Gepäck als Kaufmannsgut" nach Mexico gebracht worden war und der Zoll sämtliche Papiere verlangte: Formulare, Urkunden, Nachweise, eben alle Papiere, auf die man gehofft hatte, verzichten zu können. Es gab sie folglich auch nicht. Auch durch das Einschalten der gastgebenden Behörde war es nicht leicht, den bedächtigen Zollapparat zum Einlenken zu bewegen. Am 13. August, zwei Wochen nach Eintreffen in Mexico, wurde der Expedition endlich mitgeteilt,
| daß nunmehr alles geregelt sei, und unsere Instrumentenkisten am nächsten Tage weiter nach Torreón abgehen würden. Hierauf entschlossen wir uns auch zur Abreise und verließen Mexiko-Stadt am 14. August um 7 Uhr vormittags." |
Auf der über 1000 km langen Strecke genossen die fünf deutschen Astronomen die angenehmen Seiten einer mexikanischen Bahnfahrt, wo auf nahezu jedem Bahnhof die ortsüblichen Besonderheiten zum Kauf angeboten wurden: Umhänge in Querétaro, Süssigkeiten in Celaya, wildlederne Handschuhe in Salamanca, Erdbeeren und Stickereien in Irapuata, Lederwaren und Lassos in León - und überall: landesübliche Erfrischungen". Am nächsten Tag wurde Torreón erreicht. Der Wagen mit den Instrumenten sollte am folgenden Tag eintreffen. In der Stadt war der Teufel los, denn nach 2 Jahren hatte es das erste Mal wieder geregnet, eine Dürreperiode ging zu Ende. Der Rio Nazas, der durch Torreón führte, hatte das erste Mal wieder Wasser gebracht.
| In Torreón herrschte daher allgemeine Freude! Wir verlebten einen sehr reizvollen und fröhlichen Abend mit den Mitgliedern der Deutschen Kolonie und ihren Damen in den gemütlichen Klubräumen an der Plaza" |
Der nächste Tag brachte die Überraschung (war es eine?), daß die Kisten noch immer nicht aus Mexiko-Stadt abgegangen waren - der Zoll machte weiterhin Schwierigkeiten. Doch nun saß die Gruppe weit abseits in der mexikanischen Gebirgsregion, und man hoffte auf das Wirken der Freunde aus der mexikanischen Sternwarte und der deutschen Kolonie. Die Expedition machte deshalb zur Überbrückung der Zeit Ausflüge in die Umgebung, um den richtigen Standort für die Expedition zu finden. Doch alle interessanten Orte lagen abseits der Bahnlinien und waren unter den gegebenen Verzögerungen kaum mehr zu erreichen. Der einzige Ort, der übrig blieb, war Passaje, und Schorr, Dolberg und die Potsdamer machten schließlich doch den Ausflug zur Eisenbahnstation Passaje,
| über welche uns bisher auch nur trostlose Nachrichten zugekommen waren." |
Doch zu ihrem Erstaunen stellten sie fest:
| eine Oase in der Wüste." |
In dem 1500 Seelen großen Dorf wurde vom Alkalden des Dorfes eine leerstehende Hacienda vermittelt. Zurückgekehrt nach Durango gelang es endlich unter Einschaltung nahezu aller verfügbaren Behörden, daß die Kisten am 20. August auf den Weg geschickt werden konnten. Beruhigt begann die Expedition nach Passaje umzuziehen.
| Bei unserer Ankunft in Passaje am 22. August stand der Waggon mit unseren Instrumenten wirklich bereits am Bahnhof" |
Jetzt wurde unverzüglich mit dem Aufbau der Station begonnen. Aus dem alten Wohnhaus der Hacienda zogen die Sonnenforscher jedoch schleunigst wieder aus, da es offenbar erfolgreich vom örtlichen Kleingetier verteidigt wurde, lediglich für die Dunkelkammer und eine behelfsmäßige Kochstelle wurden zwei Zimmer im Haus erkämpft, sonst zog man es vor, draußen in Zelten zu wohnen.
| Für die Verpflegung mußten wir selbst sorgen. Im Orte konnten wir Eier, Ziegenfleisch, braune Bohnen und Hühner bekommen; Brot und alle sonstigen Lebensmittel mußten wir aus Durango kommen lassen. Die für unsere Lebenshaltung sehr wichtige Frage der Annahme eines Kochs (die Amerikaner in Yerbanis waren sehr stolz darauf, daß sie einen Chinese Cook" mitgebracht hatten) löste sich für uns in einigermaßen befriedigender Weise35 dadurch, daß wenige Tage nach unserem Eintreffen in Passaje ein deutscher Landsmann, der auf der Walze" war, bei uns um Arbeit nachsuchte und angab, Schlachter und Koch zu sein. Wir nahmen ihn sofort als Koch an, konnten aber mit unserem German Cook" den Amerikanern keine Konkurrenz machen." |
Die weiteren Arbeiten wurden mit Hilfe eingeborener Arbeiter" gemacht. Die horizontal liegenden großen Fernrohre, das 20 m- und das 40 m-Rohr, mußten sehr exakt aufgestellt werden. Dazu mußte der Maurer des Ortes erst einmal Sockel mauern, für die es jedoch keinen Zement und Kalk gab. Die Beschaffung des Materials in Durango verzögerte die Aufstellung bis zum 3. September, nun schon recht knapp vor der Finsternis.
