Johann Georg Repsold
Der Gründer der Hamburger Sternwarte

 

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Johann Georg Repsold, am 19. September 1770 in Wremen an der Wesermündung geboren, erhielt bei Reinhard Woltman naturwissenschaftlichen Unterricht, zu der Zeit als Woltman Wasserbaudirektor in Ritzebüttel bei Cuxhafen war. Durch Woltmans Vermittlung wechselte Repsold 1789 zum damaligen Grenzaufseher Reinke nach Hamburg. Als 1798 der Spritzenmeister der Feuerwehr in den Ruhestand trat, bewarb sich Repsold und wurde angenommen.

Zu den Aufgaben eines Spritzenmeisters gehörte neben der Brandbekämpfung und der Aufsicht über die ca. 800 Leute starke Mannschaft auch die Wartung und der gegebenenfalls notwendige Neubau von Geräten in einer eigenen Werkstatt. Zur Unterhaltung der Werkstatt war es den beiden Hamburger Spritzenmeistern auch gestattet, Arbeiten auf eigene Rechnung auszuführen.

Im Jahr 1799 lernte Repsold Johann Caspar Horner aus Zürich kennen. Horners naturwissenschaftliche Interessen, besonders an der Astronomie und der Physik, hatten ihm nach einem Studium in Zürich und Göttingen eine Assistentenstelle beim Freiherrn v. Zach auf dem Seeberg bei Gotha eingebracht. Zach war Ende des 18. Jahrhunderts eine astronomische Institution. 1799 bekam Horner ein Angebot der Commerzdeputation, für Hamburg die Mündungen der Weser, Elbe und Eider neu zu vermessen. Da es gute nautische, geodätische oder astronomische Instrumente in keinem Laden zu kaufen gab, war ein Wissenschaftler oft gezwungen, seine Geräte selbst zu bauen. Horner suchte sich in Hamburg eine geeignete Werkstatt, wo er diese feinmechanischen Arbeiten ausführen konnte und begegnete Johann Georg Repsold. Dieser war erst Anfang des Jahres in sein Amt eingeführt worden und erhielt nun Einblicke in die Welt der feinmechanischen Fertigung optischer Instrumente. In kurzer Zeit hatte sich auch Repsold ein kleines Passageinstrument selbst gebaut.

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Repsolds Sternwarte auf dem Wall

Repsolds astronomische Leidenschaft war geweckt, und er begann mit dem Bau eines großen Meridiankreises. Dieses Instrument sollte 8 Fuß Brennweite besitzen und Teilkreise von 3½ Fuß Durchmesser bekommen. Nach dem, von Olav Römer um 1700 in Kopenhagen gebauten ersten Typ eines Meridiankreises, war dies eines der ersten Instrument in nahezu moderner Form. Repsold brauchte nun auch ein Gebäude, um diese Instrumente aufzustellen und zu betreiben. Er beantragte 1802 beim Senat, man möge ihm ein ehemaliges Wachhäuschen auf den Wallanlagen überlassen. Nach der Bewilligung begann Repsold, dort die zweite Sternwarte Hamburgs nach Johann Beyer zu bauen. Der Chronist W.L. Meeder schrieb:

Repsolds Sternwarte, auf der Bastion Albertus, zwar eine Privat-Unternehmung, allein als die erste in Hamburg, als Grundstein der später errichteten, von historischer Wichtigkeit. 18001 verlangte der Stifter den nöthigen Raum von der Kammer gegen jährliche Grundpacht, sogleich begann Repsold mit der ihm eigenen Energie die Erbauung, 1801 war das lobenswerthe Werk vollendet. Das Gebäude war ein Sechseck, mit einem unscheinbaren, aber höchst zweckmässig eingerichteten Schirmdach; es war darin eine Oeffnung angebracht, die das ganze Gebäude gleichsam in zwei Hälften theilte, durch welche man im innern einen Streiffen (Strich) am Himmel, vom südlichen Horizont bis zum Zenith hinauf, und dann vom Zenith hinunter bis zum nördlichen Horizont ungehindert überschauen konnte. Die Oeffnung wurde durch äusserlich angebrachte Klappen bedeckt, die man von innen, durch einen einfachen Mechanismus, willkürlich ganz, oder theilweise öffnen und schliessen konnte. Das wichtigste Stück war ein von Repsold verfertigtes vortreffliches Passage-Instrument, das in der Mitte aufgestellt stand."

