Meine Hand ist empfindlicher als die feinsten Fühlhebel"

 

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1926 lud Schorr Schmidt ein, an der Hamburger Sternwarte zu arbeiten. Als freiwilligem Mitarbeiter wurde ihm im Keller des Hauptgebäudes eine Werkstatt eingeräumt. Bis zu seinem Tod 1935 war dies die neue Wirkungsstätte Bernhard Schmidts.

Unzählige Spiegel entstanden unter Schmidts Hand. Er selbst behauptete

Meine Hand ist empfindlicher als die feinsten Fühlhebel"

Über das Glas gestrichen bemerkte er jede Abweichung von dem gewünschten Ideal.

Einige von Schmidt selbstgebaute Prüfinstrumente und ein Blatt seiner Berechnungen

1927 beteiligte sich Schmidt an der Hamburger Sonnenfinsternisexpedition nach Jokkmokk in Schweden, wo er seinen 11 m-Spiegel, die Horizontalspiegelanlage mit Erfolg einsetzte.

Coelostatenspiegel für die Horizontalspiegelanlage und erste Aufnahme des Kugelsternhaufens M13

Zusammen mit Walter Baade unternahm Schmidt 1929 seine zweite Sonnenfinsternisexpedition in die philippinische Inselwelt. Auf dieser langen Schiffsreise soll Schmidt die Lösung für ein ihn seit langem quälendes Problem gekommen sein: Die Beseitigung des Koma-Fehlers bei Parabolspiegeln. So jedenfalls berichtete es Walter Baade später P.C. Hodges ("Bernhard Schmidt and his Reflector Camera",1948). Anderen Gerüchten zufolge soll Schmidt die Idee beim Ausblick durch das gewölbte Bullauge des Schiffes gekommen sein.

Parabolspiegel haben zwar den Vorteil, durch große Spiegelflächen große Lichtstärken zu haben, doch ist die Abbildungsqualität lediglich in einem kleinen Bereich rund um die optische Achse zufriedenstellend. Je weiter ein Sternbild davon entfernt ist, um so mehr wird es deformiert - es zeigt ähnlich einem kleinen Kometen länglich diffuse Bildfehler. Auf Fotoplatten scheinen die Sternbilder vom Zentrum wegzuspritzen. Auf einem Stück Papier skizzierte Schmidt seine Lösung und zeigte es Baade. Schmidt wollte eine Korrektionsplatte vor das Teleskop setzen. Er fieberte der Zeit entgegen, wo er sich in seine Werkstatt in Hamburg zurückziehen konnte, um an einer Lösung für die komplizierte Schleiftechnik zu tüfteln. Schließlich, im Winter 1929/30, nachdem er sich wochenlang eingeschlossen hatte, war die Lösung gefunden. Von der mechanischen Werkstatt ließ er sich ein genau berechnetes Gefäß bauen, dessen oberer Rand mit einer Gummilippe versehen war. Auf dieses Gefäß wurde eine Glasscheibe gelegt, die an den Rändern das Gefäß konzentrisch überragte. Ein Schlauch und eine Vakuumpumpe konnten in dem Gefäß einen solch starken Unterdruck erzeugen, daß sich das Innere der Glasplatte leicht nach innen beulte, während sich der Außenbereich nach oben wölbte. In diesem Zustand schliff Schmidt die Glasscheibe völlig plan. Nach Ablassen des Unterdrucks entspannte sich das Glas zur Korrektionsplatte Das neue Teleskopsystem wurde unter dem Namen Schmidtspiegel weltbekannt.


Die Original-Schmidtkamera, 36 cm Öffnung, Spiegel 44 cm Durchmesser, 62.5 cm Brennweite (1932)


„Die Wentorfer Mühle". Dieses Bild wurde von Schmidt mit dem neuen Spiegel in einer mondlosen Nacht gemacht. Belichtungszeit war zwei Stunden. Entfernung der Mühle: ca. 3 km.

Das Ergebnis der neuen Konstruktion war sensationell. Die Aufnahmen des Himmels waren von Ecke zu Ecke gleichmäßig superscharf - ohne Unterschiede. 1932 erschien eine der wenigen Veröffentlichungen Schmidts in der „Central-Zeitung für Optik und Mechanik, 52. Jahrg. Heft 2", nachgedruckt in den Mitteilungen der Hamburger Sternwarte (Bd.7, Nr. 36) mit dem Titel „Ein lichtstarkes komafreies Spiegelsystem". Nur unter Druck Schorrs und Baades sowie einer Unmenge von Cognac, Kaffee, Kuchen und Zigarren kam diese Schrift zustande.

Diese Teleskopkonstruktion revolutionierte die fotografische Astronomie. Nun konnten großformatige Aufnahmen von Gasnebeln oder Spiralnebeln aufgenommen werden. Manche Platten enthielten zehntausende von Sternen, die alle gleich scharf abgebildet wurden.

Zwei der ersten Aufnahmen mit dem neuen Hamburger Schmidtspiegel. Links: M31 (Andromedanebel), Rechts: Orionnebel

Der in Hamburg fertiggestellte „erste Schmidt" hatte eine Öffnung von 36 cm, der Spiegel einen Durchmesser von 44 cm. Die Brennweite betrug 62,5 cm. Die Lichtstärke besaß den für damalige Verhältnisse unvorstellbaren Wert von 1:1,75.

 Sogleich nach Vollendung des Spiegels fertigte Schorr für Schmidt einen Werbezettel, „Bernhard Schmidt, Astro-Optiker", mit dem er ein solches System zum Preis von 5.500 Reichsmark anbot. Schmidt hatte jedoch kein weiteres System verkaufen können. In Amerika hatten zwar Astronomen um Fritz Zwicky Interesse, sie scheuten jedoch das Geld und versuchten eigene Wege, allerdings ohne Erfolg.

Werbezettel für die Schmidtkamera
1941 veröffentlichte C. Caratheodory die theoretische Beschreibung des Schmidtspiegels.

 

   
   
   
   
   
   
Schmidtspiegel