Ringförmige Finsternis in der Lüneburger Heide

 

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Nach 1905 und 1907 lagen die nun folgenden Finsternisse für Expeditionen nicht günstig. Deshalb standen zunächst keine weiteren Reisen unmittelbar bevor. Wilhelm Krebs, Geophysiker aus Großflottbek, schlug vor, zu den Bouvet-Inseln in der Südpolarregion zu reisen, wo am 22./23. Dezember 1908 eine totale Sonnenfinsternis eintreten sollte. Es fand sich jedoch kein Astronom, der in diese abgelegene kalte Gegend reisen mochte


17. April 1912

Die nächste Sonnenfinsternis, die die Hamburger Sternwarte interessierte, fand erst am 17. April 1912 statt. Es war zwar keine totale Finsternis sondern nur eine ringförmige, aber der Weg der zentralen Zone verlief in nur 40 km Entfernung zur Sternwarte durch die Lüneburger Heide. Da die Sonne nicht vollständig verdeckt wurde, mußte auf die großen Fernrohre verzichtet werden. Schorr wollte aber die exakte Lage der zentralen Zone bestimmen, um dadurch verbesserte Erdbahndaten zu erhalten. Zeitgleich sollten daher an verschiedenen Orten im Abstand von 1 km Beobachtungen und Fotografien des Finsternisverlaufs gemacht werden.


Expedition in die Lüneburger Heide

Ein einsames Gasthaus an der Landstraße vor Dehnbostel (Kreis Celle) wurde als Zentralstation ausgesucht, weil es über einen Telefonanschluß verfügte. Darüber sollte das Zeitsignal der Sternwarte empfangen werden. 7 Sternwartenangehörige wurden auf einer Linie senkrecht zur Zentrallinie der Finsternis postiert. Jeder Posten notierte bei seiner Station die genauen Zeiten des Ein- und Austritts des Mondes vor der Sonne, die Ausbildung der Perlenschnur und sonstige Besonderheiten. Die "Expedition" verlief erfolgreich, ohne daß die Daten jedoch ausführlicher ausgewertet wurden.


Abbildung aus den Jahresberichten der Sternwarte, 1912

Aus dem Beobachtungsbericht des Magister Thieles, der an der Sternwarte arbeitete:

 

Um 1h23m33s breitete sich aber plötzlich eine Aufhellung um den Nordrand aus als Vorläufer für den Sonnenrand, dieses Licht von grünlicher Farbe war bedeutend schwächer als der Sonnenrand, zeigte keine Tropfenbildung sondern eine unregelmäßige Begrenzung nach aussen. Unter starker Tropfenbildung vereinigten sich die Hörnerspitzen um 1h23m49.8s auf der Westseite, die Tropfenbildung änderte sich fortwährend, und um 1h23m52.8s brachen die

schwarzen Brücken auf der Westseite ab, und gleichzeitig war die Tropfenbildung am Ostrand im Gange. Der Sonnenrand war stark ausgebreitet sowohl nach innen wie nach aussen. Von dem Tropfen- und Brücken-Phänomen auf der Südseite hatte ich den Eindruck von Flammen und roten Farben. Inzwischen bildeten die Tropfen und Brücken auf der Ostseite sich immer weiter aus, aber ganz unregelmäßig, sodaß es nicht möglich war, durch die Intensität der Tropfenbildung einen Anhalt für den Ort der Berührung
an der Ostseite zu gewinnen. Dunkle Brücken von 10° Breite traten auf, um 1h24m3s wurden sie merkwürdig breiter, und um 1-2s später war der Austritt sicher geschehen.
"

 

 

 

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