Nachbesserungen
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Auch am Bergedorfer Großen Refraktor zeigten sich, wie am Potsdamer Instrument, zunehmend Probleme mit den Objektiven. Neue fotografische Emulsionen hatten zu einer Verlagerung der empfindlichen Wellenlängenbereiche geführt und es empfahl sich, die Brennweite des fotografischen Objektives zu ändern. Es bestand gleichzeitig die Hoffnung, daß sich die Fehler des Linsensystems verbesserten. Steinheil, der Produzent lehnte ab; die Blamage bei der Bearbeitung des Potsdamer Objektivs saß noch zu tief. Steinheil behauptete, die Fehler seien auf eine schlechte Glassorte zurückzuführen und nicht schleiftechnisch bedingt. Bei einer Überprüfung der Linse konnte Schmidt mit wenigen optischen Untersuchungen die Antwort präsentieren: Die Oberflächenfehler traten in Bergen, großen Furchen und Kratzern übermäßig verstärkt hervor. Schmidt erhielt deshalb den Auftrag, das Objektiv umzuschleifen. Das fotographische Objektiv war so konstruiert worden, daß die Refraktorbrennweite im Blauen Licht erreicht wurde, nun sollte die gleiche Brennweite des Objektivs bei einer um 40 nm verschobenen Wellenlänge liegen. Ein Vertrag wurde aufgesetzt, in den Schorr, wohl weil er Schmidts Neigungen kannte, die Passage aufnahm:

Ich erwarte, dass Sie von jetzt ab Ihre ganze Arbeitszeit diesen Arbeiten widmen ..."

Die Umschleifarbeiten waren nach Ablauf eines halben Jahres mit grandiosem Erfolg beendet. Die Achromasie war verschwunden und die Güte des Objektivs zeigte nie gekannte Qualitäten.

Bernhard Schmidt in seiner Werkstatt im Keller des Hauptgebäudes der Hamburger Sternwarte. Im Vordergrund die Schleifmaschine zum Umschleifen des Refraktorobjektivs.

Zugleich mit dem Auftrag zum Umschleifen des Refraktorobjektivs erhielt Schmidt den Auftrag, ein zweites Schmidtspiegelsystem zu bauen. Dieses sollte 60 cm Öffnung bei 3 m Brennweite besitzen. Zusammen mit einem ebenfalls von Schmidt gebauten Parabolspiegel mit gleichen Daten wurde aus beiden ein „Doppelreflektor" gebaut und eine neue Hütte am Ostrand des Geländes errichtet. Das Teleskop arbeitete bis in die frühen Nachkriegsjahre.

Die Doppelreflektoranlage. Oben: Auslegung der Montierung, Links oben: Fertige Aufstellung, Rechts Oben: Schmidt mit Prüfteleskop, Unten Rektaszensionsantrieb - Theorie und Praxis.

 

Alle Briefschreiberei ist sowieso eine grosse Plage bei mir

Die niederländische Sternwarte in Leiden, besonders der Astronom Ejnar Hertzsprung unterhielt intensive Kontakte zu Bernhard Schmidt. Schon 1920 hatte Schmidt für die holländische Sternwarte in Ostindien ein 37 cm Objektiv geschliffen. Nun, im Dezember 1934 bat Hertzsprung Schmidt um Hilfe, als die Holländer bei Grubb, Parsons & Co. in England einen fotografischen Doppelrefraktor bestellt hatten. Schmidt sollte mit Expertisen die Qualität beurteilen. Die ursprüngliche Bitte, nach Newcastle zu reisen, lehnte Schmidt ab:

es geht doch nicht gut, dass ich, als selbst Optiker, bei einem anderen als Kritiker komme, die lehnen mich doch als nicht neutral ab! Es ist ja ungefähr dasselbe als wenn ich erst bei irgend einem Schuhmacher paar Stiefel bestelle, und nacher, wenn ich diese abholen will, so nehme ich einen anderen Schuster mit, damit er die Sache bekritteln soll; das Resultat ist ein Spektakel.
Warum soll ich mir also freiwillig Unannehmlichkeiten aufhalsen.
"

Die Holländer schickten daraufhin Prüfdaten, Kopien von Fokalaufnahmen und Bilder, so wie Schmidt sie als Tests empfahl. Schmidt war von den Testaufnahmen nicht begeistert und zeigte einige davon Schorr, der sie sogleich als „Zahnradobjektiv" abtat. Als Hertzsprung immer neue Bewertungen wünschte, fühlte sich Schmidt als billiger Gutachter mißbraucht:

Nun möchte ich aber noch etwas anderes sagen, für meine optischen Auskünfte möchte ich auch etwas finanzielles haben, ich betreibe ja das nicht nur als Sport, sondern muss auch existiren. Irgend eine Summe stelle ich dafür nicht fest, bin damit zufrieden was ich erhalte, aber ganz umsonst habe ich keine Lust sowas zu schreiben, alle Briefschreiberei ist sowieso eine grosse Plage bei mir."

Hertzsprung sagte zu, daß ihm nach Abschluß der Begutachtungen eine Vergütung zugesprochen würde.

Während dieser Beratungen wurde von holländischer Seite auch das Interesse für ein 45 cm Spiegel mit 2.25m Brennweite bekundet und Schmidt reiste am 6. November zur Vertragsunterzeichnung nach Leiden. 10 Tage später traf er wieder wohlbehalten in Bergedorf ein. Zu den Schleifarbeiten ist es jedoch nicht mehr gekommen - Siehe hier.

   
   
   
   
   
   
Schmidtspiegel