Nebelflecke
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Bereits seit Jahrhunderten wissen Wissenschaftler, daß es neben der Sonne, Mond, Planeten, Kometen, Sternschnuppen und den tausenden von Sternen schwache, nur mit äußerster Anstrengung sichtbare Nebelflecken gab. Im Dezember 1612 bemerkte Simon Marius, ein Astronom aus Ansbach, beispielsweise im Sternbild Andromeda ein Gebilde, das ihn an eine Kerze erinnerte, die durch eine Scheibe aus Horn scheint. Der Jesuit Johann Baptist Cysat aus Ingolstadt bemerkte 1618 bei der Beobachtung eines Kometen im Sternbild Orion ebenfalls einen Nebelfleck, den Orionnebel. Auch am Südhimmel waren dem Seefahrer Magellan zwei ungewöhnliche Wolken in der Nähe des Himmelssüdpols aufgefallen, sie werden seitdem die Magellanschen Wolken genannt.
Mit der Erfindung des Fernrohres nahm die Zahl der Entdeckungen solch nebliger Flecken stark zu. Man erkannte eine Vielzahl unterschiedlicher Formen, von Spiralen über Ringe bis zu bizarren Strukturen, ohne zunächst den Zusammenhang zu erkennen. Besonders der Engländer William Herschel, der 1790 ein 5Fuß-Spiegelteleskop baute, und Mitte des 19. Jahrhunderts der irische Astronom Earl of Ross mit seinen privaten Spiegelteleskopen von 90 cm und 1,8 m Durchmesser vergrößerten die Zahl der bekannten Nebel rapide. William Herschels Katalog von Nebelflecken wurde 1888 Grundlage des New General Catalogue of Nebulae and Cluster" von Dreyer. Die Numerierung des NGC"-Katalogs ist auch heute noch die Bezeichnung der hellen Galaxien, Gasnebel und Sternhaufen.
Im 19. Jahrhundert wurde zwar schon angenommen, daß sich die Nebel außerhalb unseres eigenen Sternsystems, der Milchstraße, befänden, beweisen konnte man es jedoch nicht. Hinweise dafür fand man darin, daß sich außerhalb des Bandes unserer Milchstraße deutlich mehr Nebel zeigten, als im Band selbst. Mädler zitiert 1859 William Herschel:
| Bessere Gründe sprechen für eine bereits von W.Herschel, wiewohl vorsichtig und keineswegs als allgemein geäußerte Ansicht. Nach dieser sind es werdende Welten, im Begriff, aus den chaotisch verdünnten und durch ungehäure Räume verbreiteten Sternstoff sich zu consolidiren, sei es zu einem festen Körper oder zu einem System derselben. Zu einem solchen, durch sehr verschiedene Stufen fortschreitenden Ausbildung gehören nun allerdings Millionen, vielleicht Milliarden von Erdjahren, allein einmal läßt sich durch nichts beweisen, daß alle Körper des Universums gleichzeitig auf gleicher Stufe der Entwicklung stehen, und dann erblicken wir ja in den Nebelflecken nicht sowohl den gegenwärtigen Zustand, als den, welchen sie zu der Zeit hatten, wo der jetzt unser Auge treffende Lichtstrahl von ihnen ausging. Wir werden aber weiterhin sehen, daß diese Zeit sich gar wohl auf Millionen von Jahren erstrecken könne. Was diese Meinung am meisten unterstützt, sind die von Rosse wahrgenommenen spiralförmigen Nebel." |
Heute weiß man, daß sich unter den Nebelflecken völlig unterschiedliche Gebilde befinden:
- Galaxien
Entfernte Sternsysteme, sog. extragalaktische Systeme, treten häufig als Spiralnebel oder als elliptische Nebel auf. Ferner existieren einige bizarr geformte Gebilde. Dies sind tatsächlich die von Herschel, Mädler u.a. bezeichneten fernen Weltinseln. Unsere Milchstraße bildet zusammen mit dem Andromedanebel und einer Anzahl kleinerer Systeme die lokale Gruppe" von Galaxien. Der Andromedanebel hat einen Abstand von der Milchstraße von rund 2 Millionen Lichtjahren. Die Milchstraße selbst hat einen Durchmesser von ca. 300.000 Lichtjahren und eine Dicke von ca. 20.000 Lichtjahren im Zentrum.
