Die Hamburger Sternwarte am Millerntor
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Die Gründungsphase der Hamburger Sternwarte schleppte sich sehr langsam dahin und es dauerte über 10 Jahre bis die Sternwarte am 6. Dezember 1833 zum Staatsinstitut erklärt wurde.
In den allerersten Jahren leitete J.G. Repsold den astronomischen Flügel. Auch die Navigationsschule hatte frühzeitig ihren Betrieb im Ostflügel aufgenommen. Deren Leiter war der bisherige Direktor Daniel Braubach, der noch im unfertigen Gebäude mit wöchentlichen Übungen für Steuerleute begann. Doch am 31. Januar 1828 starb Braubach, und die Navigationsschule stand ohne Direktor da.
Nachdem Johann Georg Repsold am 14. Januar 1830 ums Leben gekommen war, kam erneut der Gedanke auf, die Leitung der Sternwarte und der Navigationsschule in einer Person zu vereinigen. Auf Empfehlung Schumachers, Woltmans und Repsolds erinnerte man sich an Charles Rümker, der für beide Fächer die ideale Wahl war.
Am 7. Juni 1830 beriet der Senat die Lage der Sternwarte und beschloß auf Vorschlags des Syndikusses Sieveking die Repsoldschen Instrumente für 15 - 16.000 Mark Crt. anzukaufen - auf Ratenbasis. Charles Rümker erhielt interimistisch die Direktorenstelle der Sternwarte.
Anfang 1831 begann Rümker die Arbeit an der neuen Hamburger Sternwarte. Ende 1831, als der Kollege vom Navigationsschulenflügel der Sternwarte, J.S. Mertz, demoralisiert durch Rümkers eigenwillige Persönlichkeit und dessen Fäuste den Dienst quittiert hatte, wurde Rümker alleiniger Direktor beider Sternwartenhälften. Der Senat hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch immer keine Entscheidung über die Finanzierung des Instituts getroffen, so daß der Ankauf der Repsoldschen Instrumente noch nicht vorgenommen worden war. Rümkers Anstellung blieb provisorisch.

1833 hatte der Verein der nach Archangel handelnden Kaufleute" ein Einsehen und spendete der Sternwarte mehr als 32.000 Mark Crt.. Der Verein gab nicht nur die für den Instrumentenkauf nötigen Mittel (11.821 Mark Crt.) sondern gab weitere 7.000 Mark Crt. zur Vervollständigung der Ausstattung und legte 12.700 Mark Crt. so an, daß aus den Zinsen die laufenden Unkosten der Sternwarte getätigt werden konnten.
Durch diese Gelder kam nun auch der Senat in Bewegung. Am 24. Juli 1833 stimmte der Senat dem Referat Sievekings zu:
| Danach trage der E.E.Rath keine Bedenken mehr, darauf anzutragen, daß die Benutzung dieser Anstalt sowohl für die Erweiterung als Überlieferung astronomischer Wissenschaften durch ein angemessenes Honorar in derselben Weise, wie bei dem botanischen Garten dem Scholarchat untergeordnet werde." |
Am 31. Oktober 1833 beschloß dann endlich auch die Erbgesessene Bürgerschaft" auf Antrag des Senats, die Hamburger Sternwarte als Staatsinstitut zu übernehmen.
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Hamburger Sternwarte
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Berlin
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Göttingen
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Gotha
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Königsberg
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Am 6. Dezember 1833, am Tag der offiziellen Einweihung, wurden Rümker als Direktor mit einer Zulage von 1000 Mark Crt. und Christian August Friedrich Peters, als Assistent mit einem Gehalt von 1000 Mark Crt., beide bei freier Wohnung, angestellt. Drei Tage später wurde die Sternwarte dem Scholarchat, einer Vorform der Oberschulbehörde, unterstellt.Die gesamte Stadt bedachte das neue Observatorium mit Wohlwollen. In einer zeitgenössischen Beschreibung der Stadt heißt es:
| Jünglinge, die, ohne sich gerade der Schiffahrt zu widmen, den Beruf fühlen, die heiligste, tiefste aller Wissenschaften, die Sternenkunde, zu erlernen, würden dort die trefflichste Gelegenheit finden, und es ist zu bedauern, daß diese Sternwarte mit unserem Gymnasium und Johanneum nicht in näherer Verbindung steht. |
Für Charles Rümker begann nun eine arbeitsreiche Beobachtertätigkeit. Der Fraunhofersche Refraktor war mittlerweile parallaktisch aufgestellt, und er beobachtete damit alle mit der Lichtstärke dieses Instrumentes erreichbaren Kometen und Kleinplaneten sowie eine Reihe von Sternbedeckungen und Finsternisse.
Mit dem Geld des kaufmännischen Vereins wurde überdies ein neuer Meridiankreis bei Adolf & Georg Repsold, wie die weitergeführte Firma J.G. Repsolds nun hieß, bestellt. 1835 wurde das Instrument in der Sternwarte aufgestellt. Dieser Meridiankreis, der mit einem vierzölligen Fraunhoferschen Objektiv von 1,62 m Brennweite ausgestattet war, wurde sofort nach der Aufstellung ausführlich in den Astronomischen Nachrichten beschrieben.

