A. Repsold Söhne

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Nach dem Tode von Adolf Repsold im Jahr 1871 war Hans Repsold (eigentlich Johann Adolf) das Herz des Betriebes und verkörperte mittlerweile die dritte Generation der Repsoldschen Werkstätten. Sein Bruder Oscar war zwar ebenfalls beteiligt, hielt sich aber in allen Belangen der Firma sehr im Hintergrund.

Oscar und Johann Adolf Repsold (Staatsarchiv Hamburg)

Bereits im folgenden Jahr wurden Werkstatt und Wohnung gewechselt. Die beengten Bedingungen in der Böhmkenstraße machten dies angesichts der größer werdenden Instrumente erforderlich. Am Borgfelder Mittelweg (später Klaus Groth-Straße) am Berliner Tor standen die neuen Werkstätten bis zur Aufgabe der Firma im Jahr 1919.

Die Repsoldschen Werkstätten haben über 100 Jahre existiert und das Geheimnis ihres Erfolges hat in den drei unverwechselbaren Individualisten Johann Georg, Adolf und Hans Repsold gelegen. Jeder war eine dominierende, aber nicht aufdringliche Persönlichkeit. Jeder besaß die Souveränität, die eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen, andere damit aber nicht zu erdrücken. So konnte es sich die Firma auch erlauben, keine Patente auf die Instrumente anzumelden, ja im Gegenteil: die Pläne standen fast jedem zur Einsicht zur Verfügung. Auch bargen die Werkstatträume mit ihren Ausstattungen keine Geheimnisse, sie waren sogar eher schlicht und einfach. Die Ruhe und Ausgeglichenheit der Repsolds und der kaum 25 Mitarbeiter sowie die mit Umsicht angewandte Sorgfalt und Präzision machten die Instrumente zu einzigartigen, nicht kopierbaren Einzelstücken. Da Hans Repsold auch bereitwillig auf alle Wünsche der Endbenutzer, der Astronomen, einging und Anregungen in Konstruktionsänderungen übersetzte, war die Werkstatt vom fabrikmäßigen Fertigungsprozeß meilenweit entfernt. Ein Freund, der Kieler Astronom Paul Harzer, berichtete in einem Nachruf auf Hans Repsold:

Von der Zweckmäßigkeit einer Konstruktion überzeugt zu sein, war aber für Repsold eine unerläßliche Bedingung, sich mit ihr zu befassen. Als mehrere Astronomen von ihm verlangten, daß er seiner vielleicht erfolgreichsten Konstruktion, dem Mikrometer, ... zum Betrieb ein Uhrwerk hinzuzufügen, lehnte er das, weil es unnötig sei und statt der alten Fehler, die das Mikrometer beseitige, neue Fehler einführen könne, mit Bestimmtheit ab; und die Astronomen konnten von ihm nur erreichen, daß er die Ansetzung des Uhrwerk an die bestellten Mikrometer vorsah, das Uhrwerk aber zu beschaffen und anzubringen den Astronomen überließ."

Bei Hans Repsold gingen in den folgenden Jahren immer mehr Aufträge nach großen Instrumenten ein. Der gesteigerte Bedarf an geeigneten Geräten in allen Teilen der Welt ging einher mit der gesteigerten technischen Machbarkeit solcher Instrumente, so daß, was die Refraktoren betraf, immer größere und großvolumigere Geräte gefordert wurden. Auf dem amerikanischen Kontinent steigerte sich dies bis zum Bau des 40-Inch Refraktors der Yerkes-Sternwarte bei Chicago. Auch bei A. Repsold & Söhne wurden ab 1875 große Refraktoren bestellt. Die Refraktoren für Nikolajew (bestellt 1873) hatten 13 Fuß (4,2 m), für Potsdam (bestellt 1875) 16 Fuß (5,2 m) und für Straßburg, Mailand und Pulkowa (um 1876) hatten Brennweiten von 21 Fuß (6,8 m). Um die Jahrhundertwende wurden die größten Repsoldschen Refraktoren gebaut: Der große Refraktor von Pulkowa (1884 ausgeliefert) hatte eine Baulänge von 14 m und ein Objektiv mit 30 Inch (76 cm) Öffnung, der Refraktor von Potsdam (1898 ausgeliefert) eine Länge von 12m und ein Objektiv von 80 cm Durchmesser. 1912 wurde der Große Refraktor für die Hamburger Sternwarte in Bergedorf mit einer Baulänge von 9 m und einer Öffnung von 60 cm ausgeliefert.

Der große Refraktor von Pulkowa erhielt den berühmten Repsoldschen Beobachterfahrstuhl, den schon Adolf Repsold beim Äquatorial der Hamburger Sternwarte eingebaut hatte. Für den Pulkowa-Refraktor wurde er, angesichts der Dimensionen dieses Fernrohres, in zwei Teile.

einen oberen, auf einer breiten Gallerie laufenden und einen unteren, der sich am inneren Rande der Gallerie und auf dem Fußboden mit Rädern führt. Dieser untere Fahrstuhl besteht aus einem schrägen Rahmwerk mit zwei Treppen, zwischen denen sich der Beobachter mit einem Sitz durch drehen eines Handrades tangential zu der vom Ocular beschriebenen Kugelfläche auf- und niederbewegen kann. Von den Treppen aus kann man durch Seilzug den Stuhl azimuthal fahren."

