Adolf Kittel

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Adolf Kittel war gebürtiger Ostfriese. 1845 wurde er in Aurich geboren, kam aber schon bald nach Altona. Er hat vermutlich bei einem der Uhrmacher der Stadt gelernt, denn 1877 waren schon mehrere seiner Uhren in Hamburg und Altona prämiert worden. Auch an den Chronometerprüfungen der Seewarte nahmen seine Uhren regelmäßig teil.

Kittel wollte nie „nur Uhrmacher" sein und defekte Wecker, Taschen- und Armbanduhren reparieren - Kittel wollte die Präzisionsinstrumente fertigen: Zeitmesser, bei denen es auf äußerste Ganggenauigkeit unter extremen Bedingungen ankam.

In einer Kurzbiographie schrieb Schorr:

Sein Arbeitsgebiet betraf hauptsächlich die Anfertigung von Marine-Chronometern, von astronomischen Pendeluhren und anderen Zeitmess-Instrumenten. Hier hat er hervorragende Meisterwerke geliefert und diese mit vielen von ihm erfundenen Neukonstruktionen ausgestattet. Besondere Spezialitäten von ihm waren bei den Chronometern die Chronometer ohne Schnecke, ein neues Chronometer-Echappement, eine Hilfskonstruktion für Temperaturschwankungen u.a., bei den Pendeluhren eine eigene freie Hemmung, eine am Pendel angebrachte Barometerkompensation für Luftdruckschwankungen. ... Auch von astronomischen Pendeluhren hat er verschiedene für deutsche und ausländische Sternwarten geliefert. Auf der Gewerbe-Ausstellung in Hamburg im Jahr 1889 hatte er eine neue vorzügliche astronomische Pendeluhr ausgestellt, die dann in den Besitz der Hamburger Sternwarte überging (Kittel Nr. 25); die Hamburger Sternwarte hat später noch die beiden Pendeluhren Kittel Nr. 60 und Nr. 65 von ihm erworben."

Schorr unterhielt regelmäßigen Briefkontakt zu Kittel und beschrieb ihn wie folgt:

Trotz dieser vielseitigen erfolgreichen Tätigkeit, mit der er sich allgemeine Anerkennung erworben hat, hat Kittel keine Seide gesponnen. Er war ein eigenartig konstruierter Mensch, in gewissem Sinn ein Eigenbrödler, dem alles Geschäftliche zuwider war, der infolge einer übertriebenen Empfindlichkeit leicht verletzt war und sich leicht daher mit anderen überwarf. Wem er aber sein Vertrauen schenkte, der konnte gut mit ihm auskommen."

Schorr kam anscheinend ganz gut mit Kittel aus, denn in den Akten der Sternwarte findet sich ein Briefwechsel mit Kittel, der auch noch über seine Zeit in Altona hinausging.

1911 gab Kittel seine Altonaer Werkstatt auf und verkaufte mit der Hilfe Schorrs seine restlichen Chronometer. Doch während des Krieges und der danach beginnenden Rezession waren die Mittel, die er sich als kleine Rente zurückgelegt hatte, bald aufgebraucht. Im Oktober 1919 machte er noch einen Versuch, über Schorr bei der Sternwarte mit kleinen Aufgaben beschäftigt zu werden. Der mußte jedoch ablehnen, auch in der Sternwarte mußten Entlassungen vorgenommen werden. Im November zog Kittel aus Altona fort, um bei seiner Familie in Aurich „in Pension" zu gehen. Dort veschlechterte sich seine wirtschaftliche Lage ebenso wie seine Gesundheit. Sein Nachbar, der Lehrer Hagemann, setzte sich bei Schorr noch einmal dringend für Kittel ein, der wiederum ablehnte. Schorr bemühte sich dennoch „von privater Seite" eine Unterstützung für Kittel bereitzustellen. Als Schorr endlich Möglichkeiten fand, war Kittel in Ostfriesland bereits am 4. Oktober 1921 gestorben.

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