Was hatte Meyers Konversationslexikon gegen die Hamburger Sternwarte ?

 

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Das enzyklopädische Wissen des letzten Jahrhunderts läßt sich hervorragend in Meyers Konversationslexikon nachlesen. Ich fand die 16 Bände 3. Auflage (um 1875) als kleiner Junge, als ich mit Begeisterung auf Opa und Omas Dachboden zwischen interessanten und vergessenen Dingen auf Entdeckungsreisen ging. Eines Tages fiel mir irgendein Gegenstand aus der Hand und verschwand zwischen den Dielen und den Dachziegeln. Als ich danach angelte, fand ich unter den Brettern, in Packpapier eingewickelt, einen Band des Lexikons. Ich kroch von Dachsparren zu Dachsparren und zog jedesmal ein Buch heraus - 16 Stück. Als ich meine Schätze völlig verdreckt bei Oma ablieferte, erfuhr ich, daß im letzten Kriegsjahr aus Furcht vor den heranrückenden Engländern alle Wertgegenstände versteckt wurden. Das einzig Wertvolle war das Lexikon, das daraufhin unter den Bodenbrettern versteckt wurde. Und nach dem Krieg, als sich die Wertbegriffe ohnehin radikal verändert hatten, war das Geheimnis auf dem Boden vergessen worden. Seither liebe ich es, in den 16 Bänden herumzuschmökern.

Während der Arbeiten zur Astronomiegeschichte Hamburgs fiel mir auf, daß zwar zu den meisten Astronomen aus Altona erschöpfende Antworten in den Bänden des Lexikons zu finden sind, alle Informationen zur Hamburger Sternwarte jedoch eigenartigerweise fehlen.

Die Suche nach Johann Georg Repsold: keine Eintragung, obwohl er eine der bedeutendsten feinmechanischen Werkstätten, gleichbedeutend mit Reichenbach, aufgebaut hatte und diese gerade zur Zeit der Neuauflage des Lexikons in dritter Generation ihre Blütezeit erlebte. Johann Georg Repsold war ferner Begründer der Hamburger Sternwarte.

Die Suche nach Christian Karl Ludwig Rümker: keine Eintragung.

Rümker war 20 Jahre lang Direktor der Hamburger Sternwarte, gefolgt von George Rümker, der die Leitung bis 1899 inne hatte, doch auch bei George Rümker: keine Eintragung.

Christian Karl Ludwig Rümker hatte zwischen 1821 und 1829 zusammen mit Sir Thomas Brisbane im Örtchen Paramatta die erste Sternwarte Australiens aufgebaut. Im Lexikon ist zwar Paramatta erwähnt und auch das dortige Observatorium, Rümker wurde jedoch verschwiegen.

Der erste Observator, den die Hamburger Sternwarte anstellte, war C.A.F. Peters. Über ihn existiert ein längerer Abschnitt im Lexikon. Laut Meyers Konversationslexikon beginnt Peters' astronomische Karriere jedoch erst 1826 als Beobachter an der Altonaer Sternwarte, die Zeit in Hamburg fehlt.

Ganz anders bei der Altonaer Sternwarte:

Das Leben Heinrich Christian Schumachers, des Gründers der Sternwarte, ist gründlich abgehandelt. Bei allen Observatoren, die in Altona gearbeitet haben, wird auch ihre Assistenzzeit penibel vermerkt: A.C. Petersen, Thomas Clausen, Andreas Hansen, alle haben mehr oder weniger längere Artikel bekommen.

Anders die Situation im Brockhaus von 1864: Über J.G. Repsold existiert ein längerer Abschnitt, Christian Carl Ludwig Rümker ist als Direktor der Hamburger Sternwarte im Abschnitt „Hamburg" erwähnt und C.A.F. Peters Karriere beginnt im Brockhaus an der Hamburger Sternwarte. Dafür fehlen hier nun die Abschnitte A.C. Petersen und T. Clausen. Schumacher, Hansen und die Altonaer Sternwarte sind allerdings verzeichnet.

Was also hatte Meyers Konversations Lexikon von 1875 gegen die Hamburger Sternwarte?