Navigationsinstrumente

 

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Neben der großen Firma Repsold entwickelten sich in Hamburg auch manch andere Betriebe, die sich mit der Herstellung astro-navigatorischer Instrumente beschäftigten. Der „Neueste Führer durch Hamburg und Altona" aus dem Jahr 1845 listete einige Namen auf:

Exemplarisch für diese Betriebe soll hier die Firma C. Plath, die noch heute in Hamburg ansässig ist, beschrieben werden1.

Der Gründer der Firma war David Filby, der am 14. April 1810 in Husum geboren wurde. Nachdem seine Eltern 1820 nach Hamburg gezogen waren begann Filby 1830 eine vierjährige Lehre als „Mechanikus" in der Mechanikwerkstatt von Heinrich Johann Kosbü. Nach Abschluß der Lehrzeit, im Jahr 1840, richtete sich Filby am Hafen, am Vorsetzen, einen kleinen Laden für nautische Instrumente, Seekarten, Literatur usw. ein. Daneben wurden Navigationsinstrumente repariert. Schon drei Jahre vor der Einrichtung des Ladens hatte Filby angefangen, eigene Sextanten herzustellen. Diese Tätigkeit, ohne offizielle Anmeldung, wurde von den eingesessenen Kaufleuten der Stadt zum Schutz der eigenen Interessen verfolgt und geahndet. Die heimlich arbeitenden Handwerker (,die auf den Dachböden arbeiteten und wie die Hasen gejagt wurden,) hießen deshalb allgemein „Bönhasen". Ein eigenes Geschäft durfte aber nur derjenige eröffnen, der in Hamburg Bürgerrecht besaß, und dies mußte teuer erkauft werden. Filby erwarb das Bürgerrecht erst im Februar 1840.


Ein Sextant aus der Werkstatt von D. Filby. Um 1840

1862 holte ihn die Vergangenheit doch noch ein. Unvorsichtigerweise hatte er in der Anzeige über die Geschäftsübergabe an seinen Nachfolger C. Plath von dem „seit fünfundzwanzig Jahren geführte Geschäft von Nautischen Instrumenten und Seekarten" berichtet und dabei die dreijährige Bönhasenzeit mit dazu gerechnet. Prompt wurde er vor das Hamburger Handelsgericht gezerrt und zu 15 Mark Crt. verurteilt. Die offizielle Existenz des Geschäftes wurde folglich auf 22 Jahre reduziert. Die Verurteilung war um so peinlicher, denn Filby war mittlerweile Bürgerschaftsabgeordneter.

Die Firma hieß nun „C. Plath, D. Filby's Nachfolger". Carl Plath wurde am 25. Dezember 1825 geboren, sein Vater war Pastor an der Michaeliskirche. Im Mai 1843 trat er eine Lehre bei Adolf und Georg Repsold in der nun schon international hoch angesehenen Instrumentenbaufirma an. Nach fünfjähriger Ausbildung war der Grundstock für die spätere Karriere gelegt. Zunächst folgten die Wanderjahre nach Berlin zu Pistor & Martins, dann nach Wien, Prag, München und England. 1852, als der Vater im Sterben lag, kehrte er nach Hamburg zurück. Plath erwarb das Bürgerrecht und eröffnete eine Werkstatt für Landvermessungsinstrumente in der Pastorenstr. 5.

Als Filby's Geschäft zum Verkauf stand, griff Plath zu, denn der Handel mit geodätischen Instrumenten florierte nicht recht. Filby's Firma für Navigationsinstrumente konnte über Aufträgen nicht klagen. Die Nähe zum Hafen und der sich ausweitende Weltverkehr ließen auch in Zukunft ein gutes Geschäft erwarten.

Sein altes Geschäft verkaufte Plath an seine beiden Mitarbeiter Dennert und Pape. Nachdem die Grenzen zu Schleswig-Holstein 1866 fielen und Preußen eine geodätische Neuvermessung anordnete, profitierte Dennert & Pape erheblich und auch dieser Betrieb vergrößerte sich zu einer gut gehenden Fabrik für Vermessungsinstrumente.

Bei Plath wurden die alten Geschäftsräume bald zu klein und er kaufte ein nahegelegenes Grundstück Von Repsold kaufte er eine Kreisteilmaschine und war nun in der Lage, präzise Teilstriche auf seine Sextanten zu übertragen.

Drei Jahre nach dem Tod Filby's verlegte sich Plath ausschließlich auf den Instrumentenbau und verkaufte den Geschäftszweig für nautische Bücher und Seekarten an die neuerrichtete Buchhandlung Eckart & Messtorff. Jetzt hieß die Firma nur noch „C. Plath", der Zusatz „D. Filby Nachfolger" wurde gestrichen.

