Die Chronometermacher

 

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Die Zeit ist eine der wesentlichen Größen bei der Beobachtung von Himmelskörpern. Die Umrechnung der Koordinatensysteme vom Horizontal- ins Äquatorialsystem, die Bestimmung eines Sterndurchgangs durch den Meridian, die Auf- und Untergänge oder die Astronavigation, alles benötigt eine exakt bestimmte Zeit. Von jeher waren Astronomen deshalb auf Präzisionszeitmesser angewiesen, vielfach bauten sie die Uhren selbst. J.G. Repsold beispielsweise baute sich seine Pendeluhren eigenhändig.

Eine Hauptaufgabe der Hamburger Sternwarte bestand darin, exakte Zeiten für die Stadt und die Schiffahrt zu liefern, die städtischen Normaluhren und den Zeitball zu betreiben und später die amtlichen Zeitzeichen (telegrafisch und telefonisch) zu übermitteln.

Um diese Aufgaben zu erfüllen, besaß die Sternwarte mehrere äußerst genau gehende Präzisionsuhren verschiedener Hersteller in ihren Uhrenkammern. Viele dieser Instrumente wurden in Hamburg gebaut, besonders häufig stammten sie aus Altona, wo sich mehrere Uhrenkünstler niedergelassen hatten.

Heinrich Johannes Kessels

Der Uhrmacher Kessels (15.5.1781 - 15.7.1849) stammte aus Maestricht und kam Anfang des 19. Jahrhunderts nach Altona, wo er in der Kleinen Mühlenstraße Werkstatt und Wohnung hatte. Als Schumacher 1821 nach Altona zog, die Altonaer Sternwarte eröffnete und die Astronomischen Nachrichten herausgab, entstanden bald enge Kontakte zu Kessels. Wohl auch deshalb, weil der sprachbegabte Schumacher dem immer noch französisch sprechenden Kessels zur Hand gehen konnte. Bereits im zweiten Band der AN im Jahr 1823 druckte Schumacher Kessels Chronometer-Preisliste:

- Taschenchronometer in Silber (130 Dukaten) oder Gold (150-200 Dukaten)

- Taschenchronometer mit Jürgenschem Metallthermometer in Silber (200 Dukaten) oder Gold (230 Dukaten)

- Boxchronometer (170 - 200 Dukaten)

- Astronomische Pendeluhren mit Quecksilberkompensation (130 Ducaten)

mit rostförmigem Pendel aus Messing und Stahl (150 - 200 Dukaten)"

Das Fertigen von Chronometern war ein anstrengendes Geschäft. Kessels saß relativ lange an einer Uhr, und die notwendigen Materialien waren teuer. Ein Uhrmacher mußte die Kosten zunächst in Vorleistung erwerben und dann hoffen, daß sich der fertige Chronometer schnell verkaufte, was
nicht immer der Fall war. Manche waren Ladenhüter.

Eine Möglichkeit, dieser Finanzklemme zu entkommen, stellte ein königlicher Kredit dar, den Kessels 1827 erwerben konnte und über den umgehend in den AN veröffentlicht wurde.

Gnadenbezeugung", „daß Herr Kessels jährlich auf 2 von ihm verfertigte Chronometer 2/3 ihres Werthes, als zinsfreien Vorschuß aus der königlichen Casse erhalten könne, die bei dem Verkauf des Chronometers zurückbezahlt werden. ... Bis jetzt sind noch so manche Bestellungen auszuführen, daß Herr Kessels keine Gelegenheit gefunden hat, von der Königlichen Gnade Gebrauch zu machen"

Immer wieder erschienen nun Kessels Uhrenpreise in Schumachers Journal. Chronometer, Pendeluhren und einige wohlfeilere Uhren ab 90 Ducaten. Eine besondere Entwicklung war eine Pendeluhr für den Astronomen:

Pendeluhren so eingerichtet, daß der Astronom selbst sie reinigen kann. In diesen Uhren laufen die Zapfen in besondern, auf den Platinen aufgeschraubten Kloben, und man kann selbst den Anker und das Echappementsrad ausnehmen, ohne die Platinen zu trennen, 240 Dukaten."

Für die Bezahlung wurde auch gleich der damalige Wechselkurs angegeben

Die Preise aller Pendeluhren und Chronometer sind in Holl. Ducaten angegeben, die entweder in natura ausgezahlt werden können, oder in Hamb. Courant, den Ducaten zu 8Mark gerechnet."

Doch nicht alle Uhren Kessels waren Meisterwerke. Manche waren auch für damalige Verhältnisse schlecht, und Schumacher scheute nicht davor zurück, auch dieses Resultat zu veröffentlichen. Eine Pendeluhr, die er im Meridiansaal der Sternwarte von Februar bis Dezember 1831 testete, ging täglich um 1.6 Sekunden vor und Schumacher erklärte in den AN:

Der bisherige Gang dieser Uhr ist allerdings nicht vorzüglich zu nennen, und hat meinen Erwartungen nicht entsprochen".

Bei anderer Gelegenheit wurde dieser Verriß wieder ausgeglichen.

Ein Chronometer, den Gerling gekauft hatte, sollte von Schumacher überbracht werden, der Gerling besuchen wollte. Die Uhr begleitete Schumacher somit durch die Lande. Nach 20 Tagen auf Holperstrecken in der Kutsche zeigte der Chronometer im Vergleich zu einer Pendeluhr von Breguet lediglich Abweichung von ±0.05 Sekunden täglich. Eine beachtliche Leistung.

Kessels hatte vor berühmten Persönlichkeiten wenig Respekt. 1837 legte er sich in einem Brief an die Astronomischen Nachrichten mit Sir James South an. South hatte behauptet,Eichenholz in Pendeluhren beschleunige die Korrosion der Instrumente. Kessels, der sieben seiner Uhren in Eichenholz gebaut hatte, von denen jedoch keine korrodiert sei, bemerkte, daß keiner seiner Kunden, die diese Uhren erhalten hätten, die Fußböden um die Uhren herum naß reinigen würde, so wie South es in Kensington täte. Dies sei wohl die eigentliche Rost-"Uhr"sache.

Astronomische Uhr von Kessels Nr. 1448 für die Sternwarte Kremsmünster.

Foto: P. Amand Kraml

Pendeluhr für das US Naval Observatorium in Washington. Gebaut ca. 1842. Dies war die Standarduhr des Observatoriums bis 1881.

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