Rümker begann mit diesem Instrument neben der Beobachtung von Mondkulminationen und Planeten mehr als 60.000 Positionen meist schwächerer Sterne zu messen. Sein Hauptwerk bestand in der Erstellung seines Sternkataloges Mittlere Örter von 12.000 Fixsternen für den Anfang 1836, abgeleitet aus Beobachtungen auf der Hamburger Sternwarte".
Im Jahr 1854 wurde ihm von der Royal Society in London für diese Arbeit die Goldmedaille verliehen. Der Präsident der Gesellschaft, Sir George Airy, wird wie folgt mit einer Grußadresse zitiert:
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Ich selber habe die Hamburger Sternwarte besucht und mir die Instrumente angesehen, die für diese Arbeiten verwandt wurden, und ich habe ihn gefragt Wie kommt es, daß sie mit solch unbedeutenden Instrumenten so viel mehr haben sehen können als andere, die so viel besser ausgerüstet sind ?" Die Antwort war einfach - Energie, Sorgfalt, Geduld. - Hierin besteht, wie ich glaube, das gesamte Geheimnis." Wäre dieser Katalog von einer Sternwarte ausgegangen, deren Personal mit keiner anderen Aufgabe betraut ist, so würden wir diese als hochgradig verdienstvolle Arbeit gewürdigt haben. Was sollen wir aber nun unter diesen Bedingungen, wie diese Arbeit uns erreicht hat, tun? Sie ist erschienen als freiwillige Arbeit eines einzigen Mannes, der sich auch bei allen Verbindungen zur Hamburger Sternwarte zuschreiben kann, daß er der Welt nicht den hundertsten Teil der Arbeit schuldet, die diese gekostet hat. Es ist die Frucht der Beobachtungen in den Nachtwachen und den Berechnungen in den Mußestunden des Tages, dessen Kräfte, dem gewöhnlichen Anschein nach, bereits durch eine anderweitige drückende öffentliche Stellung aufs Äußerste angestrengt und erschöpft sein mußten. Wohl sind wir berechtigt dieses Werk als ein denkwürdiges Beispiel freiwilliger Arbeit anzusehen, unter erschwerten Bedingungen begonnen, nicht um damit in der Öffentlichkeit zu glänzen, sondern um die Wissenschaft zu fördern und lediglich zu diesem Zweck geschickt und beharrlich ausgeführt." |
Auch wenn ihm bei den (handschriftlichen!) Berechnungen der Positionen seine beiden Assistenten Weyer und Funk halfen, muß sich Rümker übermäßig in die Arbeit geworfen haben, denn neben den astronomischen Tätigkeiten galt sein Interesse auch der Navigationsschule. Im Vorwort des Sternkatalogs bemerkt Schumacher:
| Es war, da die Geschäfte an der Navigations-Schule, die unter Herrn Rümker eine früher nicht gekannte Frequenz erhalten hat, fast den ganzen Tag wegnehmen, und da noch dazu mein verehrter Freund jede heitere Nacht zu Beobachtungen verwendet, nicht möglich, daß er selbst alle zu dem Catalog nöthigen Rechnungen machen konnte." |
Und in der Tat war das Wirken Rümkers an der Navigationsschule ebenso erfolgreich, wie das an der Sternwarte. Meldeten sich bei seiner Amtsübernahme 1831 nur 60 Schüler, so waren es 1857 bereits über 250. Sein Sohn Georg Rümker schrieb später in einem Nachwort:
| Er besaß aber auch in seltenem Grade die Kunst des Unterrichtens. Selbst den ungebildetsten, ohne alle Vorkenntnisse die Schule betretenden Seemann verstand er, binnen oft überraschend kurzer Frist, durch die Anschaulichkeit seiner Methoden, durch das ihm eigenthümlich zarte, das Selbstgefühl des Mannes schonende, geduldige und Zutrauen erweckende Wesen, vor Allem aber durch ihm ganz eigene Gabe, sich in die Vorstellungsweise eines jeden seiner Zöglinge zu versetzen, dahin zu bringen, daß er sein Steuermanns-Examen mit Ehren bestehen konnte." |
Der unermüdlicher Arbeitseifer wirkte sich zunehmend auf Rümkers Gesundheit aus. Wiederholte schwere Krankheiten und immer heftigere Asthmaanfälle setzten seiner Kondition stark zu. Im März 1854 stürzte er bei einem Schwächeanfall von der Beobachtungsleiter, wobei er sich ein Hüftgelenk stark beschädigte. Die Folgen dieses Sturzes hat er nie wieder richtig überwinden können, so daß er 1857 in den Ruhestand trat und die Leitung der Sternwarte seinem Sohn übergab.
Das typische Hamburger Schmuddelwetter setzte seiner Kondition mit zunehmenden Alter verstärkt zu. Auf Anregung eines Arztes, aus eigener Einsicht oder aus Flucht vor den bevorstehenden Veränderungen an der Sternwarte, auf die er nun keinen Einfluß mehr haben würde, zog Charles Rümker begleitet von seiner Frau zur besseren Genesung nach Lissabon, einer Stadt, die er von seinen früheren Weltreisen her kannte. Fünf Jahre später starb er am 21. Dezember 1862 in Lissabon.

Charles Rümkers Arbeitszimmer blieb unter George
Rümker unverändert.
Über dem Arbeitsplatz hing eine ausgestopfte Möwe, die ihn sicherlich
an Zeiten
als Schiffsoffizier und die Überfahrten nach Australien erinnerten.