Ein zweiter Großer Schmidt aus Hamburg

 

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Schon zu Beginn der Konzeption der ESO-Teleskope wurde beschlossen, auch ein großes Schmidt-Teleskop zu integrieren. Baades ursprüngliche Idee war es, eine Kopie der Mount-Palomar / Mount-Wilson Konfiguration zu wählen: Ein großes Spiegelteleskop in Begleitung eines großen Schmidt-Spiegels. Er schlug vor, den Palomar-Schmidt zu duplizieren, also einen 1,20 m Spiegel zu bauen. Doch bald wurde die Größe auf 1,0 m reduziert, um Gewicht und Kosten zu sparen, und um stattdessen besser in der Lage zu sein, ein Objektivprisma zu montieren. 1961 setzte Heckmann durch, daß statt des Palomar-Schmidts nun eine Kopie des Hamburger Schmidts angefertigt wurde. Als Konstrukteur wurde wiederum die Hamburger Firma Heidenreich & Harbeck gewählt. 1963 wurden die Verträge unterzeichnet und der Konstrukteur Strewinski konnte mit der Arbeit beginnen. Er hatte sich im übrigen auch an der Auslegung anderer Teleskope der ESO beteiligt. Die Optik kam dieses Mal zwar auch von Zeiss, doch nun aus dem westlichen Teil in Oberkochen.

Doch es dauerte bis 1968, daß Strewinski die Zeichnungen ablieferte und da obendrein die wirtschaftliche Lage Heidenreich & Harbeck dazu veranlaßte, mehr und mehr das Interesse an dem Gerät zu verlieren, entspann sich eine nervenaufreibende Situation zwischen der ESO, Heckmann, Strewinski und H&H. Heckmann beschrieb die Probleme mit Strewinski in seinem Buch „Sterne, Kosmos, Weltmodelle:

Ein Jahrzehnt später stand er uns als selbständiger Ingenieur gegenüber. Leider hatten wir erst zu einem Zeitpunkt, als seine Arbeiten bereits weit fortgeschritten waren, klar erkannt, wie starr und mißtrauisch er in der Zwischenzeit geworden war. ... Seine Unlust sich auszusprechen oder gar zu fragen, führte leider mehrfach dazu, daß wir vor fertige Entscheidungen gestellt wurden, wo wir gerne mitbestimmt hätten. So kam es, daß später Schwierigkeiten auftauchten, weil manche Einzelheit zu geistreich, zu kompliziert gelöst worden war."

Erst 1971 war es so weit, daß das Instrument in den Hamburger Werkshallen montiert wurde. Die jahrelangen Querelen hatten das Teleskop zum damals teuersten Schmidt-Teleskop gemacht. Zwei Millionen Mark mußten dafür aufgebracht werden. Ende 1971 erreichte das Teleskop La Silla in der chilenischen Atacama-Wüste, wie der Berg mit den ESO-Teleskopen nun hieß.

Mit dem Schmidtspiegel wurde als erste und wichtigste Aufgabe das südliche Gegenstück zum Palomar-Himmelsatlas beobachtet. Der ESO-Atlas und der Palomar Sky Survey stellen einen fotografischen Himmelsatlas auch für extrem lichtschwache Himmelsobjekte zur Verfügung. Damit wurden große Durchmusterungen nach Galaxien und Nebeln möglich, an die vor der Erfindung des Schmidtspiegels nicht im Traum zu denken gewesen wäre.


 

 
   
   
   
   
   
   
   
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