A. & G. Repsold


Adolf Repsold (Staatsarchiv Hamburg)

Navigation

Am 14. Januar 1830 brach auf dem ersten Vorsetzen in einer Lumpenhandlung ein Feuer aus. Ein herunterstürzender Balken aus dem einbrechenden Giebel erschlug dabei Johann Georg Repsold. Seine beiden Söhne Adolf und Georg übernahmen jetzt den väterlichen Betrieb. Die Patriotische Gesellschaft schrieb in einem Nachruf zwar:

Repsold hinterläßt eine kranke Frau und acht noch unversorgte Kinder.

Doch seine Söhne waren mittlerweile erwachsen und Adolf arbeitete nun schon seit 5 Jahren im väterlichen Betrieb als "Gehülfe". Nach der Schulzeit war Adolf zu seinem Vater in die Lehre gegangen und wurde in alle, auch die schwierigeren Arbeiten eingebunden. Im Alter von 20 nahm ihn sein Vater auf die erste große Reise nach München mit. Dort besuchten sie die Werkstätten von Ertel, dem Nachfolger Reichenbachs. Dieses war immerhin neben J.G. Repsolds Werkstatt die zweite, mindestens gleichgute Werkstatt für Präzisionsoptik in Deutschland, und Adolf äußerte den Wunsch, bei Ertel einige Zeit in die Lehre zu gehen; Ertel hatte Adolf schon ein Zimmer gezeigt. Doch sein Vater wollte ihn nicht ziehen lassen, er war zu sehr auf die Hilfe seines Sohnes angewiesen, um so mehr, da er stark kränkelte. Den Plan, das Haus gegen den Willen des Vaters zu verlassen, gab Adolf schließlich auf.

Auf vielen Brandeinsätzen stand Adolf seinem Vater zur Seite. 1826/27 erkrankte Adolf Repsold und sein Vater vermutete deren Ursachen in der Feuerwehrarbeit.

Der arme Schelm ist jetzt gefährlich krank gewesen, er nähert sich aber der Besserung. Bei den vielen Feuersbrünsten, die wir hier seit einiger Zeit gehabt, hat er sich wahrscheinlich die Krankheit zugezogen. Ich habe auch ein bischen dabei weggekriegt, aber es geht doch noch so ziemlich"

Mit dem Tode seines Vaters am 14. Januar 1830 war Adolf Repsold auf sich selbst gestellt. Bereits 9 Tage später wurde er zum neuen Spritzenmeister gewählt. Daraus stand ihm ein kleines Gehalt von 300 Mark Courant und Gebühren von 700 Mark Courant zu, gerade genug um in der ersten Zeit der neuen Selbständigkeit zu überleben.

Georg Repsold, zwei Jahre älter als Adolf, hatte das elterliche Haus früh verlassen. Er hatte im Dachdeckerei-Betrieb seiner zukünftigen Schwiegereltern Mettlerkamp angefangen, und übernahm später den Betrieb. Als Johann Georg Repsold starb, schlug Georg bald darauf vor, das Geschäft gemeinsam zu betreiben. Adolf und Georg haben 37 Jahre zusammen gearbeitet.

Schumacher, seinem Freund Johann Georg Repsold sehr verbunden, versorgte sie mit Empfehlungsschreiben und ließ gegenüber seinen einflußreichen Freunden Gauß und Bessel die Leistungen der neuen Werkstatt nicht unerwähnt, so dass die neue Firma "A. & G. Repsold" bald gut florierte.

1832 schrieb Schumacher an Gauß:

Ich wünschte, daß Sie ... die Hülfe des jungen Repsold hätten, der jetzt schon den Vater nicht vermissen läßt."

Die ersten größeren Geräte waren für Bessel in Königsberg und für die Sternwarte in Edinburgh bestimmt. Mit der Steigerung der Produktion wurde immer deutlicher, daß die Herstellung einer großen Kreisteilmaschine dringlicher denn je war. Diese Maschine, mit einem Durchmesser von 4½ Fuß, war bereits von Johann Georg Repsold im Jahr 1818 begonnen worden. Sie war bei seinem Tod noch immer nicht vollendet. Es fehlte ihm vor allem an geeigneten Räumlichkeiten zur Fertigstellung der Maschine. Schließlich hatte er die Arbeiten in einen Raum der Sternwarte am Millerntor verlegt. 1833 entschloß sich Adolf Repsold, die Maschine nun zu vervollständigen. Er brauchte weitere 1½ Jahre, bis die Maschine arbeitsfähig war. Dann wurde für sie im Garten der Sternwarte ein eigenes kleines Gebäude errichtet. Sie blieb dort bis 1871.

