Chales Rümker

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Die Gründung des Parramatta Observatorium

Sir Thomas Makdougall Brisbane war ein alter Haudegen der englischen Marine und hatte sich u.a. 1812 unter General Wellington einen Namen gemacht. 1821 wurde er zum Gouverneur ernannt. Seine Berufung war allerdings keine glückliche Wahl, so daß er bereits 1826 wieder zurückberufen wurde. In Australien wurde er in den folgenden Jahren „Eiserner Herzog" genannt.

Es wird berichtet, Brisbanes Interesse an der Astronomie sei durch eine knapp verfehlte Schiffskatastrophe aufgrund einer falschen Bestimmung der Schiffsbreite stimuliert worden. Während eines längeren Aufenthalts in seiner Schottischen Heimat, wo er sich von einer Krankheit erholen mußte, baute sich Brisbane ein eigenes kleines Observatorium.

Am 7. September 1821 erreichte Brisbane und sein Gefolge Australien. Zum Team gehörte auch James Dunlup, der als technischer Assistent an der Sternwarte arbeiten sollte. Noch während der Überfahrt hatte Rümker eine Reihe navigatorischer Beobachtungen gemacht, darunter die Änderungen der Kompaßmißweisungen entlang der Route. Diese Beobachtungen sandte er nach Hamburg, wo sie in Schumachers Astronomischen Nachrichten veröffentlicht wurden.

Rümker wohnte anfangs noch im Haus des Gouverneurs, in dessen Nähe das neue Observatorium entstand. Das „Parramatta-Observatory" wurde im April 1822 fertiggestellt und mit Instrumenten bestückt, die Brisbane nach Australien mitgebracht hatte und sich in seinem Besitz befanden. Dies waren vor allem ein 5½-füßiges Durchgangsinstrument und ein 2½-füßiger Mauerquadrant, beide aus der berühmten Englischen Werkstatt von Troughton.

Am 2. Mai 1822 begann die astronomische Arbeit in Parramatta. Ziel sollte die Erstellung eines Sternkataloges für den südlichen Himmel sein, denn die Grundlage für die Navigation auf der südlichen Hemisphäre war bis dahin mit großen Unsicherheiten versehen.

Die Arbeit im Observatorium verlief anfangs ausgezeichnet.
Das Parramatta Observatorium in New-South Wales

Ärger um den Enckeschen Kometen

Rümker war Mathematiker. Ihn faszinierten besonders die periodisch wiederkehrenden Kometen. Nur beim Halleysche Komet war es bis dahin zu einer gesicherten Wiederauffindung gekommen. Als Encke aus den Beobachtungsdaten des 1818 von Pons entdeckten Kometen Bahndaten errechnen konnte und eine Periodizität von nur 3,6 Jahren vorhersagte, legte Rümker alles daran, diesen Kometen erneut aufzufinden. Durch seine Positionsberechnungen gelang es tatsächlich am 24. Mai 1822 zum zweiten Mal nach Halley, einen Kometen wiederzuentdecken. Um diese Entdeckung entzündete sich jedoch, zumindest in England, der erste Streit um die australische Sternwarte. Während Sir Thomas in einem Brief an die Royal Society in Edinburgh die Arbeit Rümkers übergebührlich rühmte:

Die Beobachtungen des Kometen zusammen mit den für ihn abgeleiteten Bahnelementen sind ausschließlich Mr. Rümkers Verdienst, dem gegenüber es mir unmöglich macht im ausreichenden Maße Lob,... auszusprechen."

Im Abschluß dieses Briefes vermerkt Brisbane in einer kurzen Notiz, daß James Dunlop, der Assistent der beiden, den Kometen als erster im Fernrohr sah. Aus dieser Mitteilung jedoch entstanden Uneinigkeiten, wer denn nun den Kometen entdeckt hätte, Rümker oder Dunlop.

Es besteht jedoch kaum Zweifel daran, daß James Dunlop lediglich als Assistent Rümkers oder Brisbanes zufällig am Teleskop stand, um an der von Rümker berechneten Position nach dem Komet zu suchen. Dunlops spärliche astronomische Kenntnisse hätten ihn schwerlich in die Lage versetzt, diese aufwendigen Rechnungen durchzuführen. Dunlop selbst hat später auch nie die Urheberschaft der Entdeckung für sich in Anspruch genommen. In England und auch in Europa wurde jedoch eine Zeit lang darüber diskutiert.