Repsolds Sternwarte ist auf einem Lageplan der Seewarte markiert

Mitte 1803 konnte Repsold den Meridiankreis in seiner Sternwarte aufstellen, die übrigens auch eine Teestube besaß und von einem kleinen Garten umgeben war. Neben den Meridiankreis stellte er eine präzise Pendeluhr - wie schon erwartet, ebenfalls aus eigener Produktion. Im August 1803 begann Repsold mit den Beobachtungen.

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Repsolds Freund Horner lebte nun schon drei Jahre in Hamburg, ohne jedoch zu wissen, wie er seinen Lebensunterhalt in Zukunft bestreiten könnte. Stellen, die ihm Zach vermittelte, z.B. an den Sternwarten in St. Petersburg oder Dorpat, hatte er ausgeschlagen, ebenso wie eine Stellung als Major bei den Truppen der Hamburger Befestigungsanlagen. Seinen Wunsch, eine Stellung als Astronom in Bologna zu erhalten, hatte ihm dann Zach mit scharfen Worten ausgeredet. Schließlich nahm er 1803 einen Posten als Astronom der russischen Regierung an, um Kapitän Krusenstern auf seiner Expedition um die Welt zu begleiten.

Nehm di in Acht, dat du di de Näs nich verbrennst

Die Astronomie war nicht Repsolds einziges Tätigkeitsgebiet. Sein eigentlicher Beruf war der des Spritzenmeisters, und auch hier erlangte Repsold einen hervorragenden Ruf. 1808 wurde er zum „Ober-Sprützenmeister" ernannt und war dadurch der oberste Feuerwehrmann Hamburgs. Unter seiner Leitung erlangte die Hamburger Feuerwehr Weltruf - von seinen Feuerspritzen nicht zu reden. Diese wurden u.a. nach Kopenhagen, St. Petersburg oder Königsberg verschickt. Da regelmäßige Übungen nicht durchführbar waren, achtete Repsold darauf, sich unter den vielen Freiwilligen besonders brauchbare Leute auszuwählen, und sie gut zu schulen. Wenn die Sturmglocken von den Kirchtürmen läuteten, nachts die Schnarren rasselten, die Nachtwächter Feuer riefen oder die großen Kuhhörner der Brandwachen über die Stadt klangen, kam es auf ein mutiges und entschlossenes Vorgehen an, denn leistungsfähige Druckspritzen gab es noch nicht. Es war also entscheidend, den Brandherd möglichst frühzeitig zu erreichen und mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln das Feuer im Entstehen zu ersticken. Dies war um so notwendiger, als die alte Stadt mit ihren vielen Holzhäusern äußerst brandgefährdet war und sich oft große Mengen leicht brennbarer Stoffe in den Speichern befanden. 1842 führte dieser Zustand zum Großen Hamburger Brand, bei dem viele Kirchen und Hunderte von Häusern zu Asche sanken - nahezu ein Drittel der Hamburger Innenstadt.

Über den Umgang mit Bränden ist Repsolds Ansicht überliefert. Auf die Frage eines dänischen Geschäftsträgers, ob es Instruktionen für die Brandbekämpfung gäbe, antwortete er:

Was Instruktionen? - Ich habe nie eine andere Instruktion
zu geben als: Gah dat Füer so dicht op'n Lief, as du kannst, und nehm di in Acht, dat du di de Näs nich verbrennst.
"

Repsold selbst verbrannte sich öfter die Nase, etwa als ein einstürzender Schornstein ihn schwer verletzte. Auch über seinen Umgang mit der einflußreichen Oberschicht Hamburgs gibt es eine Notiz im „Hamburger Beobachter" vom 23. Januar 1830. Bei einem Feuer im Ortsteil „Eichholz" war einer dieser angesehenen Herren unter den Schaulustigen, bemängelte das Vorgehen Repsolds und machte ihm Vorwürfe. Repsold hat sich solche Bemerkungen wohl recht unhöflich verbeten, so daß der Patrizier mit seinem Stock nach ihm schlug, worauf er umgehend den langen roten Kommandeursstock Repsolds zu spüren bekam. Aus gekränkter Eitelkeit wurde Repsold am nächsten Tag um „Genugtuung" aufgefordert. Der hochgestellte Herr bekam jedoch nur zu hören:

Wenn ick Se raden sall, denn behollen Se Eer Tagels4 und gahn still na Hus; denn wenn wi all commandiren wöllt, brennt uns de Stadt bald af."