Wie schon bei der Finsternis in Algerien war auch hier das Wetter der Expedition nicht wohl gesonnen. Vormittags war es meist trocken, ab Mittag zogen dann regelmäßig
| außerordentlich heftige Gewitter auf, die sich mit heftigen, wolkenbruchartigen Regenfällen entluden und häufig während der ganzen Nacht anhielten. Es verblieben sonach meist nur die Vormittagsstunden zur ununterbrochenen Arbeit auf dem Felde. Bei diesen Witterungsverhältnissen konnte die Aufstellung der Instrumente nur langsam gefördert werden, und die Hoffnung, daß uns klares Wetter am Finsternistage beschieden sein würde, schwand immer mehr. Unsere Stimmung wurde aber ganz verzweifelt, als es an den letzten 3 Tagen vor der Finsternis fast andauernd regnete und jede Arbeit im Freien unmöglich war. Der Aufbau der Instrumente war ja im wesentlichen noch fertiggestellt worden, es fehlte aber die genaue Justierung, wie sie nur bei Tage mit der Sonne oder bei Nacht mit den Sternen ausgeführt werden konnte. Als wir am 9. September in die Kassette der beiden langen Rohre die großen Platten 80·80 cm einlegten, hatten wir keine Hoffnung mehr, daß sie noch ihren Zweck erfüllen könnten. In der Nacht vom 9. zum 10. September war es trocken und es wurden zwischen Wolkenlücken einige Sterne auf kurze Zeit sichtbar, die wir zur Justierung der Instrumente sogleich zu nutzen suchten, ohne aber damit viel Erfolg zu haben, da sich der Himmel bald wieder vollkommen bewölkte." |
Die Stimmung im Lager war sehr gedrückt. Alle Anstrengungen, diese Sonnenfinsternis zu beobachten, schienen vergeblich gewesen zu sein. Schorr fährt mit seinem Bericht fort:
| Am Morgen des Finsternistages war es bis gegen 10 Uhr auch noch vollständig trüb, dann aber riß die Wolkendecke auseinander, der Himmel klarte immer weiter auf, die Sonne kam durch und die Hoffnung, daß uns doch noch die Beobachtung der Finsternis möglich sein würde, belebte sich aufs neue. In aller Eile hieß es nun, mit der wiedererschienenen Sonne die Justierung noch vorzunehmen, welche das schlechte Wetter der letzten 3 Tage unmöglich gemacht hatte. Es begannen sehr aufregende und arbeitsreiche Stunden um bis zum Beginn der totalen Finsternis, die um 2 Uhr 30 stattfand, noch mit den Vorbereitungen fertig zu werden. Bei Eintritt der partiellen Phase um 1 Uhr 17m war der Himmel fast vollständig klar, abgesehen von einigen leichten Cumuluswolken. Unsere Justierungsarbeiten gingen aber noch weiter, und etwa eine Viertelstunde vor der Totalität zeigte sich, daß beim 42m-Rohr sich die Fokuseinstellung ganz unerwartet über 1m geändert hatte39, wahrscheinlich veranlaßt durch eine Gestaltsveränderung des Zoelostatenspiegel infolge der abnehmenden Sonnenstrahlung. Schnell mußte der andere Teil des Rohres noch abmontiert und das Objektiv mit seiner ganzen Aufstellung bis zum festen Rahmen zurückgeschoben werden; wodurch die eingetretene Fokusänderung zum größten Teil wieder aufgehoben wurde. Beim 20m-Rohr trat dagegen keine Fokusänderung ein; das Sonnenbild blieb andauernd absolut scharf. Die Sonnensichel wurde immer schmaler, und jeder mußte auf seinem Posten sein. |
| Ich beobachtete mit einem kleinen Fernrohr in der Projektion das Fortschreiten
des Mondes über der Sonnenscheibe. Als die Sichel ganz schmal geworden
war, trat die bekannte Erscheinung der Perlenschnur auf; durch die Mondberge
unterbrochen, zerfiel die Sichel in einzelne Stücke. In diesem Augenblick
gab ich das mit Prof. Dolberg verabredete Pfeifensignal zum Beginne seiner
Spektralaufnahmen40. Etwa 2 Sekunden später verschwand das
letzte leuchtende Korn der Perlenschnur und die himbeerfarbige Chromosphäre, welche die Sonnenscheibe umgab, war in wunderbarer Schönheit sichtbar. Mehrere Protuberanzen, darunter 1 größere, erhoben sich vom Sonnenrande. Die totale Sonnenfinsternis hatte begonnen. Unheimliche Stille herrschte in der ganzen Natur. Am bleigrauen Himmel stand die tiefschwarze Mondscheibe, umgeben von dem silberweißen Strahlenkranze der Korona, die in ihren inneren Partien sehr hell war. Die Korona umgab aber die Sonne nicht gleichförmig, wie bei der von mir im Jahre 1905 beobachteten Finsternis, sondern erstreckte sich in breiten, gezackten in Richtung des Sonnenäquators verlaufenden Büscheln. Diese Büschel entfernten sich bis etwa 2 Sonnendurchmesser vom Sonnenrande und waren wesentlich schwächer als die innere Sonnenkorona. Rechts oberhalb der Sonne leuchtete hell die Venus, auch mehrere andere Sterne waren sichtbar. Am Horizont zeigten sich wundervolle Dämmerungsfarben." |
Jetzt begannen die hektischen wissenschaftlichen Arbeiten. Fotoplatten mußten auf die Sekunde genau belichtetet werden, danach die schweren Kassetten heraus und die neuen hineingewuchtet werden. Jeder kannte seinen Fahrplan.