 
Rückwärtiger Anblick der neuen Sternwarte.
Links im Gebüsch der kleine Pavillon,
der Repsolds Kreisteilmaschine aufnahm (Staatsarchiv Hamburg)
Repsolds Kreisteilmaschine

Der 5. Mai 1842 änderte viel in Adolf Repsolds Leben. „Füer in de Dikstraat!". Die Holzbauweise in Hamburg, die enge Schachtelung der Häuser, die große Trockenheit der vergangenen Wochen, die reichhaltigen leicht brennbaren Warenlager und ein frischer Wind fachten den Brand in den Morgenstunden zur Brandkatastrophe an. Drei Kirchen und 1700 Häuser sanken in den folgende Tagen in die Asche. Schon am ersten Tag hatte Adolf Repsold, der das Amt des Spritzenmeisters von seinem Vater übernommen hatte, zusammen mit seinem Amtskollegen Bieber vorgeschlagen, es sollten mit Pulver Schneisen in die Häuserreihen gesprengt werden, um den Brand zu stoppen. Doch der Hamburger Senat mochte sich nicht entscheiden - bis es zu spät war und das Hamburger Rathaus am Ende sogar selbst gesprengt werden mußte.

Für eine eindrückliche Schilderung des Brandes bitte auch den Abschnitt Gabory lesen.

Adolf Repsold verausgabte sich völlig, ohne Rücksicht auf gesundheitliche Folgen.

Repsold mußte am ersten Tage ganz von der Gluth geblendet zu hause gebracht werden, lag den Tag hindurch mit verbundenen Augen zu Bette, ging aber am Abend, als er etwas wieder sehen konnte, mit Gefahr, seine Augen für immer zu verlieren, wieder zum Feuer und hielt die ganze Zeit dabei aus. Jetzt ist er so abgespannt und entkräftet, daß ich sehr für seine Gesundheit fürchte."

Erst Tage später konnte der Brand gelöscht werden. In Hamburgs Innenstadt blieb eine Trümmerlandschft zurück.

Hamburger Brand von 1842. Adolf Repsold war damals Oberspritzenmeister
(Staatl. Landesbildstelle Hamburg)

Repsolds Werkstatt blieb von den Flammen glücklicherweise verschont und in den folgenden Jahren florierte das Geschäft mit optischen Geräten zunehmend.

Ende 1836 kam Carl August von Steinheil zu Besuch nach Hamburg, und während seines Aufenthaltes entwickelten sich sehr freundschaftliche Beziehungen. Steinheil betrieb seit 1826 in München eine optische Werkstatt, die sich parallel zu den Repsoldschen Werkstätten in Hamburg entwickelt hatte. Bis zur Abreise im Februar 1837 fundierten Steinheil und Repsold bei gemeinschaftlichen Experimenten freundschaftliche Beziehungen. Beide unterhielten seither engen Kontakt; der eine stellte die Mechanik her, der andere die Optik.

Nachdem bisher hauptsächlich Meridiankreise, Durchgangsinstrumente und Universalinstrumente gefertigt wurden, kam Anfang 1837 aus Christiania eine Bestellung für ein parallaktisch aufgestelltes 6 füßiges Äquatorial herein. Repsolds Idee war, das Instrument für die direkte Ortsbestimmung tauglich zu machen. Es erhielt Teilkreise, die über Mikroskope ablesbar waren, es war vollständig aus Metall gebaut und die Bauweise war möglichst symmetrisch zur Deklinationsachse aufgebaut. Zur optimalen Aufstellung war die Deklinationsachse durchbohrt worden, so daß ein Kollimator oder ein Meßpunkt zur Aufstellungsorientierung dienen konnte. 1841 war es vollendet, doch scheint es nie richtig benutzt worden zu sein.