In der Astronomie hatte Repsold mittlerweile den Astronomen H.C. Schumacher aus Altona kennengelernt mit dem er zeit Lebens befreundet blieb. Ab 1808 kam Schumacher häufig aus dem dänischen Altona herüber, um in Repsolds Sternwarte zu beobachten - wenn auch nicht unbedingt mit offiziellem dänischen Einverständnis, denn er war angestellt in Kopenhagen. Für Schumacher lohnte sich der Abstecher nach Hamburg, denn bis zum Jahr 1811 war Repsolds Ausrüstung schon sehr stattlich angewachsen. Schumacher zählte damals auf: Der große Meridiankreis von Repsold, ein Duchgangsinstrument von Carry, einen Sextanten von Dollond, drei Fernrohre (8, 6 und 2½ Fuß Brennweiten) einschl. Montierung, eine Pendeluhr von Repsold, ein Chronometer von Barraud und mehrere kleine Instrumente. Dies war selbst für öffentlich betriebene Sternwarten anderer Städte eine gute Ausstattung. Die Pendeluhr wurde übrigens 1810 von dem Astronomen und Mathematiker Bessel für dessen Sternwarte in Königsberg angekauft, der sie später den „alten Stolz der Sternwarte" nannte.

Ideen für eine neue Sternwarte

1811 reifte in Repsold die Idee, die notwendig gewordene Ausweitung der Navigationsschule mit seiner Sternwarte zu vereinigen und ein gemeinsames Institut zu gründen. Dieser Antrag wurde auch von der Hamburger Admiralität, Träger der Navigationsschule, unterstützt. An sie setzte Repsold im März 1811 einen kurzen Brief auf, in der er seine eigene Sternwarte beschrieb und zur Übernahme anbot:

Weder in Hamburg, noch in Bremen und Lübeck ist ein öffentliches astronomisches Observatorium. Früher wurde in Hamburg, auf dem Baumhause, von den Prof. Büsch und Brodhagen einige Test-Beobachtungen angestellt, die aber wegen der schlechten Instrumente keinen sonderlichen Werth hatten. 1802 errichtete ich, auf eigene Kosten eine Sternwarte, wozu mir ein Platz auf dem Wall auf Albertus für eine jährliche kleine Grundsteuer überlassen wurde. Die Instrumente verfertigte ich selbst, nämlich ein 8 füßiges Passageinstrument verbunden mit einem Höhen-Kreis von 4 Fuß im Durchmesser, eine Pendeluhr und einige große achromatische Fernrohre.
Die Navigationsschule in Hamburg ist sehr mittelmäßig und nur für Steuerleute berechnet, die selten mehr wie das Nothdürftigste zu wissen verlangen.
"

Doch Napoleon machte einen Strich durch Repsolds Pläne, denn seit dem 13. Dezember 1810 gehörte Hamburg zum französischen Reich.

Die Instrumente logieren hinter dem Ofen

Die Auseinandersetzungen mit Angreifern jenseits der Stadtgrenze hatten unmittelbar das Ende von Repsolds Sternwarte zur Folge. Im April 1811 schreibt Schumacher an Zach:

Leider ist durch die Erschütterung der nahen Kanonen am 24. März die Sternwarte jetzt demontirt. Das Passagen-Instrument wurde aus seinen Lagern geworfen, der Pendel von den Uhren gerissen, und das eine agatne Lager zerschlagen."

