Hugo Schröder
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Hugo Schröder war Optiker in Hamburg und aus seinem „optischen Institut" gingen „vorzugsweise große astronomische Instrumente" hervor. Hauptsächlich in der Zeit zwischen 1860 und 1880 konnte man etwas über seine Aktivitäten lesen oder hören. Für das Äquatorial der Hamburger Sternwarte am Millerntor fertigte er u.a. ein neues Objektiv.

Schröders Interesse galt auch der Verbreitung der astronomischen Wissenschaft und dafür setzte er sich 1871 mit einem Aufruf an die Hamburger Öffentlichkeit ein:

"Aufforderung zur Gründung eines Instituts, um die großen Entdeckungen der neusten Zeit in der Astronomie, Astrophysik, Optik und Microscopie Allen zugänglich zu machen."

Sein Plan sah die Errichtung einer großzügig ausgestatteten Volkssternwarte zusammen mit einem Planetarium vor. Zu seiner Zeit war diese Idee sicherlich äußerst fortschrittlich, doch mag in nicht unerheblichem Umfang auch das geschäftliche Eigeninteresse eine Rolle gespielt haben.

Sein Institut sollte wie folgt ausgerüstet sein:

"Es wird auf einem Platze mit freier Aussicht ein Gebäude errichtet, bestehend aus einem sehr niedrigen Thurm mit Drehkuppel, enthaltend einen grossen Refractor von etwa ½ Meter Objectivöffnung und 10 Meter Focallänge, der parallaktisch montirt, mit einem Uhrwerk dem Lauf der Gestirne zu folgen im Stande ist, sowie mit Theilkreisen und 2 Suchern zum Aufsuchen kleiner Gestirne und Nebelflecken versehen, so wie ferner mit Apparaten neuer Construction, um alle Objecte, deren Lichtstärke es erlaubt, zu projiciren, so dass eine mässige Anzahl Zuschauer gleichzeitig beobachten kann.

Bei einer Dimension, wie oben angegeben, ist ein solches Instrument auch im Stande, sehr viele Gestirne bei hellem Sonnenschein mit Vortheil betrachten zu können, eine für solchen Zweck nicht zu gering anzuschlagende Eigenschaft.

Ferner sind erforderlich zur Beobachtung der leuchtenden Oberfläche der Sonne und deren wunderbarer Nadelbildung, so wie der Veränderung, die fortwährend stattfindet, ein Polarisationshelioscop, so wie zur Betrachtung der Protuberanzen (Hervorragend über den Sonnenrand) der Sonne, ein Sonnenprotuberanzapparat. Zur Betrachtung der Sternspectren (welche uns mit den auf denselben befindlichen Stoffen bekannt machen), ein Sternspectroscop und schliesslich zur Betrachtung etwa erscheinender Cometen, ein Cometensucherocular. Zur richtigen Einstellung muss in demselben Raum noch eine einfache astronomische Uhr vorhanden sein."

Einige kleine Instrumente von 15 - 20 cm Objektivdurchmesser sollten die Ausrüstung vervollständigen. Im Gebäude des Planetariums sollten Demonstrations- und Anschauungsmaterialien vorhanden sein.

"In der Mitte des Saales ein Planetarium, welches die verschiedenen Bahnen der Planeten aus Metalldraht in verschiedenen intensiven Farben darstellt, so wie die Planeten in verhältnissmässigen Dimensionen mit ihren Monden und deren Bahnen."

Planetariumsprojektoren unserer Vorstellung waren damals noch unbekannt, so daß ein Planetarium auch wirklich nur ein Planetenmodell darstellte; kleine Kugeln drehbar an Metalldraht.

Das ganze veranschlagte Schröder auf 119.700 Mark Crt.

Das wäre schon etwas gewesen. Dieses geplante Fernrohr von 50 cm Öffnung wäre damals eines der weltweit größten Teleskope geworden - das ganze Institut leistungsfähiger als die damalige Hamburger Sternwarte, so daß Schröder in seinem Antrag großzügig vorsah, daß die „gelehrten Kapazitäten" unentgeltlich Zugang bekämen,

"da ein ähnliches Instrument von solcher Kraft auf dem ganzen Continent nicht existirt"

Voraussetzung sei jedoch, daß „die Herren" Vorträge „über die neusten Gegenstände auf diesem Gebiet" hielten. Interessanterweise wurden von Schröder in dieser Ausarbeitung mehrere berühmte Astronomen und Sternwarten erwähnt, die Hamburger Sternwarte am Millerntor indes mit keiner Silbe - wahrscheinlich weil Schröder die sich schon damals abzeichnenden Bedeutungslosigkeit der Sternwarte am Millerntor in Hamburg erkannte.

So hoffte er dann auf die Verwirklichung seiner Volkssternwarte:

"Sollte es denn einer so grossen und reichen Stadt, wie Hamburg, nicht möglich sein, die pecuniaren Schwierigkeiten dieses Unternehmens zu überwinden?"

Nein! Es war der reichen Stadt Hamburg nicht möglich. Schröder fand keinen potenten Geldgeber für dieses Projekt und Hamburg sah sein Planetarium erst sechzig Jahre später. Die Volkssternwarte wurde sogar erst 100 Jahre später gegründet; mit mehreren kleinen Teleskopen und ohne ein solches Riesenfernrohr, wie Schröder es im Kopf hatte.

   
 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
Hugo Schröder
   

(Dieser Text hat durch viele Anmerkungen von Heinz Enslin umfangreiche Ergänzungen erfahren.
Insbesondere bin ich ihm für die Beschreibung der Seewarte - DHI - BSH bis 1990 äußerst dankbar)