Edmund Gabory

 

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Zur gleichen Zeit, völlig unabhängig von Johann Georg Repsold, baute Edmund Gabory eine eigene Sternwarte.

Gabory stammte aus dem Elsaß und war in London bei dem berühmten Instrumentenbauer Ramsden in die Lehre gegangen. Anschließend richtete er sich eine eigene kleine Werkstatt in London-Holborn ein. Hier kam auch 1795 seine Tochter Mary Ann zur Welt. Ein Jahr darauf verließ Gabory mit seiner Familie London, um in Hamburg als Optiker und Mechaniker Geld zu verdienen. Edmund Gabory kaufte an der damaligen Neuenburg das Haus Nr. 14 und richtete sich eine Werkstatt und einen Laden zum Verkauf seiner Instrumente ein.

Das Adressbuch von 1811 notiert:

"Gabory, Edmund, Opticus, mathematische und physikalische Instrumente, wie auch medicinische Electricität und Mineralwasser. Niederlage auf der Neuenburg 14"

Auf dem Dach seines Hauses hatte er sich eine eigene kleine Sternwarte mit selbstgebauten Instrumenten eingerichtet. Er und seine Frau Mary widmeten sich mit größter Begeisterung den astronomischen Beobachtungen. Andres Krüss, eine späterer Nachkomme der beiden, schrieb:

Wenn Kälte und Müdigkeit ihn übermannten, trat sie (Mary), durch eine Klingel geweckt, an seine Stelle, so daß er zu Bett gehen konnte. Dieses Bett stand auf dem Überbau eines Hofes, und über dem Kopfende befand sich ein Fenster, durch das man während der Nacht beobachten konnte, ob der Himmel sternenklar und somit zu astronomischen Beobachtungen geeignet war. Mary Gabory besaß durch diese Beschäftigung noch im hohen Alter die Fähigkeit, durch dieses Fenster bei klarem Wetter aus der Stellung der Gestirne zu jeder Jahreszeit die richtige Stunde anzugeben."
Aus: A. Krüss, Geschichte eines Hamburger Familien-Unternehmens, 1988

Im Erdgeschoß seiner Wohnung richtete sich Gabory ein kleines technisches Kabinett ein:

Das physikalische Kabinett bei Gabory enthält eine in mehrere Zimmer vertheilte Sammlung der trefflichsten Maschinen und Instrumente für alle Zweige der Physik und Astronomie."

Doch die französische Besatzung machte auch Edmund Gabory zu schaffen. Zwar durfte er das Gewerbe eines Optikers weiter betreiben, seine Instrumente wurden jedoch beschlagnahmt, oder, wenn sie englischen Ursprungs waren, verbrannt. Die größeren Fernrohre wurden von den Franzosen auf den Türmen der Stadt dazu benutzt, die Umgebung der Stadt auf herannahende feindliche Truppen zu überwachen.
Edmund Gabory muß sehr stark unter dieser Beschlagnahme gelitten haben. Hinzu kam, daß er aufgrund einer Verletzung schwer erkrankt war. Anfang 1814, in der Zeit, in der Hamburg unter dem schlimmen Winter und den Qualen des Krieges zu leiden hatte, starb Gabory.

Die Firma wurde von Mary und ihrem Sohn Edmund Nicolas weitergeleitet, jedoch ging die Eigenfertigung von Instrumenten mehr und mehr zurück. 1823 lernte Andres Krüss Gaborys Tochter Mary Ann kennen und beide heirateten. Andres stammte von der Insel Helgoland, die besonders unter der napoleonischen Kontinentalsperre gegen England zu leiden hatte. Schon während dieser Zeit fiel Andres durch ein waghalsiges blockadebrechendes Unternehmen auf, als er Kaffee von Helgoland durch die französischen Sperren nach Bremen brachte und selbst wieder unbeschadet nach Helgoland zurückkehrte.

Andres Krüss trat durch seine Ehe mit Mary Ann in die Gabory'sche Firma ein.

Doch am 5. Mai 1842 zerstörte das Feuer des Großen Hamburger Brandes alle Habseligkeiten der Firma Gabory.


Brand der St. Petrikirche 1842.
Darstellungen aus dem Buch „Hamburg und seine Bauten"( Hamburg 1890).

Es begann in der ersten Stunde des 5. Mai 1842. Die Stadt lag in tiefem Schlaf, denn festliche Stunden standen bevor: Der 5. Mai war ein Himmelfahrtstag. Da begann die Feuerglocke auf dem Nicolaiturme zu läuten. „Füer in de Diekstraat!" hallte der Ruf der Nachtwächter durch die stillen Straßen, Gassen und Twieten.