14 m Refraktor in Pulkowa (St. Petersburg). Rechts unten, der Beobachtungs-Fahrstuhl.

Hauptsächlich entstanden in den Repsoldschen Werkstätten jedoch die Meridiankreise, Durchgangsinstrumente und Universal-Instrumente, die von Repsold und seinen Mitarbeitern in Perfektion gefertigt wurden. Auch die neue Hamburger Sternwarte in Bergedorf vervollständigte sich 1909 mit einem Meridiankreis von 2,3 m Brennweite und einer Öffnung von 190 mm.

Im letzten Viertel des Jahrhunderts gab es eine vorübergehende Nachfrage nach Heliometern. Für den Venusdurchgang vor der Sonne im Jahr 1874, bestellte die „deutsche Venusexpedition" ein 5füßiges Heliometer. Darauf folgten mehrere kleine und mittlere Instrumente dieses Typs. Die Konstruktion war aber schon derart komplex geworden, daß später aufgrund der schwierigen Bedienbarkeit kaum noch ein Heliometer geordert wurde und auch Repsold wollte keines mehr herstellen.

Repsold hat auch geäußert, daß er kein Heliometer mehr bauen werde, es sei denn, daß er sicher wisse, daß der erfahrene und hingebende Beobachter da sei, der es in die Hände bekommen müsse."

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Ära der Plattenfotografie in der Astronomie. Das mühsame Vermessen von Sternpositionen am Äquatorial konnte auf Fotoplatten viel besser in Ruhe bei Tageslicht vorgenommen werden. Ab 1874 baute die Firma Repsold Plattenmesser zum Ablesen von Platten aller Art. Eine besondere Konstruktion stellte der 1913 vorgestellte „parallaktische Plattenmesser" dar. Die Zielsetzung dieses Apparates war, die abgelesenen Einstellungen unmittelbar als Deklination und Stundenwinkel zu erhalten. Ein kleines Fernrohr (325 mm Brennweite, 41 mm Öffnung) wurde über ein zweiachsiges System (Deklination und Stundenwinkel) auf den zu messenden Stern der Platte eingestellt. Die Fotoplatte wurde dazu in ca. 2 m Entfernung senkrecht auf einer optischen Bank aufgestellt. Die Sternposition ließ sich dann an den Teilkreisen der beiden Achsen über Meßmikroskope ablesen. Das Gerät fand 1813 in der neuen Hamburger Sternwarte in Bergedorf Aufstellung und sollte später als Meßinstrument des AGK230 dienen. Direktor Schorr entschloß sich jedoch, das kompliziert zu handhabende System durch einfachere Plattenmesser zu ersetzen.

Die Palette der Repsoldschen Instrumente schließt ab mit den vermessungstechnischen Geräten und Uhren. Ab 1860 lieferte A. Repsold & Söhne, so wie damals schon Joh. Georg Repsold, Basismeßgeräte, Reversions- und Horizontalpendel. Die Pendelapparate galten der Vermessung der Schwerebeschleunigung der Erde, die Basisapparate zur Grundlinienbestimmung großräumiger geodätischer Vermessungsprogramme. So wurden von Repsold die Basisapparate für die Vermessung Javas (1865-67) und den U.S.Lake Survey (1875) geliefert. So wie auch schon Johann Georg Repsold sich seine Uhren selber baute, galt auch bei A. Repsold & Söhne ein kleiner Teil der Arbeit speziellen Uhren. Hans Repsold plante 1919 eine „Uhr mit rundschwingendem Gelenk-Pendel und photographischer Zeitaufnahme". Um eine dauernd gehende Uhr zu betreiben, welche die bis dahin gebräuchlichen Chronographen ersetzen sollte, war für den Pendel ein besonderer Invarstahl mit nur geringem Wärmeausdehnungskoeffizienten sowie eine spezielle Temperaturkompensation vorgesehen. Im Ergebnis sollte die Uhr deshalb 4 rotierende Zifferblätter erhalten: für Stunden, Minuten, Sekunden und Hundertstelsekunden.

Im August 1919 begann Hans Repsold zu kränkeln. Einen Monat später, am 1. September 1919, hat eine Krebserkrankung das plötzliche Ende dieser genialen Instrumentenbauerfamilie herbeigeführt. Da sich aus der Verwandtschaft niemand fand, der die Firma übernehmen wollte und konnte, ein Verkauf nach Außen nicht in Frage kam, war das Ende der Repsoldschen Werkstätten besiegelt.

Die Hamburger Sternwarte, die allen Repsolds viel zu verdanken hatte, nahm einige der älteren Beschäftigten des Betriebes bis zur Rente in ihre mechanische Werkstatt auf.

Johann Adolf Repsolds Verdienst ist es auch, die Geschichte der Familie Repsold seit Johann Georg Repsold zu dokumentieren. Darüber hinaus gab er zwei Bücher "Zur Geschichte der astronomischen Messwerkzeuge heraus".

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