5-Fuss Äquatorial für Christiania (Oslo), 1841
10-Fuss Heliometer für Oxford, 1847

1845 wurde die Instrumentenbaukunst schliesslich aufs Äußerste gefordert, als die Sternwarte in Oxford ein Heliometerbestellte, eines der kompliziertesten optischen Instrumente. Das Objektiv dieses Fernrohrtyps zur Messung von Winkelabständen von Sternen war geteilt und die beiden Teile konnten unabhängig voneinander bewegt werden. Zwei zu messende Sterne konnten so zur Deckung gebracht werden. Der Winkel zwischen den Himmelsobjekten war dann an den Objektiveinstellungen ablesbar. Adolf Repsolds Sohn, Johann Adolf, beschrieb später die Probleme:

Die ungewöhnliche Construction des Heliometers bot viele Schwierigkeiten, besonders die Positions-Drehung des Fernrohres und die Cylinder-Schiebungen der Objectiv-Hälften, dann aber auch die Ablesung ihrer Theilungen vom Ocular aus, für deren Beleuchtung auf Steinheil's Vorschlag electrisch glühende Platindrähte angewandt wurden."

Erst nach drei Jahren Bauzeit konnte das Instrument vollendet werden und es wurde von Adolf Repsold persönlich in Oxford aufgestellt.

Beim Bau des Heliometers behinderte die Enge der alten Werkstatt am Herrengraben die Arbeiten zunehmendst, obwohl im Sommer 1845 ein vergrößerter Hofplatz zur Verfügung stand. Da aber auch das Gebäude immer baufälliger wurde, suchte Adolf nach geeigneten Räumen und fand sie schließlich 1854 in der Böhmkenstraße.

1854 fertigte Adolf Repsold für die Sternwarte von Madrid einen 6½-füßigen Meridiankreis. In Begleitung seines Neffen Johann Georg und seines Sohnes Johann Adolf wurde diese beschwerliche Reise mit der Postkutsche über Land bewältigt.

Die Reise ging über Paris, wo ein Aufenthalt von 8 Tagen genommen wurde, Bordeaux und Bayonne. Von hier aus gab es nur Postbeförderung über Burgos, 3 Tage und 3 Nächte bis Madrid. Die Pyrenäen waren bei schönem Mondschein überschritten, und der Weg führte nur noch über die öden Ausläufer des Gebirges, als durch Unvorsichtigkeit des Postillions der schwere Wagen an der Kante eines in die Felswand eingehauenen Weges umschlug und auf der Anschüttung etwa 20 Fuß hinunterstürzte. Adolf Repsold wurde mit dem Kopf gegen das Wagendach geworfen und verfiel in eine tiefe Betäubung. Äußere Verletzungen zeigten sich nicht, aber Adolf Repsold fühlte sich in Folge dieses Unfalls während der ganzen Dauer seines Aufenthaltes in Spanien nicht wohl. Ein beabsichtigter Abstecher in das südliche Spanien wurde deshalb aufgegeben."

Nach der Rückkehr wurde der Umzug in das neue Haus vorbereitet. Im folgenden Jahr 1855 zog man hinüber. Das Haus bekam durch die Anforderungen des Feuerwehrberufs eine sehr eigenwillige Gestalt. Über dem Haus stand turmartig der Trocknungsraum für die Schläuche, der sich auch durch alle übrigen Stockwerke erstreckte. Während Adolf sich in dem neuen Haus und vor allem im angrenzenden Garten sehr wohl fühlte, stellte sich die Platzfrage schon nach 3 Jahren erneut, als ein Äquatorial mit 21 Fuß Brennweite gefertigt werden mußte. In alter Gewohnheit waren im neuen Haus mehrere kleine Arbeitsräume entstanden, ohne spätere Aufträge für Großgeräte einzuplanen. So mußte eine weitere Werkstatthalle angebaut werden.

Die Feuerwehrtätigkeit weitete sich für Adolf Repsold nach dem Großen Hamburger Brand erheblich aus. 1856 wurde er zum „Obersprützenmeister" ernannt und zwei Jahre später wurde in seinem Haus das „Central-Bureau des Löschwesens" untergebracht.