Feuer in der Deichstraße! Die Hamburger drehten sich in ihren Betten um. Die Spritzenleute würden schon ihre Pflicht tun. Feueralarm gab es ja fast in jeder Nacht. Und die Deichstraße lag am Wasser. Da war gut Löschen.
Mary Ann Krüss war durch den Alarm geweckt worden und konnte nicht mehr einschlafen, da die Glocken bis zu 25mal anschlugen. Das bedeutete: Großfeuer. Doch dann verminderten sich die Schläge auf fünf, und die Familie konnte ihren Festtagsplan verwirklichen.
Man wollte gemeinsam mit den Gaborys im Landhaus am Grindelhof Aufnahmen machen: „Daguerotypieren"! Aus Paris war ein Herr Neuburg mit den neusten Apparaten gekommen und hatte auch schon die Eltern und William auf eine Platte daguerotypiert.
Man nahm noch vergnügt ein Mittagessen ein, doch der Frohsinn wurde bald gestört. Es erreichte sie die Nachricht, daß das Feuer von neuem ausgebrochen war und sehr wütete.
In aller Eile wurde ein Wagen bestellt, der alle in die Stadt brachte. Und nun lassen wir Andres selbst berichten:


Brand der Nikolaikirche während des Hamburger Brandes von 1842.
Darstellung aus dem Buch „Hamburg und seine Bauten"( Hamburg 1890).
Auf einem der Dächer befand sich Edmund Gaborys Sternwarte.

Als wir um 2 Uhr auf der Neuenburg ankamen, denk Dir unseren Schreck, die Neuenburg war schon mit Militär abgesperrt, das Feuer war bis zum Hopfenmarkt vorgedrungen. Dennoch ahnte ich die Gefahr für unser Haus noch nicht, bis um 3 Uhr der Nicolaiturm sich entzündete und bald ganz in Flammen stand, das war das schreckliche Signal zum Retten, was nun zuerst? Das Geld und Papiere, die wir im Hause hatten, was wichtig war, eingesiegelt und weggebracht nach Herrn Leinau, Kl. Reichstraße. Da gingen wir dann beim Laden, etwas Leinenzeug und ein Bett rettete ich, aber keinen Stuhl, keinen Tisch, kein Sofa, alles verbrannt, keine Bettstelle.... Nun kam die Polizei, warnte uns, aus dem Hause zu gehen wegen des Turmes, wenn der einfiel. Da aber nach meiner Überzeugung keine Gefahr bestand, riet ich allen, nicht zu weichen und zu retten, was möglich war.
Um 5 Uhr stürzte der Turm ein, vorher hatten wir das fürchterliche Notläuten der Glocken, um 6 Uhr sollten wir aus dem Hause, weil Häuser in der Nähe gesprengt würden, es blieben dennoch einige mit uns bis 7½ Uhr. Da konnten wir bei der Börse nicht mehr vorbei und mit Mühe noch über die Reimersbrücke und da brannten die Pfähle schon, welche mitten im Fleet standen. So nach Leinau gesteuert mit einem großen Bündel Bettzeug auf dem Rücken..." Die Mutter schreibt darüber in einem anderen Brief an ihren Sohn:
„...Es war für mich herzzerreißend zu sehen, wie Dein Vater noch zuletzt mit einem ungeheuren Bündel Bettzeug auf seinen armen müden Schultern die Straße daherwankte. Kaum hatten wir die geretteten Sachen bei Leinau geborgen, als auch da die große Gefahr drohte und Herr Leinau anfing, Speicher und Haus zu räumen. Mit vieler Müh und Geld bekamen wir eine Droschke, worin wir das Notwendigste packten und so zermalmt an Geist und Körper erreichten wir morgens ½2 Uhr unser Landhaus... Herr Leinau hatte Haus und Speicher schon geräumt, doch zum Glück drehte sich der Wind und die Straße bleibt verschont...
aus: A. Krüss, Geschichte eines Hamburger Familien-Unternehmens, 1988

Nach der Rückkehr des Sohnes Edmund Krüss aus seiner Lehrzeit in Stuttgart trennten sich Andres Krüss und Edmund Nicolas Gabory. Andres gründete im November 1844 eine eigene Firma am Alten Wall. Unter dem Namen A. Krüss existiert sie bis heute. Sie stellt optische und feinmechanische Instrumente sowie wissenschaftliche Laborgeräte her.

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