Auch in Deutschland erschien Rümkers Erfolg. So schrieb z.B. Wilhelm Olbers im Februar 1823 in den Astronomischen Nachrichten:

Endlich habe ich das Vergnügen, ihnen anzuzeigen daß unser Rümker zu Parramatta den Enkeschen Cometen glücklich aufgefunden hat ..."

Im Mai 1823 sah sich Schumacher in Altona jedoch zu einer Erklärung veranlaßt, in der er zunächst den damaligen Präsidenten der Royal Astronomical Society in London, Francis Baily, zitierte:

By a letter which I have recently received from Sir T. Brisbane I find that the first report, of the rediscovery of Encke's comet by Mr. Rümker, was correct: and that the subsequent report, that it was discovered by Mr. Dunlop was erroneus. Mr. Dunlop is about to write to Dr. Brewster to explain the cause of the mistake.
F.Baily"

Anmerkung des Herausgebers
Herr Doctor und Ritter Olbers entdeckte gleich, wie die unrichtige Behauptung, daß nicht Rümker, sondern Dunlop den Enckeschen Cometen in Parramatta gefunden habe .. die offensichtliche Verwechslung zweier ganz verschiedener Cometen, die zu diesem Mißverständnis Anlaß gegeben hatte. ... und so mag der Abdruck der obigen Stelle aus Herrn Baily's Briefe ... Herrn Rümker als Ehrenrettung dienen."

Die astronomische Welt schien zunächst wieder zufrieden zu sein, zumindest in Australien, denn Brisbane übereignete Rümker in Anerkennung dessen Leistungen am 9. Juli 1822 ein Stück Land von 1000 acres (ca. 400 ha). Rümker nannte seine neue Farm nach seinem Geburtsort in Mecklenburg: Stargard.

Um den Farmbetrieb konnte sich Rümker jedoch kaum kümmern, denn die Arbeit in Parramatta nahm ihn stark in Anspruch, auch wurde er ein angesehenes Mitglied der australischen Kolonie. Er wurde Mitglied der Royal Society of New-South Wales und wurde enger Freund einiger Vertreter der naturwissenschaftlich interessierten Oberschicht Australiens.

„I never like him since."

Die heile Welt in Australien endete jedoch abrupt am 16. Juni 1823: Rümker quittierte die astronomische Arbeit in Parramatta und zog auf seine Farm.

Die exakte Begründung Rümkers ist nicht bekannt, doch läßt sie sich aus den unterschiedlichen Charakteren Rümkers und Brisbanes unschwer ableiten.

Rümkers Sohn George sagte später:

Der Grund für die Differenzen war, wie ich glaube, der, daß Sir Thomas das Observatorium als sein persönliches Eigentum ansah, er wollte als Urheber der wissenschaftlichen Arbeit gelten und nahm mehr für sich in Anspruch, als mein Vater glaubte, daß er dazu berechtigt sei."
Viele der hier wiedergegebenen Zitate sind dem Aufsatz von George F.J. Bergman, „Christian Carl Ludwig Rümker (1788-1862), Australia's First Government Astronomer", Royal Australian Historical Society, Vol. 46, 1960, entnommen.

Dies war einer der Gründe, doch entstanden im Laufe der Arbeit in Parramatta auch Spannungen zwischen Brisbane und Rümker, die eher tragikomisch wirkten. So berichtet ein zeitgenössischer Erzähler Australiens, Boyes:

Eines Tages bestand der Gouverneur auf Rümkers Teilnahme an einer Jagd. `Now`, sagte Rümker zu Boyes, der in seinem Vortrag Rümkers deutlichen deutschen Akzent imitierte:` I never had lof for de sport and besides, I did not know how to shoot and besides, I never fire off de gun in all my life dat I know of, when, as we were going along, ve see two magpie sitting upon a tree. Dey were evidently man and wife, de Governor rise up de gun to his shoulder and give fire and kill one of de birds. Sir Thomas shot very vell. By Got, I was so shocked at dat I trow down my shot belt vat he made me bring and stamp about like mad. I never like him since."