Die Feuerwehr unterhält im Hafen ein Feuerlöschboot mit dem Namen
"Oberspritzenmeister Repsold"

Adolf Repsold fand kaum noch Zeit für die Arbeit in der Instrumentenwerkstatt. Sein Sohn, Johann Adolf, der seit 1858, nach seiner Lehrzeit an der Altonaer Sternwarte, die astronomischen Arbeiten kennenlernte, wurde zur Beaufsichtigung der Werkstattarbeiten zurückgerufen und wurde bald als dritter Teilhaber in die Geschäftsleitung der Werkstatt aufgenommen.

In dieser Zeit bis 1867 wurde auch das 9½ füßige Äquatorial für die Hamburger Sternwarte gefertigt. Es wurde 1867 ausgeliefert. Bei dem Hamburger Instrument erfand Adolf Repsold auch einen eigenwilligen Beobachterfahrstuhl, den Joh. Adolf Repsold so beschrieb:

Der beigegebene Fahrstuhl ist auf drei Rädern beweglich, einem größeren mit Seilnuth, nahe der Thurmwand, und zwei kleineren, die auf einer Eisenbahn von engerem Kreise Führung haben. Der Beobachter kann, von seinem an einer steilen Bahn tangential zur Bewegung des Oculars gleiten den Sitz aus, sowohl sich durch das Handrad einer Winde am Sitze heben oder senken, als auch, durch ein mit Gewichtsspannung über das große Rad gelegtes und über Rollen auf der Bahn hinauf- und hinabgleitendes Handseil ohne Ende, dem ganzen Fahrstuhl eine azimuthale Bewegung geben. Ein besonderer Fahrbock, der nahe der Säule, innerhalb des Fahrstuhles, freie Bewegung hat, dient zur Ablesung der Declinations-Mikroskope."

Dieses hochinteressante Gefährt, mit dem sich der Beobachter auf Führungsschienen per Seilzug rund um das Teleskop und auf und nieder bewegen kann, ist auch heute noch im Äquatorial-Gebäude der Hamburger Sternwarte in Bergedorf zu bewundern. Eine vergrößerte Version dieses „Fahrstuhles", sogar für zwei Personen, wurde von A. Repsold & Söhne 1884 im 14m-Refraktor in Pulkowa eingebaut.

Äquatorial der Hamburger Sternwarte. Links der "Beobachterfahrstuhl". Hier nach der Wiederaufstellung in Hamburg Bergedorf.

1867 schied Georg Repsold aus dem Betrieb aus und Adolf Repsolds dritter Sohn Oscar wurde aufgenommen. Die Firma änderte daraufhin ihren Namen in A. Repsold & Söhne.

Auch bei der Feuerwehr stand eine erneute Umgestaltung an als der Senat, nach Berliner Vorbild, eine Berufsfeuerwehr wünschte. Adolf Repsold war kein Freund dieser Änderung und reichte 1870 sein Pensionierungsgesuch ein. Johann Adolf Repsold schrieb:

Es ist begreiflich, daß Adolf Repsold sich mit dieser Neuerung nicht befreunden konnte. Hatte er doch kaum nach vielen Mühen eine wesentliche Umgestaltung durchgeführt und dabei ohne Zweifel in mancher Beziehung die Löscheinrichtungen den hiesigen Verhältnissen sehr glücklich angepaßt und sollte nun Fremdes an deren Stelle setzen, das unter vielfach abweichenden Bedingungen sich entwickelt hatte und dessen Zweckmäßigkeit an hiesigem Ort bezweifelt werden konnte.... Als eine Kränkung empfand er es aber, wenn nach parlamentarischer Praxis die Freunde der neuen Ordnung in dieser nur Vorzüge, in der alten nur die Schattenseiten sehen wollten, das viele gute, was sich bot, aber unbeachtet ließen."

Diese Aufregungen sowie der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, bei dem sich sein Sohn Carl eine Kopfwunde zuzog, ließen Adolf Repsold kränklich werden. In der Sehnsucht nach ruhe träumte er davon,

in ländlicher Umgebung, ein neues Heim zu suchen, eine neue Werkstatt einzurichten und dort mit dem ältesten Sohn noch eine Reihe von Jahren ungestört mit Befriedigung zu wirken"

Am 31. März 1871 starb Adolf Repsold nach einem Herzanfall.

home
zurück
   
 
   
Joh. G.. Repsold
   
A. Reps Söhne
   
Instrumente
   
E. Gabory
   
Altonaer Stw.