Die Lokale Gruppe" stellt nur die unmittelbare Umgebung um uns herum dar. Zusammen mit vielen andren Galaxien oder Galaxienzusammenballungen bildet sie einen großen Galaxienhaufen, einen Galaxiencluster. Dies ist der Virgo-Cluster" im Sternbild der Jungfrau (Virgo). Viele Galaxiencluster bilden gemeinsam wiederum Supercluster (wir befinden uns im Virgo-Supercluster). Alle diese Cluster, Supercluster und ähnliche Strukturen sind scheinbar netzähnlich im Universum miteinander verbunden. Am Rande des sichtbaren Universums lassen sich die Galaxien aufgrund ihrer nur schwachen Flächenhelligkeit nicht mehr auflösen. Es gibt jedoch Galaxien, die sich entweder im Entstehungsstadium befinden und/oder in deren Zentren gewaltige Aktivitäten stattfinden, so daß ihre Zentren extrem hell leuchten. Von ihnen sieht man nur den Kern, ähnlich einem Stern. Diese Quasare" genannten Objekte sind für uns zur Zeit ähnlich geheimnisvoll wie die Nebelhaufen im letzten Jahrhundert.
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M101 - Earl of Rosse
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M101 - Kitt Peak (KPNO)
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- Gasnebel
Große zusammenhängende Gasmassen in unserer eigenen Milchstraße oder in nahen Galaxien sind Gebiete, aus denen neue Sterne entstehen. Ein Beispiel einer solchen Nebelstruktur ist der Orionnebel.
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Orionnebel - Earl of Rosse
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Orion NOT-Teleskop La Palma
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- planetarische Nebel
Diese oft ringförmigen, relativ kleinen Gebilde wurden planetarisch" genannt, weil sie im Fernrohr ebenso groß wie Planeten erschienen. In Wirklichkeit sind es die abgestoßenen äußeren Hüllen alter, weit entwickelter Sterne. Im Zentrum eines solchen Nebels ist häufig noch der Rest des Sterns zu sehen. Der Ringnebel in der Leier ist ein Beispiel eines planetarischen Nebels.
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Ringnebel in der Leier. Zeichnung
des Earl of Rosse
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Aufnahme des 1,23m -Teleskops Calar
Alto
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- Supernovareste
Eine andere Form von Sternresten sind Supernovareste. Hier hat der Stern jedoch am Ende der Phase seines nuklearen Brennens mit einer riesigen Explosion, der Supernova-Explosion, die äußeren Hüllen von sich geschleudert. Im Zentrum bleibt der Stern dann in der Gestalt eines exotischen Sternrestes wie Neutronenstern oder schwarzem Loch zurück. Ein Beispiel dafür ist der Krebsnebel.
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Der Krebsnebel. Zeichnung des Earl
of Rosse
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Aufnahme des NOT-Teleskops La Palma
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- Sternhaufen
In einer Galaxie ballen sich Sterne gelegentlich zu kleinen Haufen zusammen. Sternhaufen aus der Frühzeit der Entwicklungsphase einer Galaxie haben sich zu kugelförmigen Systemen zusammengeballt, in denen nicht selten einige Tausend Sterne enthalten sind. Jüngere Haufen, offene Sternhaufen genannt, enthalten auch oft einige hundert Sterne. Die Haufen zeigen jedoch eher unregelmäßige Strukturen. Beispiele für offene Haufen sind die mit bloßem Auge sichtbaren Plejaden und die Hyaden.
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Der Krebsnebel. Zeichnung des Earl
of Rosse
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Aufnahme des NTT-Teleskops La Palma
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