Johann Georg Repsold
Die frühen Jahre

 

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Johann Georg Repsold wurde am 19. September 1770 in Wremen, einem kleinen Dorf an der Wesermündung, geboren. Sein Vater war Prediger in diesem Dorf. Mit 10 Jahren schickte ihn der Vater zum Studium der Theologie nach Stade an die Lateinische Schule. In Stade wohnte er bei seiner Großmutter. Über seine Schulausbildung ist wenig bekannt, er zeigte allerdings nicht den Hang zum Geistigen, wie sein Vater gehofft hatte. Acht Jahre später gehörte er nämlich zu einer kleinen Schülerzahl des damaligen Wasserbaudirektors Reinhard Woltmann in Ritzebüttel. Woltmann leitete die Hamburger Aussenstelle zur Elbkontrolle in Ritzebüttel bei Cuxhaven. Repsold lernte in dieser Zeit von Woltmann Mathematik, Astronomie und Seefahrt. Nebenbei erhielt er für „Körper-Arbeit", wie Woltmann es nannte, nämlich als Aufseher bei Baggerungen im Elbegebiet, einen kleinen Verdienst. Gegen Ende des Jahres 1789 wechselte Repsold dann nach Hamburg. Dort erhielt er, vermutlich auf Woltmanns Empfehlungen, eine private Anstellung bei dem damaligen Grenzaufseher J.T. Reinke. Die Arbeiten, die er dort zu verrichten hatte, waren Hilfen in der Strom-, Deich- und Bauvermessung. Knapp ein Jahr später, im September 1790, beantragte Reinke bereits die öffentliche Vereidigung Repsolds als Stellvertreter. Der Senat lehnte zwar ab, genehmigte aber das geforderte Gehalt für dessen Anstellung. Mehrfach reiste Repsold nun in den nächsten Jahren nach Cuxhaven, um Woltmann bei der Deichaufsicht zu unterstützen. Von beiden, Reinke und Woltmann, bekam Repsold tiefe Einblicke in die Astronomie, denn diese „mathematische Wissenschaft" war ihr Steckenpferd.

1795 wurde Reinke zum „Canal-Direktor" befördert. Auf seine Stelle kam der „Elb-Conducteur" Baxmann. Dessen Stelle wiederum konnte Repsold auf Empfehlungen Woltmanns erhalten. Vorher mußte er sich jedoch noch einer Mathematikprüfung bei Prof. Büsch unterziehen. Der Senat bestätigte Repsold im Februar 1796 mit festem Gehalt im Amt. Da Repsold weiterhin Reinkes Gehilfe war und zudem noch Gehalt für die Wasserbau-Aufsichten bekam, verfügte er nun schon über ein ansehnliches Einkommen. Er nannte sich nun „Stadt-Landmesser". Zur Beaufsichtigung seines Elbabschnittes von Ochsenwerder bis Finkenwerder mietete er eine Wohnung auf der Peute, einem heute eher ungemütlichen Ort.

1798 trat der damalige Spritzenmeister Scharf aus Hamburg in den Ruhestand, und Repsold bewarb sich auf diese Stelle, von der er sich größere Selbständigkeit versprach. Auf Reinkes Empfehlungen nahm Scharf Repsold in seiner Werkstatt auf, um ihn näher kennenzulernen. Scharf war sehr schnell von den Fähigkeiten Repsolds begeistert und schlug ihn als seinen Nachfolger vor. Im Februar 1799 wurde Repsold als neuer Spritzenmeister vereidigt. Nicht nur an der Werkstatt seines Vorgängers fand Repsold Gefallen, er heiratete auch kurz darauf dessen Tochter, Margaretha Eleonore Scharf.