1812 wurde auf Veranlassung der französischen Herrschaft, die den Wall ausschließlich militärisch nutzen wollte, die Sternwarte abgebrochen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen nahmen Anfang 1813 noch einmal drastisch zu. Doch schon im März befreite der russische General Tettenborn die Stadt, unter begeisterter Teilnahme der Hamburger. Auch Repsold beteiligte sich an den Verteidigungsmaßnahmen gegen die immer noch in der Nähe der Stadt stehenden Franzosen. Er wurde mit der Instandsetzung von Geschützen beauftragt. Zwei Monate darauf fiel Hamburg erneut in französische Hände. Repsold, der sich aktiv am Widerstand, z.B. durch Kettensperrungen, beteiligt hatte, hielt es nun für ratsamer, die Stadt zu verlassen. Seine Familie brachte er bei einer befreundeten Kaufmannsfamilie im dänischen Ottensen unter, er selbst zog weiter nach Dithmarschen.

Die französische Besatzung hatte jetzt keine einsatzfähige Feuerwehr mehr, eine aus französischen Soldaten aufgebaute Feuerwehr erwies sich als unfähig. Mit viel Mühen gelang es der Besatzungsmacht, Repsold zur Rückkehr in die Stadt zu bewegen. Man ließ ihn jedoch nicht völlig frei handeln, sondern stellte ihm zwei Ordonanzoffiziere zur Seite. Repsold hatte wieder sein Kommando über die gewohnte Mannschaft.

Der folgende Winter 1813/14 war für Hamburg sehr hart. Kälte, Lebensmittelknappheit und die Folgen des Krieges forderten viele Opfer. An seinen Freund Horner schrieb Repsold nach Beendigung der französischen Besatzung im Mai 1814, er für seinen Teil sei „noch mit einem blauen Auge davongekommen", seine Familie sei gesund geblieben. Die Bedingungen müssen sehr elend gewesen sein. Schumacher schrieb an Gauß:

Repsold ist glücklich durchgekommen, obgleich sein Haus von Lazaretten umgeben war. Glücklicherweise ist Chaban gestorben und man hat, um ihn beerdigen zu können, den Dreck etwas bei Seite schaffen müssen. Dadurch hat er einen Ausgang gewonnen, der vorher durch Haufen von Unrath gesperrt war."

An astronomische Arbeiten war in den letzten Jahren nicht zu denken gewesen. An Horner schrieb Repsold:

Meine Sternwarte ist abgebrochen, und die Instrumente logiren hinter dem Ofen; das Gebäude hat diesen Winter zur Erwärmung der Zimmer gedient."

Der Zustand, der während der französischen Besatzung herrschte, ist auch einem Jahresbrief der Mathematischen Gesellschaft für das Jahr 1815 zu entnehmen:

Wegen Unterbleibung des vorjährigen Jahrbriefes wird uns wohl ein Jeder entschuldigen, der den Druck fühlte, unter dem Hamburg im Winter 1813/14 seufzte. Unsere Unterdrücker und Peiniger hatten alle Zusammenkünfte durchaus verboten; einige unsere Mitglieder waren selbst in das unablässige Joch dieser Tirannen gespannt; andere sahen die Kirchen, an welche sich ihre Wohnungen lehnen, in militärische Pferdeställe verwandelt und sich mit immerwährenden Unruhen umgeben; unter solchen traurigen Umständen war an Verbreitung der mathematischen Wissenschaften wahrlich nicht zu denken."

 

Der verzweifelte Kreis

Die Arbeiten an neuen Instrumenten kamen nach dem Krieg nur mühsam voran, denn auch im reichen Hamburg waren die Lebensbedingungen schlecht geworden. Repsold versuchte 1815 mit nautischen Geräten aus England in Hamburg zu handeln, jedoch war er von der Qualität der Instrumente („die Sachen sind schlecht und haben hohe Preise") nicht überzeugt und nach Angaben seines Urenkels Johann Adolf Repsolds war er ein lausig schlechter Kaufmann. Er, Repsold, der als mechanischer Künstler gerühmt wurde, mußte nun mit minderwertiger Ware handeln.

