Auf der Suche nach Edmund Gabory

 

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Die Geschichte der Sternwarte von Edmund Gabory hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet. An ihr läßt sich zeigen, welche Wirrungen bei der Recherche nach Informationen für dieses Buch aufgetreten sind:

Ich hatte ca. 600 Literaturstellen bearbeitet, in denen nur an einer einzigen Stelle, einem Rückblick von R. Schorr aus dem Jahr 1901, in einem Satz erwähnt wurde, daß um 1800 herum ein Gabory eine Sternwarte besessen haben sollte. Alle Bemühungen, weitere Informationen zu bekommen, waren vergeblich gewesen.

Auf einer meiner Beobachtungsreisen zum Calar Alto Observatorium in Südspanien traf ich einen Münchner Kollegen, der ebenfalls an der Geschichte seines Instituts arbeitete. Er empfahl mir ein Buch von A. Brachner, „Mit den Wellen des Lichts" (München, 1987), das die Geschichte der Optik im Süddeutschen Raum behandelte. Dies sei ein schönes Beispiel, wie ein Buch zu einem solchen Thema gestaltet werden könne.

Beim Lesen dieses Buches stieß ich auf folgende Textstelle:

Auch die alte und ehrwürdige Werkstätte A. Krüss in Hamburg weist eine Verbindung zu München auf. Gegründet wurde sie 1796 von Edmund Gabory (gest. 1813), der von London nach Hamburg auswanderte."

Ich war begeistert. Das Telefonbuch machte mir noch mehr Freude, denn die Firma Krüss existiert nach wie vor in Hamburg. Bei einem Telefonat mit dem Senior-Chef A. Krüss erfuhr ich, daß dieser ein Buch über die Geschichte seiner Firma (A.Krüss, „Geschichte eines Hamburger Familien-Unternehmens", Hamburg, 1988) geschrieben hat, das bis zurück zu Edmund Gabory reicht. Ein Exemplar steht in der Bibliothek der Sternwarte - sozusagen direkt vor meiner Nase. Ich erfuhr aber auch, daß der gegenwärtige Meister der mechanischen Werkstatt in Bergedorf, Herr Rössner, bei Krüss gelernt hatte - ich ihn also nur hätte fragen müssen (mit Herrn Rössner habe ich über viele andere Dinge gesprochen, nur nicht über Gabory). Ich hätte natürlich auch in unserer Bibliothek unter KRÜSS nachsehen können - mir ist allerdings nicht in den Sinn gekommen, nach Krüss zu suchen, um Gabory zu finden.

So blieb nur der zufälligerweise glücklich verlaufene Umweg über Südspanien und München.