Die Veränderung zum Norddeutschen Bund hatte auch die Einrichtung der in Hamburg ansässig werdenden Norddeutschen Seewarte zur Folge. Sie hatte die Aufgabe, die Navigationsinstrumente (Kompaß, Sextant, Chronometer) auf das genaueste zu überprüfen und einheitliche Beurteilungskriterien zu schaffen. Instrumentenbauer waren nun nicht mehr allein auf den guten Ruf angewiesen, sondern brauchten auch entsprechende Qualitätsreferenzen der Seewarte. Als 1868 Wilhelm v. Freeden Leiter der Norddeutschen Seewarte wurde, wurde auch der „Hamburgische Nautische Verein" gegründet. Plath erkannte sofort den Wert eines solchen Vereins: die Nähe zur Seewarte und die Information über alle sich abzeichnenden Veränderungen aus erster Hand.

Eine Schwachstelle des deutschen Instrumentenbaus war nach wie vor die Kompaßfertigung. Brauchbare Kompasse waren, wenn es Spitzenprodukte sein sollten, nur in England zu bekommen. 1876 stelle C. Plath seine ersten Kompasse auf der Hamburgischen Gewerbeausstellung vor. Als kurz darauf in England von Lord Kelvin eine neue Kompassentwicklung mit magnetischer Kompensationen vorgestellt wurde (eine Notwendigkeit bei den neuen eisernen Dampfschiffen), verlegte sich Plath sofort auf diese Linie. Die neuen großen Dampferlinien der Hamburg-Amerika-Linie oder der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffsgesellschaft ließen ein gutes Geschäft erwarten.

1899 wurde Carl Plaths Sohn Theodor Teilhaber die Firma und wurde 1908 Alleininhaber. 1910 starb Carl Plath.

Die Firma blieb bis heute in der Tradition der nautischen Instrumentenfertigung. Während der ersten Jahre des 20. Jahrhunderts, als der Wettlauf der Reedereien um immer größere und schnellere Schraubendampfer im vollen Gange war, blühte die Firma C. Plath groß auf doch nach dem ersten Weltkrieg, als die deutsche Flotte als Reparationsleistung abgegeben werden mußte, änderten sich die Aussichten. 1921 schloß die Reichsregierung mit den Reedereien einen Abfindungsvertrag und es wurde trotz Wirtschaftskrise mit umfangreichen Schiffsneubauten begonnen. Die Firma C. Plath gesundete folglich sehr schnell wieder und als Charles Lindbergh 1927 den ersten Transatlantikflug wagte, wurde bald der Bedarf für Flugnavigationshilfen groß und die Firma verlegte sich auch auf diese Sparte.

Mit Beginn der NS-Diktatur weitete sich die Firma enorm aus. Die Räume am Stubbenhuk wurden schnell zu klein und die Firma wechselte Anfang 1935 nach Altona in die Bahrenfelder Chaussee. Mit Beginn des Krieges 1939 mußten Kompasse und Navigationssysteme in enormen Stückzahlen für alle militärischen Anwendungen produziert werden. Die Beschäftigtenzahlen stieg von 34 Personen im Jahr 1933 auf 650 Angestellte im Jahr 1942. Und diese reichten immer noch nicht aus. Die Arbeitszeiten wurden für Frauen auf 49 Stunden, bei Männern auf 57 Stunden erhöht und ein erheblicher Teil der Produktion wurde als Unteraufträge an andere Firmen vergeben. Nach dem Bombenangriff am 3. August 1943, bei dem zwar das Stammhaus am Stubbenhuk zerstört wurde, nicht aber die Produktionsstätten an der Bahrenfelder Straße, wurde der Betrieb in „nicht bombengefährdete" Gebiete ausgelagert.

Während des Krieges fertigte Plath fast 21.000 Sextanten, 11.000 Libellen- und Kreiselsextanten, 9000 Marinekompasse und über 3000 zusätzliche Geräte.

Nach dem Krieg mußten die Betriebe aus dem Präzisionsgerätebau ihre Kapazitäten auf 70% der 1938'er zahlen reduzieren. Bei Firma Plath kam hinzu, daß der Firmenteilhaber Johannes Boysen vom britischen Militärgericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er einem Nazi-Freund die Flucht nach Chile ermöglicht hatte.

Um die Firma am Leben zu halten, wurden Ersatzprodukte wie Kleinbildkameras und Schreibmaschinen gefertigt. Ab 1949, nach der Lockerung der Produktionsverbote, konnte sich der Betrieb wieder auf das klassische Programm nautischer Instrumente zurück verlegen.

Die meisten Angaben entstammen dem Buch von F. Jerchow, Vom Sextanten zur Satellitennavigation - 150 Jahre C. Plath, Hamburg 1987

   
 
   
   
   
   
   
   
   
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