Der abgebaute Meridiankreis fand schließlich bei Gauß in Göttingen Interesse, der ihn für seine Sternwarte ankaufte. Gauß bat jedoch noch um einige kleinere Änderungen, hauptsächlich sollten neue Teilkreise gefertigt werden. Repsolds Werkstatt war für die Fertigung solch große Teilkreise dennoch schlecht ausgerüstet. Im Frühjahr 1816 schrieb er an Gauß, er habe geglaubt, durch übertriebene Anstrengung die Arbeit beschleunigen zu können, doch die Gesundheit habe so sehr gelitten, daß er habe einhalten müssen, und die Augen seien bedeutend geschwächt. Da an Elbe- und Wesermündung jedoch auch neue Lampen für die Leuchttürme gebraucht wurden, zögerten sich die Arbeiten sehr lange hinaus. Gegen Ende des Jahres 1817 war der „verzweifelte Kreis" nach erneuten sechswöchigen Teilungsarbeiten endlich beendet, und Repsold stellte das Gerät persönlich in Göttingen auf. Zur Erholung von den Strapazen der letzten Zeit nahm er sich nun einige Tage Zeit und reiste zusammen mit seinem 14jährigen Sohn Georg nach München, um die berühmten Reichenbach'schen Werkstätten zu sehen. Danach besuchte er seinen Freund Horner in Zürich der 1806 von der Expedition mit Krusenstern zurückgekommen war. Horner war damals zwar zum kaiserlichen Hofrat ernannt und sollte Astronom der russischen Flotte werden, lehnte jedoch ab, da ihn nach langjähriger Abwesenheit von der Schweiz das Heimweh plagte. In Hamburg hielt er sich jedoch noch ein halbes Jahr bei Repsold auf, bis er endgültig nach Zürich zurückkehrte.

Durch die Erfahrungen mit der Fertigung der Teilkreise begann Repsold nach seiner Rückkehr mit der Konstruktion einer großen Kreisteilmaschine. Deren Herstellung verzögerte sich jedoch elend lange und wurde erst nach seinem Tod durch seinen Sohn abgeschlossen.

1819 begleitete er Schumacher nach Londonn um das Observatorium und die Konkurrenz, die berühmten englischen Werkstätten zu besichtigen. Erstaunt stellte er fest, daß auch dort nur mit Wasser gekocht wurde. An Horner schrieb er:

Die Einrichtung der Sternwarte hat mir so wenig gefallen, wie die großen schwer zu bewegenden Instrumente. Ich glaube, daß man mit vielen kleineren Instrumenten, wenn sie vortheilhaft eingerichtet sind, mehr leisten kann. Die englischen Künstler der astronomischen Instrumente haben mir nicht sonderlich gefallen; ihre Werkstätten sind im Ganzen schlecht, und vorteilhafte Einrichtungen habe ich bei ihnen nicht gesehen, von denen ich Gebrauch machen möchte."

Universalinstrument von J.G. Repsold.
(aus. J.A. Repsold, Astronomische Meßwerkzeuge)

Die Gründung der Hamburger Sternwarte

1820 waren die Auswirkungen der französischen Besatzung kaum noch zu spüren und Repsolds Idee einer städtischen Sternwarte bekam wieder Auftrieb. Zusammen mit Reinke und J.C. v.Heß reichte Repsold am 5. März 1820 ein Gesuch beim Senat ein, eine Hamburger Sternwarte zu gründen.

Hamburg gehört zu den ersten Handels-Städten der Welt; ist vielleicht für die zweite See-Stadt dem Range nach zu achten; und Hamburg hat keine Sternwarte !"

Unterstützt wurde die Notwendigkeit einer Sternwarte mit der Wichtigkeit der Astronomie für die Schiffahrt. Die Navigation spielte bei zunehmendem internationalen Handel eine immer wichtigere Rolle.

Repsold und Reinke schlugen als neuen Standort der Sternwarte wiederum die demolierten und geschliffenen Wallanlagen, speziell die Bastion Henricus vor. Da zur gleichen Zeit auch Carl Ludwig Rümker als Leiter der Navigationsschule um eine Erweiterung bat, fragte der Senat nach, ob eine Zusammenlegung beider Anstalten möglich sei. Repsold und Reinke waren jedoch wenig angetan, da eine Trennung der Wohn- und Arbeitsräume unumgänglich erschien.

Als ein halbes Jahr später noch immer keine Reaktion des Senates vorlag, reichten Reinke und Repsold am 11. Februar 1821 erneut eine Eingabe beim Rat der Stadt ein und erboten sich, für die Beschaffung der Instrumente selbst Mäzene zu finden. Nach längeren Gesprächen bewilligte der Senat dann am 22. August 1821 den Bau des Observatoriums auf öffentliche Kosten, sofern Repsold „unentgeltlich" für die Instrumente sorge.

