Charles Rümker

Vom Bauconductor zum Astronom

Navigation

 

Christian Karl Ludwig Rümker wurde am 18. Mai 1788 in Stargard in der Nähe von Neu-Brandenburg geboren. Nach seiner Schulzeit in Neu-Brandenburg zog er nach Berlin, um dort Bauwesen zu studieren. Dort entwickelte sich auch sein Interesse für Mathematik. 1807 erhielt er ein Diplom als „Bau-Conducteur"; diesen Beruf hat er jedoch später nie ausgeübt.

Bedingt durch den Krieg mit Napoleon (1807 kapitulierte Preussen) verließ Rümker Berlin, um der Gefahr in Hamburg aus dem Wege zu gehen. Anfangs verdiente er sein Geld als Privatlehrer für Mathematik, doch einerseits aus Schülermangel, andererseits aus dem Herannahen der napoleonischen Truppen an Hamburg verließ Rümker Anfang 1809 Hamburg mit dem Ziel, in England der Navy beizutreten; die Seefahrt faszinierte ihn. Er trat jedoch zunächst der Britischen Ost-Indien Gesellschaft bei und fuhr als Matrose im Dienst der Gesellschaft, denn die englische Navy zeigte kein Interesse an ihm. 1811 heuerte er auf einem West-Indienfahrer an und wurde schließlich Steuermann.

1813, als er wieder in England war, beschloß er aus Interesse an der Navigation einen eigenen Sextanten zu erwerben. Kaum hatte er das Geschäft verlassen, fiel er einem Heuerkommando des Navy-Schiffes „HMS Benbow" in die Hände und
wurde von der Straße weg zum Dienst auf diesem Schiff gepreßt, ein damals übliches Einstellungsverfahren. Bald erkannte man seine Bildung und navigatorischen Kenntnisse, so daß er zum Navigationslehrer befördert wurde. Mit dieser Beschäftigung fuhr er nun noch auf mehreren Schiffen der Royal Navy.

Die Montague in einer Seeschlacht 1801

1816 begleitete er die „HMS Albion" auf einer Strafexpedition gegen Algerien ins Mittelmeer. Sein Stützpunkt wurde Malta. Hier traf er auch mit Freiherr von Zach zusammen, der die damals erste astronomische Fachzeitschrift herausgab: „Zachs Monatliche Correspondenz". In diesen Veröffentlichungen wurde in regelmäßigen Abständen Briefwechsel mit den Astronomen der damaligen Zeit abgedruckt. Zwischen den Briefen Gauß', Bessels, Olbers tauchten nun zum ersten Mal auch Beobachtungsberichte von Rümker aus Malta auf. Eine Veröffentlichung Rümkers erschien überdies in Edinburgh, sie spielte für seine spätere Karriere eine wichtige Rolle, denn in den Kreisen der Royal Astronomical Society wurden von nun an die Aufsätze des Navigationslehrers Charles Rümker aufmerksam verfolgt.

Nach Ende des Krieges mit Napoleon kehrte Rümker im Mai 1819 zunächst wieder nach Hamburg zurück. Mit Schumacher in Altona und Repsold in Hamburg entsprang nun eine lang anhaltende Freundschaft.

Im September 1819 wurde Rümker als Lehrer der Hamburger Navigationsschule eingestellt, die Aussichten standen nicht schlecht, daß er sogar Direktor dieser Schule werden könnte. Aufgrund der Pläne, in Hamburg eine eigene Sternwarte zu gründen, bestand Aussicht, die Leitung der neuen Institute zu bekommen. Noch im Jahr 1819 baute Rümker im Garten der Navigationsschule eine eigene kleine Privatsternwarte. Seine Beobachtungen veröffentlichte er in Zachs „Correspondance Astronomique". Die zögernde Haltung des Senates, ihn als Direktor einzustellen, veranlaßte Rümker jedoch, ein Angebot aus England anzunehmen: Der Gouverneur der Britischen Kolonie Neu-Süd Wales in Australien, Sir Thomas Brisbane, beabsichtigte in der Nähe Sydneys eine Sternwarte aufzubauen und suchte einen Hauptbeobachter. Dies war ein verlockendes Angebot für Rümker.

Die Information, daß Sir Thomas dort eine Sternwarte bauen wollte, hatte Rümker von seinem Freund Peter Heywood erfahren, unter dessen Kommando Rümker einige Jahre zuvor auf der „HMS Montague" gefahren war. Zwischen beiden hatte sich damals eine enge Freundschaft entwickelt. Heywood war als junger Matrose unter dem Kommando William Blighs auf der berüchtigten „Bounty" gefahren und gehörte mit zu jenen berühmt gewordenen Meuterern. Heywood wurde in Tahiti zusammen mit anderen gefangengenommen, nach England gebracht und zum Tode verurteilt. Aufgrund seiner Jugend war er jedoch begnadigt worden und wurde später wieder in den Dienst der Royal Navy aufgenommen.

Wahrscheinlich ohne Zögern nahm Rümker das Angebot Brisbanes an. Der Aufbau einer neuen Sternwarte und eine Karriere als Astronom unter südlichem Himmel versprachen reizvolle Aufgaben.

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