Der AGK3

 

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Kurze Zeit, nachdem die ersten Bände des AGK2 erschienen waren, fand 1952 die Tagung der Internationalen Astronomischen Union in Rom statt, wo als eines der Hauptprobleme der Zeit die fehlenden Eigenbewegungen von Sternen diskutiert wurden. Ein Besuch von D. Brouwer vom US-Naval Observatorium auf der Hamburger Sternwarte im gleichen Jahr gab den endgültigen Anstoß, das Programm des AGK2 erneut zu wiederholen. Da Instrumente und Meßmaschinen nach wie vor existierten, die Beobachtungen zum AGK2 aber bereits über zwanzig Jahre zurücklagen, erschien eine schlichte Wiederholung als Lösung des Problems.

Heckmann schrieb im Vorwort des AGK3-Kataloges:

Zwei Schritte hielten wir damals für notwendig und hinreichend: Erstens sollte man an verschiedenen Meridiankreisen die Anhaltsterne des AGK2 erneut beobachten. ... Zweitens sollten mit denselben Kameras wie 1930 die Platten aufgenommen werden.... Natürlich konnte man sich nicht darauf verlassen, daß die Objektive der Bonner und der Bergedorfer Kamera in der Zwischenzeit unverändert geblieben waren. Man würde also ihren Zustand zu prüfen haben."

Auf zwei Konferenzen, Frühjahr 1953 in Groningen und Spätsommer 1953 in Evaston (Illinois), wurde nachdrücklich eine internationale Unterstützung des Projektes gefordert.

An den Meridiankreisbeobachtungen beteiligten sich neben der Hamburger Sternwarte und dem US-Naval Observatorium die Sternwarten aus Bordeaux, Greenwich, Heidelberg, Nikolajew, Paris, Pulkovo und Straßburg. F.P. Scott aus Washington übernahm die Koordinierung der Meridiankreisarbeiten, die in einem gesonderten Katalog, dem AGK3R, veröffentlicht wurden.

Hans Kox (1958)
Wilhelm Dieckvoß (1956)
Johannes von der Heide (1958)

Der photographische Teil des AGK3 sollte wiederum in Bergedorf und Bonn, die Vermessung der Platten allein in Bergedorf durchgeführt werden. Drei Beobachter des AGK2 hatten noch eine Beschäftigung in Hamburg, Wilhelm Dieckvoß, J.v.d.Heide und Hans Kox. In Bonn war allerdings keiner der damaligen Astronomen mehr tätig und am Bonner Astrographen waren inzwischen mehrere Änderungen vorgenommen worden, so daß sich Bergedorf entschloß, alle Aufnahmen des nördlichen Himmels von Hamburg aus zu machen. Die Leitung des Plattenprojektes übernahm Dieckvoß.


Hans Kox am AG-Astrograph (um 1950)

Zwischen August 1956 und Juni 1964 wurden alle Platten belichtet. Wie beim AGK2, so bestand auch diesmal das Problem in der Beschaffung des geeigneten Fotomaterials. Doch nicht das Glasmaterial war die Hauptschwierigkeit, das stammte nach wie vor von der Spiegelglas A.G. in Grünenthal, sondern die geeigneten Emulsionen. Drei Firmen kamen in Betracht: Die Kodak Co. in London, die Agfa-Wolfen Werke in Ostdeutschland und die Perutz Co. in München. Lange Lieferzeiten, Zollformalitäten und der beginnende kalte Krieg brachten es im Nachkriegs-Deutschland mit sich, daß die meisten Platten aus München kamen während Agfa-Wolfen und Kodak nur knapp ein Drittel der Platten lieferten. Bei Perutz mußte lange die Empfindlichkeit der Emulsionen verändert werden, um eine ausreichende Sensibilität zu erreichen. Als Perutz später in der neuen Firma Agfa-Gevaert aufging, wurde die wissenschaftliche Plattenproduktion eingestellt.

Die Mannschaft des AGK3-Projektes beim gemeinsamen Mittagessen und späteren Abwasch (Januar 1957).

Ab 1957 wurde in Bergedorf wieder an den drei Plattenmessern gearbeitet; Bonn hatte seine Maschine leihweise zur Verfügung gestellt. Nach achtjähriger Arbeit waren alle Platten vermessen. Die anschließende Berechnung der Daten ging nun wesentlich schneller, als beim ersten Mal, denn am Rechenzentrum der Universität stand ab 1958 eine der ersten IBM 650-Computer zur Verfügung. Zwar mußten alle Daten manuell auf 400.000 Lochkarten gestanzt werden, doch ersparte man sich die nicht enden wollende Kurbeltätigkeit an den Handrechenmaschinen. 1967 stand an der Sternwarte sogar ein eigener GIER-Computer der schwedischen Regnecentralen zur Verfügung.


Wilhelm Dieckvoß (l) und Kristen Rohlfs beim Vermessen der AGK3-Platten.

Trotzdem dauerte es noch bis 1975, bis der erste Band des AGK3 erschien. Mehrfach mußten Computer-Bänder ausgetauscht werden (auch das wollte erst gelernt sein) und erst 1967 traf das Magnetband mit den Zusatzsternen des AGK3R aus Washington ein.

 

 
   
   
 
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