Johann Georg Repsold
Stress-Symptome

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Johann Georg Repsolds unermüdlicher Einsatz in allen Arbeitsbereichen nagte zunehmend an seiner Gesundheit. Er wurde häufiger kränklich, beteiligte sich weniger am praktischen Einsatz der neuen Instrumente und wurde ungehalten, wenn sie nicht so benutzt wurden, wie er es sich gedacht hatte. Sein Sohn Georg hatte bereits das Haus verlassen, und sein zweiter Sohn Adolf hatte häufig die undankbare Aufgabe, die bestellten Geräte zu vollenden und gleichzeitig den strengen Anforderungen seines Vaters zu genügen. Klagen über verspätete Lieferungen wurden deshalb immer häufiger.

In den Jahren 1823 - 26 hatte Repsold einen Pendel-Apparat für Bessel in Arbeit, mit dem dieser die Schwerebeschleunigung der Erde messen wollte. Um mit dem Apparat vertraut zu werden, kam Bessel 1825 selbst nach Hamburg, um bei der Montage zuzuschauen und lernte erst jetzt Repsold persönlich kennen. Bis dahin hatten beide nur brieflich miteinander kommuniziert. Von dem Apparat war Bessell hellauf begeistert:

Von der Vollendung des Pendel-Apparates kann ich Ihnen gar keine Idee machen, man muß das selbst sehen. Schade, daß so viel Kunst nur für einmal, nicht fortwährend benutzt werden soll"

Der Besuch Bessels entspannte Repsold kurzfristig, doch nachdem Bessel wieder abgereist war, nahmen die Probleme um so schlimmer zu. Schumacher schrieb an Gauß:

Seit Bessel weg ist, liegt wieder mein Etalonnirungs-Apparat bei Repsold; ich fürchte sehr, dies wird der Stein sein, an dem Repsold's und meine freundschaftliche Verbindung scheitert. Es gehört aber auch unmenschliche Geduld dazu!"

. Ein anderes Mal klagte Schumacher wieder bei Gauß:

Ich hoffe, Sie haben Ihren Collimator. Ich habe Repsold jetzt so oft erinnert, und wir sind das letzte Mal so lebhaft geworden, daß ich nicht gut wieder auf die Materie zurückkommen kann".

Repsolds Geduld mit Schumachers Buckeleien gegenüber Gauß war offenbar erschöpft. Wiederum erstaunt es, daß die persönliche Beziehung der beiden nicht abriß und Schumacher sogar im Juli 1826 eine Erholungsreise für Repsold beim Hamburger Senat vermitteln konnte. Repsold unternahm diese Reise im Herbst zusammen mit Adolf. Sie führte ihn über Gotha (dort war Hansen auf dem Seeberg beschäftigt), Nürnberg und München zu Horner nach Zürich. Über Heidelberg und Köln führte die Rückreise. Um Göttingen, wo Gauß wohnte, machte Repsold einen großen Bogen, worüber sich Gauß bei Schumacher beklagte - er hat Repsolds Gründe wohl nie richtig verstanden.

Nach seiner Ankunft in Hamburg beschäftigte sich Repsold wieder einmal mit seiner leidigen Kreisteilmaschine, die er mittlerweile in einem Zimmer der neuen Sternwarte aufgestellt hatte, um hier möglichst ungestört mit viel Platz arbeiten zu können. Doch sie war eine sehr eigenwillige Maschine und wollte einfach nicht fertig werden.

Ein anderer Apparat wurde dann wiederum praktisch nebenbei erfunden: der Vorläufer eines Zeitzeichen-Registriergerätes, wie er später bei Morseapparaten üblich wurde. Da der Beobachter am Meridiankreisokular seine volle Aufmerksamkeit nicht nur dem Stern zu schenken hatte, sondern auch noch dem Ticken der Uhr lauschen mußte, um die exakte Zeit des Meridiandurchgangs zu messen, ließ Repsold einen Papierstreifen durch ein Gerät laufen, das einer Spieluhr glich und kontinuierlich Zeitmarken der Uhr mit einem Stift auf den Streifen malte. Ein Taster für den Beobachter übertrug dessen individuellen Registriermarken, die später leicht ausgemessen werden konnten, auf das Papier.

Streifenschreiber von J.G. Repsold. Heute im Technikmuseum Kassel

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