Ein weiterer Grund mag auch das Verhältnis Rümkers zu Dunlop gewesen sein, denn Dunlop war offensichtlich Brisbanes Günstling, so daß sich bald eine Gegnerschaft zwischen beiden entwickelte. Beide waren Hitzköpfe und leicht erregbar. Die Jubiläumsgeschichte Parramattas vermerkte 1911, daß es zwischen Dunlop und Reverent Clark über Nichtigkeiten häufig zu Schlägereien kam. Auch Rümker war mehrfach in Handgreiflichkeiten verwickelt. Über Rümker wird auch berichtet, er habe einst den berühmten Hamburger Verleger Perthes die Stufen seines Hauses hinabgeworfen.

Es fällt auf, daß keiner der beiden, weder Rümker noch Dunlop, die wissenschaftliche Arbeit des anderen erwähnte, und es besteht kaum Zweifel, daß sich beide nicht mochten.

Einer der wichtigsten Gründe, die zum Ausscheiden Rümkers geführt haben, mag jedoch die unterschiedliche Arbeitsweise in Parramatta gewesen sein. Brisbane legte keinen Wert auf übertriebene Genauigkeit. Für ihn war wichtig, daß mit der geleisteten Arbeit der richtige Eindruck hinterlassen wurde. Rümker wollte jedoch ausgesprochen exakt arbeiten, denn für ihn stand die wissenschaftliche Reputation auf dem Spiel. Zwischen Brisbane und Rümker entspann sich bei den Beobachtungen immer häufiger Streit. Wiederum Boyes wußte zu berichten:

Eine unglückliche Mondfinsternis entzweite sie für immer. Dies geschah als sie die Entwicklung des Erdschattens auf dem Mond verfolgten. `Getan!`, sagte Sir Thomas, `Getan!`, sagte Rümker, beide jedoch nicht zur gleichen Zeit. `Acht Teilstriche`, sagte Sir Thomas, `Neun Teilstriche`, sagte Rümker. Die Genauigkeit seiner Exzellenz war zweifelhaft, jedoch stand möglicherweise seine Stellung auf dem Spiel. Rümker, obwohl nur ein armer Abhängiger, war aus seiner wissenschaftlichen Sicht zu stolz einen ganzen Teilstrich bei einer solch wichtigen Messung nachzugeben, und da auch Sir Thomas nicht bereit war in dieser Hinsicht nachzugeben, entzweiten sich die beiden großen Männer auf immer."

In England erschien die Mitteilung über Rümkers Fortgang erst am 21. August des Jahres 1824, als ein anonymer Autor den Gouverneur angriff:

Sir Thomas verbringt den größten Teil seiner Zeit im Observatorium damit, Papageien zu schießen. In der letzten Zeit ist er jedoch seines ersten Assistenten, Charles Rümker, beraubt, der, wie Berichte sagen, sich auf seine Farm zurückgezogen hat, entweder aus Ärger oder Abscheu. Wenn dies so ist, welche Einschnitte werden sich bei der astronomischen Korrespondenz in den Journalen und Berichten für die gelehrige Wissenschaft ergeben? Da es gut bekannt ist, daß die Berichte, die bereits erschienen sind, die Beharrlichkeit und Fähigkeiten Mr. Rümkers bezeugen, wird dessen Unzufriedenheit daher ein Verlust für die Wissenschaft und für die Welt überhaupt darstellen."

Wer immer der Autor dieses Artikels war, Boyes, oder wie Sir Thomas später vermutete Barron Field, er war sehr gut über die Zustände in Parramatta informiert.

Nachdem Rümker die Sternwarte verlassen hatte, bezichtigte ihn Brisbane, er habe gekündigt „sogleich als er das Stück Land übereignet bekommen" habe. Die Schenkung lag allerdings bereits ein Jahr zurück.


Rümkers Haushaltsbuch während seines Exils

Seit Juni 1823 mußte Brisbane mit Dunlop allein weiterarbeiten. Daß Dunlops astronomische Fähigkeiten auch zu dieser Zeit noch sehr unzureichend waren, ergibt sich aus einem späteren Urteil des holländischen Astronomen Baron de Vos Steenwijk, der 100 Jahre später, 1923, die Beobachtungen Dunlops zwischen 1823 und 1825 als in vieler Hinsicht unvollständig beschrieb und feststellte, daß Dunlop hunderte von Sternen aufzeichnete die überhaupt nicht existierten.