Plan der Bastion Henricus.
In der Mitte das neue Gebäude der Sternwarte. Links die Brücke
des Millerntors über den Stadtgraben, unten auf einer Anhöhe
eine der Stadtmühlen. (Staatsarchiv)

Der Baubeginn verzögerte sich jedoch, da sich einerseits der Senat „wegen der vielen jetzigen Ausgaben" den Bau mindestens für ein weiteres Jahr vom Hals halten wollte und sich andererseits der Bauplan Wimmels als unbrauchbar erwies. Ein neuer Entwurf der Architekten Kessels und Koch ließ die Baukosten auf 32.654 Courant hochschnellen. Wasserbaudirektor Woltman wiederum hätte die Sternwarte lieber direkt am Hafen gesehen und schlug vor, die Sternwarte auf dem Kehrwieder, einer Kaianlagenspitze gegenüber dem Baumwall, zu

Abb. 68

errichten.

Erste Veröffentlichung der Ansicht der neuen Hamburger Sternwarte
im Berliner Jahrbuch von 1829

Dem Bauvorhaben kam zugute, daß der Sternwarte 1823 aufgrund eines Testaments von Johann Christoph Grell, einem Liebhaber der Astronomie, 10.000 Courant zufloß. Im Jahr 1821 hatte J.C. Hess zuvor schon 1.000 Courant gestiftet21. Aufgrund dieser Schenkungen beschloß der Senat am 12. Mai 1824 nunmehr endgültig, den Bau zu beginnen. Woltmanns Vorschlag wurde verworfen. Der Wert der Repsoldschen Instrumente, die dieser mittlerweile aus eigenen Mitteln und über Gönner beschafft hatte, wurde auf 21.200 Mark Crt. geschätzt und als zusätzliches Startkapital akzeptiert.

Ende 1825 war das Gebäude in den wesentlichen Teilen fertiggestellt. Es hatte eine symmetrische Gestalt, an deren Enden je ein quadratischer Seitenflügel lag. Das dazwischen liegende Mittelgebäude verlief in Ost-West-Richtung und enthielt zwei getrennte Räume für ein Passageinstrument und einen Meridiankreis. Im östlichen Seitenflügel war die Navigationsschule untergebracht, im westlichen die Wohnung und Arbeitsräume des Astronomen. Außerdem war im Gebäude ein Pfeiler eingelassen, der später einmal ein parallaktisches Fernrohr unter einer drehbaren hölzernen Kuppel tragen sollte.

Frühe Ansicht der neuen Sternwarte noch ohne
Beobachtungskuppeln. (vermutl. 1825/26)

Die ersten Instrumente der Sternwarte bestanden aus einem kleinen Passageinstrument der Fa. Utzschneider & Liebherr, einem Passageinstrument von Repsold mit einer Länge von 5 Fuß22 (dafür wurden die 1000 Mark Mark Crt. der Hess'schen Spende genutzt), ein Fraunhofersches Fernrohr von 6 Fuß Länge, ein 3füßiges Fernrohr von Repsold, eine Pendeluhr von Repsold und der Stolz der Sternwarte: ein Chronometer von Breguet23, den Richard Parish (ein reicher Freund) der Sternwarte geschenkt hatte24. Im April 1826 bewilligte der Senat weitere 100 Louisdors zum Kauf eines Fraunhoferschen Heliometers, das im Besitz von Olbers in Bremen war. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde der Kauf eines Meridiankreises und eines parallaktischen Fernrohrs in Aussicht genommen.

Quelle: Homepage IGN-Hamburg

Die Gründung der Hamburger Sternwarte war damit vollzogen, offen war jedoch noch, wer der erste Direktor der neuen Sternwarte werden sollte. Im Gespräch war Carl Friedrich Gauß aus Göttingen, der ein ernsthaftes Interesse für diesen Posten bekundete. Er würde mit Vergnügen kommen,

wenn ein für Hamburg anständiges Einkommen damit verbunden wird."