Spritzenmeister in Hamburg

Der Eintritt in die Welt der Feuerwehr war gleichzeitig der endgültige Ausgangspunktpunkt für seine astronomische Karriere. Zu den Aufgaben eines Spritzenmeisters gehörte neben der Brandbekämpfung und der Aufsicht über die ca. 800 Leute starke Mannschaft auch die Wartung und der gegebenenfalls notwendige Neubau von Geräten in einer eigenen Werkstatt. Zur Unterhaltung der Werkstatt war es den beiden Hamburger Spritzenmeistern auch gestattet, Arbeiten auf eigene Rechnung auszuführen.

Im Jahr 1799 lernte Repsold Johann Caspar Horner aus Zürich kennen. Horners naturwissenschaftliche Interessen, besonders an der Astronomie und der Physik, hatten ihm nach einem Studium in Zürich und Göttingen eine Assistentenstelle bei Freiherrn v. Zach auf dem Seeberg bei Gotha eingebracht. Zach war Ende des 18. Jahrhunderts eine der wichtigsten astronomischen Persönlichkeiten und gab die erste periodisch erscheinende Fachpublikation heraus. Seine „Monatliche Corresponenz" enthielt Fachbeiträge und Bemerkungen, die Zach von Astronomen zugesandt bekam. Auf dem Seeberg unterhielt Zach selbst eine angesehene Sternwarte - folglich eine der ersten Adressen der damaligen Zeit, um Astronomiekenntnisse zu vertiefen. Bei Zach schrieb Horner auch seine astronomische Doktorarbeit. 1799 bekam Horner ein Angebot der Commerzdeputation, für Hamburg die Mündungen der Weser, Elbe und Eider neu zu vermessen. Da es gute nautische, geodätische oder astronomische Instrumente damals kaum im Laden zu kaufen gab, war ein Wissenschaftler oft gezwungen, seine Geräte selbst zu bauen. Horner suchte sich in Hamburg eine geeignete Werkstatt, wo er diese feinmechanischen Arbeiten ausführen konnte und begegnete so Johann Georg Repsold. Zwischen beiden entwickelte sich eine enge Freundschaft. Es ist anzunehmen, daß dieses Treffen mit Horner das Fundament für Repsolds Interesse an astronomischen Instrumenten legte. Bereits im Januar des folgenden Jahres arbeitete Horner an einem Sextanten mit 2½ Zoll Öffnung, denn im Winter ruhte der Vermessungsbetrieb. In einem Brief schreibt Horner:

Drehen und Feilen ist mein ganzes Thun; dieß treibe ich bey einem meiner Freunde, der sehr geschickt ist und die beste Einrichtung hat... Wir sind beschäftigt, einen 2½-zölligen Sextanten zu machen, der, wie ich denke, uns keine Schande machen soll."

Repsold selbst war indes bei der Konstruktion eines kleinen Passageinstruments - eines Instruments, das höchste Anforderungen bezüglich der feinmechanischen Präzision erforderte. In den Annalen der Physik, die von Gilbert herausgegeben wurden, ist für 1801 vermerkt:

Herr Repsold hat ein kleines Passage-Instrument von 8 Zoll Achsenlänge verfertigt, welches sehr genaue Zeitbestimmung giebt. In der Nacht vom 2. zum 3. October, in der es durch ein sehr empfindliches Niveau sorgfältig berichtigt war, gaben hohe und tiefe Sterne, welche Dr. Horner und Repsold beobachteten, immer bis auf ½ Sek. die nämliche Zeit. Die Vergrösserung ist 27mahl, und sie beobachten die Culmination der Sterne erster und zweiter Größe bei Tage, wenn sie 2 Stunden von der Sonne sind. Es ist jetzt Hoffnung da, daß die Länge von Hamburg endlich einmahl genau bestimmt wird; vorher war es wegen der unsichereren Zeitbestimmung unmöglich. Repsold wetteifert mit den ersten englischen Künstlern. Er hat ein Niveau gemacht, welches für ½ Sekunde empfindlich ist; die Gänge der Stellschrauben sind so fein, daß man sie kaum sieht. Olbers, der einige Tage bei uns war, hatte eine große Freude an diesen vortrefflichen Arbeiten."

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