Thomas Brisbane versuchte ein Jahr später noch einmal eine Annäherung an Rümker, wohl wissend, daß bestimmte Arbeiten mit Dunlop nicht durchführbar waren. So sollte das geographische Längengradsystem für die Kolonie aufgrund bestehender Ungenauigkeiten neu bestimmt werden. Am 9. August 1824 schrieb Brisbane daher an: „Mr. Rümker, Kuhwiese". Der stark beleidigte Rümker antwortete jedoch nicht und Brisbanes Ärger schwoll wieder an. Der Versuch, Rümkers Landbesitz auf 200 bis 300 acres (80 - 100 ha) zu reduzieren, weil dieser nicht zur Arbeit an der Sternwarte zurückkehrte, erhielt vom zuständigen Lord Bathurst in England keine Zustimmung. Man war der Meinung, unter diesen Umständen sei es besser, Rümker betriebe seine Farm, als im Streit mit Brisbane astronomisch zu arbeiten.

Mr. Rümker, Kuhwiese

Das Leben auf der neuen Farm war hart. Rümker, der die Farm erst ein Jahr lang besaß und kaum landwirtschaftliche Kenntnisse besaß, lebte in äußerst ärmlichen Verhältnissen. Boyes beschrieb Rümkers Behausung:

"Das Innere seines Domizils ähnelte stark dem Äußeren. Die Stämme aus denen es gebaut war, waren aufgrund des trocknen Wetters so auseinander gegangen, so daß er ein Auge auf jedes Inch seiner Farm werfen konnte, ohne sich von seiner Kiste zu bewegen, denn Stühle hatte er keine. Auf dem Tisch stand eine zerbrochene Schüssel, auf dem Tisch lag auch ein stumpfes Messer, schwarz und verrostet, die Deutschen Ephemeriden von 1818 und ein vierfüßiges Teleskop. Auf dem Mahagonitisch lag eine halbe Melone, eine Seite vertrocknet. Genügsamkeit selbst in Anwesenheit dieses einfachen Luxusses anzeigend, Teekrümel und Zucker, einen Knochenlöffel in der Farbe rostigen Schinkens. Das Bett, Einfachheit in sich selbst, eine verbleichte Decke und alte Stoffbekleidung über drei Schrankgerüsten aus Eisenstäben verteilt, enthielten das müde Leben des Philosophen, wenn er sich nach Ruhe sehnte."

Zu seinen Nachbarn unterhielt Rümker ein freundschaftliches Verhältnis. Sofern es seine Zeit und Mittel erlaubten, besuchte er die Arriettas, die Elyards oder die Cunninghams, wo er ein gern gesehener Erzähler und Gesprächspartner war.


Astronomie in Rümkers Haushaltsbuch auf der Farm

Rümker beschäftigte auch eine Reihe von Angestellten, um sein Vieh zu treiben oder die Zäune um seine Farm zu ziehen. Dies waren rauhe Burschen und rekrutierten sich aus der Nachfolgeschar der aus England Verbannten. Zu seinem Sohn sagte er später oft, daß,

wenn man auf die Wünsche dieser Männer einging, sie freundlich behandelte, sie nicht übervorteilte, reichte dies um nur selten Schwierigkeiten mit ihnen zu bekommen. Ein Fingerzeig sie fortzuschicken reichte in der Regel sie wieder zur Ordnung zu rufen."

Georg Bergmann, schrieb 1960 in einer Biographie über Rümker: „Seine Humanität in der Behandlung seiner Angestellten war um so bemerkenswerter, als es zu der damaligen Zeit bei den anderen Siedlern völlig unüblich war, da nach dem großen Straflager19 ein neues Zeitalter hereinbrach, das bezgl. Grausamkeiten alles übertraf was Australien bis dahin gesehen hatte" . Dieses Verhalten bescherte ihm
aber auch eine gewisse Sicherheit auf seiner Farm, denn es verhalf ihm zu einer Sympathie bei den Buschräubern der Region, die sich in vielen Teilen des Landes zu behaupten versuchten. Es wird berichtet, daß Rümker eines Nachts durch den Busch ritt als er auf Desperados traf, jedoch nicht belästigt wurde. Sie grüßten ihn, ließen ihn passieren und riefen ihren Kollegen zu: „Es ist nur Mr. Rümker."

"It's only Mr. Rumker!"