Bald jedoch zogen Schattenwolken über die bis dahin freundschaftlichen Beziehungen Repsolds zu Gauß auf.

Gauß, auch damals schon als mathematisches Genie anerkannt, wurde von Schumacher geradezu umschwärmt. Gauß nutzte dessen Beziehungen zu Repsold, um die Vertragsbedingungen heimlich zu sondieren. Von solchen Schleichwegen hielt Repsold allerdings überhaupt nichts. Durch Schumachers unablässigem Werben für Gauß blieb ihm das Gaußsche Vorgehen nicht verborgen und seine Verärgerung wuchs zunehmend. Er reduzierte seine Beziehungen zu Gauß auf ein Minimum; soweit, daß Gauß schließlich selber absagte. Erstaunlich ist, daß trotz Schumachers Gefälligkeitsbemühungen für Gauß die Freundschaft zwischen Schumacher und Repsold bestehen blieb.

Die Direktion der Hamburger Sternwarte konnte nun nur noch einer übernehmen: Repsold selber mußte das Amt übernehmen.

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Unerwartet

Am 14. Januar 1830 wurde Repsold zu einem Brand in der Innenstadt gerufen. Dabei ist Repsold diesesmal dem Feuer jedoch zu dicht auf den Leib gerückt, denn ein herabstürzender Giebel beendete das Leben dieses genialen feinmechanischen Künstlers schlagartig. Der Hamburger Correspondent berichtete:

Vorgestern fand die feierliche Bestattung der irdischen Überreste unsers bei der letzten Feuersbrunst auf so furchtbare Weise umgekommenen, um Hamburg so hochverdienten Mitbürgers Johann Georg Repsold statt. Den Leichenzug eröffnete das zahlreiche Corps der hiesigen Spritzenleute, nebst den Menschenrettern. Auf dem einfachen schwarzen Sarge erblickte man den zerdrückten Hut und den verbogenen Degen des Hingeschiedenen, nebst der Bürgerkrone, als würdige Anerkennung der bis zum letzten Augenblicke seines Daseyns bewiesenen Berufstreue, und sodann den Dannebrogs-Orden. Hinter der Leiche folgten in den vier ersten Wagen die nächsten männlichen Verwandten des Verewigten, geführt von J.J. Magnif. dem HH. Bürgermeistern Bartels und Sillem, und dem Hrn. Syndicus Sieveking, und Sr. Hochw. dem Hrn. Senator Abendroth, und diesem schloß sich ein langer Zug von fast hundert Kutschen an, in denen sich mehrere HH. Senatoren, die Mitglieder der Feuer-Cassen-Deputation, viele Militär- und Civil-Personen etc. befanden. Die Straßen, durch welche der Zug ging, bis zur Ruhestätte außerhalb des Dammthors, waren mit einer überaus großen Menschenmenge erfüllt, welche durch eine feierliche Stille und sichtliche Rührung das tiefste Mitgefühl zu erkennen gab, und unsrem zu früh dahingeschiedenen Mitbürger den Zoll allgemeiner Achtung darbrachte."

Gedichte wurden auf Repsold verfasst und eine Sondermünze erschien. Der dänische Gesandte Rist beschrieb Repsold in einem Nachwort mit nur wenigen Worten:

Er war ein Biedermann weniger, und was in Hamburg noch seltener ist, einer von jenen hellen, eigenthümlichen Geistern, die Licht um sich verbreiten und die Zeit vorwärts rücken"


Quelle: Homepage IGN-Hamburg

Link

Inst. Geschichte d. Naturwissenschaften Hamburg

Nach dem Tod Johann Georg Repsolds im Januar 1830 übernahmen seine beiden Söhne Adolf und Georg den väterlichen Betrieb. Da Georg noch durch seinen eigenen Dachdeckereibetrieb und einige andere Tätigkeiten stark eingebunden war wurde Adolf Repsold zur neuen Seele des Betriebes. Siehe: Die Repsoldschen Werkstätten.

Zu Ehren von Johann Georg Repsold wurden mehrere Schiffe mit seinem Namen getauft. Zur Zeit fährt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer ein Tonnenleger mit dem Namen "Johann Georg Repsold", Heimathafen Amrum.

 

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