Johann Georg Repsold
Arbeiten am Stintfang

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Plan der Sternwarte Repsolds (rot) in den Wallanlagen am Stintfang.
Gelb markiert ist das Gelände der späteren Seewarte.

1802 hatte Johann Georg Repsold seine kleine Sternwarte in den Wallanlagen am Stintfang in Betrieb genommen und stattete sie nun reichlich aus. Der Chronist W.L. Meeder schrieb in seiner „Geschichte der Freien und Hanse-Stadt Hamburg", 1839:

Repsolds Sternwarte, auf der Bastion Albertus, zwar eine Privat-Unternehmung, allein als die erste in Hamburg, als Grundstein der später errichteten, von historischer Wichtigkeit. 1800 verlangte der Stifter den nöthigen Raum von der Kammer gegen jährliche Grundpacht, sogleich begann Repsold mit der ihm eigenen Energie die Erbauung, 1801 war das lobenswerthe Werk vollendet. Das Gebäude war ein Sechseck, mit einem unscheinbaren, aber höchst zweckmässig eingerichteten Schirmdach; es war darin eine Oeffnung angebracht, die das ganze Gebäude gleichsam in zwei Hälften theilte, durch welche man im innern einen Streiffen (Strich) am Himmel, vom südlichen Horizont bis zum Zenith hinauf, und dann vom Zenith hinunter bis zum nördlichen Horizont ungehindert überschauen konnte. Die Oeffnung wurde durch äusserlich angebrachte Klappen bedeckt, die man von innen, durch einen einfachen Mechanismus, willkürlich ganz, oder theilweise öffnen und schliessen konnte. Das wichtigste Stück war ein von Repsold verfertigtes vortreffliches Passage-Instrument, das in der Mitte aufgestellt stand.
Ein solches Instrument bedarf, wenn die Resultate, zu denen es führt zuverlässig bestimmt sein sollte, ein unerschütterliches Fundament, und ein solches ist hier eingerichtet gewesen. Eine starke Pilotage, auf welcher zwei Granitblöcke aufgerichtet standen, gaben eine Vestigkeit, wie sie menschlichen Kräften erreichbar war. Eine zweckmässige Vorrichtung verhinderte, daß eine aussen erregte Erschütterung des Bodens, sich den isolirten Blöcken mittheilen konnte. Ein sehr gut gebauter Vollkreis 4 Fuß im Durchmesser, auf dessen meisterhaft ausgeführter Eintheilung man doppelt, auf beiden Seiten des Durchmessers, ablesen konnte, war mit einem 9 Fuß langen Mittagsfernrohr genau und innig verbunden. Sehr vollständig war das Niveau, womit man die Achse des Vollkreises zur waagerechten Lage bringt. Die übrigen Instrumente stimmten mit der Anlage des Ganzen so vollkommen überein, daß jeder Kenner, namentlich der berühmte Gaus, dieser Sternwarte grossen Beifall zollte und sie damals für die zweite Anstalt dieser Art in Deutschland erklärte."

Das hier erwähnte kleinen Passageinstruments ist ein Instrument, das höchste Anforderungen bezüglich der feinmechanischen Präzision erforderte. In den Annalen der Physik, die von Gilbert herausgegeben wurden, wurde es bewundernd gelobt:

 

Herr Repsold hat ein kleines Passage-Instrument von 8 Zoll Achsenlänge verfertigt, welches sehr genaue Zeitbestimmung giebt. In der Nacht vom 2. zum 3. October, in der es durch ein sehr empfindliches Niveau sorgfältig berichtigt war, gaben hohe und tiefe Sterne, welche Dr. Horner und Repsold beobachteten, immer bis auf ½ Sek. die nämliche Zeit. Die Vergrösserung ist 27mahl, und sie beobachten die Culmination der Sterne erster und zweiter Größe bei Tage, wenn sie 2 Stunden von der Sonne sind. Es ist jetzt Hoffnung da, daß die Länge von Hamburg endlich einmahl genau bestimmt wird; vorher war es wegen der unsichereren Zeitbestimmung unmöglich. Repsold wetteifert mit den ersten englischen Künstlern. Er hat ein Niveau gemacht, welches für ½ Sekunde empfindlich ist; die Gänge der Stellschrauben sind so fein, daß man sie kaum sieht. Olbers, der einige Tage bei uns war, hatte eine große Freude an diesen vortrefflichen Arbeiten."

Repsold stellte zwar die mechanischen Teile seiner Instrumente selbst her, die optischen Komponenten bezog er bisher jedoch von Optikern. 1803 versuchte er sich selbst daran und begann Glas zu schmelzen, da ihm die Qualität des Flintglases nicht ausreichte. Wiederum ist in Gilbert's Annalen (den späteren Annalen der Physik) für 1802 nachzulesen, welche Probleme es bei dieser Art der Instrumentenentwicklung gab:

Herr Repsold hat nach England um einen Flintglaskegel geschrieben. Aus den engl. Glashütten wollten sie keinen unter 1000 Pfund einsetzen, und er würde mit der Fracht bis hierher an 900 Mark Hamb. kommen. Jetzt hat er sich wieder eine neue Gattung von Tafelflintglas in England bestellt. Der Himmel gebe, daß ein Stück von 4 Zoll dabei ist, welches keine Streifen hat."

Benzenberg schrieb an Gilbert:

Es ist eine rechte Noth für die Künstler, das gewöhnliche Flintglas zu schleifen. Ich habe dieses im verwichenen Winter bei Hrn. Repsold gesehen, als dieser das Objectiv zu seinem 8füßigen Passage-Instrumente schliff. Nachdem er 14 Tage lang mit der größten Geduld geschliffen und polirt hatte, nachdem 2 oder 3 Objective gesprungen waren, und er nun endlich eins fertig hatte, da zeigte es Streifen. Das Glas war äußerst schön; man konnte mit bloßen Auge nicht das geringste daran sehen, als es aber mit dem Cronglase zusammengesetzt und nach einem Lichte gerichtet wurde, war es, als wenn es mit einem dichten Netze überzogen wäre."

1803 schrieb Gilbert:

Herr Repsold hat sich zwei Objektive aus einem massiven Flintglaskegel schneiden lassen, der in einem der hiesigen Kalköfen geschmolzen, und 5 Zoll dick und 8 Zoll lang war. Der Lehrbursche gebrauchte zu einem Schnitte 2 Tage."

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