| Bei der letzten Aufnahme, 3 Minuten und 10 Sekunden nach der Totalität, erschien wieder der erste Sonnenstrahl; die Korona verschwand, das herrliche Schauspiel war zu Ende. Freudenrufe und Händeklatschen der außerhalb des Geländes versammelten Zuschauer begrüßten die wiedererscheinende Sonne. Die Absperrung wurde aufgehoben und die Menge strömte von allen Seiten herbei, freudig erregt über das wunderbare Schauspiel, dessen Zeuge wir gewesen waren.. Mit großem Interesse wurden unsere Instrumente in Augenschein genommen, die sich eben so erfolgreich betätigt hatten, und man beglückwünschte uns allseitig zu dem Erfolge. Das Glück war uns in der Tat schließlich außerordentlich günstig gewesen." |
Schorr hatte Recht, denn bei der amerikanischen Station Yerbanis waren noch am Vormittag schwere Regengüsse heruntergekommen und während eines Teils der Totalität standen dünne Wolken vor der Sonne. Die Vorsichtsmaßnahme, einen anderen Beobachtungsort zu wählen, hatte sich als sehr wertvoll erwiesen.
Ein mexikanischer Künstler fasste die Ereignis in einem Bild zusammen:
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| Nach den Aufregungen des Tages, konnten wir uns nunmehr der Ruhe widmen und vor unseren Zelten gemeinsam mit unseren Freunden aus Torreón und Durango und den Einwohnern aus Passaje bei den Klängen der von General Castro gesandten Militärkapelle über den glücklichen Verlauf der Finsternis feiern." |
Am nächsten Tag mit pochendem Kopf begann der Abbau der Station und sofort zog wieder das schlechte Wetter auf. Bis zum 19. September waren unter solchen, nun schon gewohnten Umständen schließlich alle Photoplatten entwickelt und das Gepäck verstaut.
| Am 19. September konnten wir Passaje, wo wir während 4 Wochen bei anstrengender Arbeit manche trübe aber auch manche fröhliche Stunde verlebt hatten, verlassen, dankerfüllt für alles Entgegenkommen und alle Hilfe, die uns der Alkalde José Maria Rodriguez sowie die Einwohnerschaft des Ortes erwiesen hatten. In der Hauptstadt Mexiko war uns größte Vorsicht den Landbewohnern gegenüber empfohlen worden, da Diebstähle an der Tagesordnung seien, auch militärischer Schutz war zum Teil als erwünscht bezeichnet. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch als vollkommen unzutreffend. Wir fühlten uns in Passaje vollkommen sicher, die Bevölkerung war außerordentlich deutschfreundlich und sehr entgegenkommend. Von unserer ganzen Ausrüstung ist uns kein Stück in Passaje abhanden gekommen. Rührend war das Bemühen der Einwohner, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, Konzerte und Tanzgesellschaften (Bailes) wurden uns zu Ehren veranstaltet. Bei unserer Abreise am 19. September wurden wir, von der ganzen Einwohnerschaft des Dorfes begleitet, mit Musik zum Bahnhof gebracht, wo, da der Zug Verspätung hatte, noch ein Abschiedsbaile veranstaltet wurde. Unter den Klängen des mexikanischen Abschiedsliedes (La golondrina) und den Rufen Viva Alemania", Viva Mejico" verließen wir schließlich das gastliche Passaje." |
Am 11. November traf der Hamburger Teil der Expedition mit dem Liniendampfer Hansa" aus New York kommend in Hamburg ein. Da Schorr am mexikanischen Kaffee Gefallen gefunden hatte, und da überdies die Kiste Nr. 128 leer war, befanden sich im Rückreisegepäck als Ausgleich zwei Säcke mit mexikanischem Kaffee.
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1923
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