Während seines Farmexils in Stargard ließ ihn die Astronomie nicht los. Auf einem nahen Hügel errichtete er ein kleines Observatorium mit den eigenen Instrumenten. Er entdeckte in dieser Zeit 3 neue Kometen und sandte die Ergebnisse an seine Hamburger und englischen Freunde. Die Beobachtungsbedingungen waren allerdings weitaus schlechter als die in der gut ausgestatteten Sternwarte in Parramatta. In einem Brief an Olbers, veröffentlicht in den Astronomischen Nachrichten, schrieb Rümker:

Ich bedaure, daß ich in 18 Monaten in astronomischer Rücksicht beinahe völlig unthätig gewesen bin; ich habe keine andere als meine alten Hamburger Instrumente; ein Teleskop von Gilbert mit einem Kreismikrometer von Repsold, ein Chronometer von Arnold und einen Sextanten. Das Teleskop hat keine parallaktische Aufstellung und zittert überdies sehr im Winde."

Zurück in Parramatta

Sir Thomas Brisbane wurde am 28. Dezember 1824 mit einer Depeche vom Earl Bathurst aus Australien abberufen. Der Amtswechsel fand jedoch erst mit dem Eintreffen des neuen Gouverneurs Ralph Darling im Dezember 1825 statt. Das Instrumentarium und die astronomischen Bücher des Parramatta-Observatoriums, die Brisbanes Eigentum waren, gingen zum Preis von 1614£ und 16 Schilling an das Gouvernement Neu-Südwales über. Ein Preis, der nicht nur von den späteren Astronomen in Sydney als „groß" beschrieben wurde. Interessanterweise war Rümker ausgewählt worden, die Inventarliste zu erstellen.

Rümker schien über den Wechsel der Gouverneure gut informiert gewesen zu sein, denn er beendete zwei Tage nach Eintreffen Darlings seine Arbeiten in Stargard und fuhr nach Parramatta, um dort den neuen Gouverneur zu sprechen. Durch die Initiative von Alexander McLeay, dem Sekretär Darlings, der selber naturwissenschaftlich interessiert war und in England bereits durch Peter Heywood in die australischen Verhältnisse eingeweiht worden war, wurde Rümker wieder als Astronom an die Sternwarte gerufen, wo er am 10. Mai 1826

zum zweiten Mal mit der astronomischen Arbeit beginnen konnte. Am 13. September 1826 trat er durch die Entdeckung eines neuen Kometen erneut an die astronomische Öffentlichkeit.

James Dunlop hatte das Observatorium schon am 2. März 1826 verlassen und beendete seine Katalogarbeiten zu Hause. Im Februar 1827 verließ Dunlop Australien, um mit Thomas Brisbane in dessen Sternwarte Makerstoun in Schottland zu arbeiten.

Das bereits früher verschobene Meridianprogramm wurde Rümker im Juli 1826 nun unverzüglich übertragen. Das war das gleiche Programm, auf das er zwei Jahre zuvor, auf Brisbanes „Kuhwiese"-Brief eine Absage erteilt hatte. Doch obwohl Rümker einen Assistent, Mr. Hoddle, an die Seite gestellt bekam, wurden die Kosten und Arbeiten für die Neufestlegung des Meridiansystems in Neu-Südwales von Rümker gründlich unterschätzt, so daß dieses Vorhaben wohl allein schon aus diesen Gründen nie hätte richtig beendet werden können. Doch die Ereignisse in Australien verliefen sowieso wieder einmal in völlig anderen Bahnen.

Darling hatte der Britischen Regierung bald vorgeschlagen, Rümker als Gouvernements-Astronomen einzusetzen. Da im Dezember 1827 jedoch noch keine Antwort vorlag, setzte Darling Rümker zunächst auf eigene Rechnung mit einem Gehalt von 300 £ ein. Mit einer Depesche vom 5.1.1828 rechtfertigte er seine Entscheidung und schlug vor, Rümker als einzigen qualifizierten Astronomen der Kolonie auf ein Gehalt von 400 £ anzuheben, um ihn so auf gleiche Stufe mit den Astronomen am Kap der Guten Hoffnung22 zu stellen.

Im Juli 1829 traf die Bestätigung in Sydney ein, ohne jedoch das Gehalt anzuheben.

Rümker jedoch war glücklich, diese Stellung bekommen zu haben, und berichtete seinem Sohn später, daß er glaubte, nun bis ans Ende seiner Tage sorglos in Neu-Südwales leben zu können.

Doch die Dinge änderten sich schnell, denn zum Zeitpunkt des Eintreffens der offiziellen Stellenbestätigung befand sich Rümker bereits auf der Rückreise nach England.

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