Ein kriegswichtiges Institut
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Die Sternwarte beteiligte sich in den Jahren 1939 bis 1945 aktiv an militärischen Aufgaben. Dies geschah einerseits deshalb, weil die Hamburger Sternwarte mit ihrem modernen Beobachtungsinstrumentarium und den Rechenkapazitäten wichtige Aufgaben schnell übernehmen konnte und es geschah auch deshalb, weil es der Sternwartenleitung die Möglichkeit verschaffte, viele Kollegen "uk" unabkömmlich stellen zu lassen und sie vor dem Kriegseinsatz zu bewahren.
Am 4.9.1939 stellte die Hansische Universität Hamburg ihren Lehr- und Forschungsbetrieb für die Dauer des Kriegseinsatzes" ein. Auf der Sternwarte wurden die Horizontalspiegelanlage, der Doppelreflektor und das 36 cm-Schmidtteleskop abmontiert und in Kisten verpackt in die Kellerräume transportiert. Der 1 m-Spiegel bekam eine Schutzschicht aus leeren Kisten. Doch der Astrograph, der Lippert, der Refraktor und die Meridiankreise und Passageinstrumente arbeiteten weiter - auf Hochtouren. Denn die Kriegsmarine und die Luftwaffe benötigten Stern- und Planetenpositionen für die Navigation und natürlich eine exakte Zeitbestimmung.
Zitat aus einem Urlaubsgesuch für Hans Kox vom November 1941, gestellt von Heckmann:
| Die Hamburger Sternwarte ist an mehreren kriegswichtigen Arbeiten, darunter an einer kriegsentscheidenden, beteiligt. Die letztere, mit der Dringlichkeit SS eingestuft, bezieht sich auf Rechnungen für das RLM, die die Grundlage für Langstreckenflüge der Luftwaffe liefern." |
Extra leistungsfähige Rechenmaschinen waren deshalb angeschafft worden, damit für die hellen Sterne die aktuellen Koordinaten berechnet werden konnten. Für Görings Bomberflotte wurden die Daten sogar bis 1960 im voraus erstellt. Die Nazis hatten sich auf einen langen Krieg eingestellt. Im Wesentlichen wurden jedoch Daten für die "Operation Seelöwe", die Angriffspläne Hitlers auf England im Jahr 1940 berechnet. Daraus wurde nichts. Anschließend berechnete man Navigationsdaten für 1941, dem Angriff auf die Sowjetunion.
Auch aerodynamische Rechnungen für den Flugzeugbau wurden an der Sternwarte durchgeführt und im Sonnenbau der Sternwarte wurde die Sonnenfleckentätigkeit zur Voraussage zu befürchtender Störungen der Kurzwellen-Übertragungen verstärkt überwacht.
Zweimal erhielt die Bergedorfer Sternwarte Zuwachs durch militärisch eingesetzte Instrumente. 1937 war ein kleiner Meridiankreis von 123 mm Öffnung und 1,50 m Brennweite vom Wilhelmshavener Marineobservatorium nach Bergedorf verlegt worden. Das Instrument wurde gründlich überholt und dann in der Hütte des Passageinstruments aufgestellt. Für das Passageinstrument wurde eine neue kleine Hütte auf dem Nordgelände der Sternwarte errichtet. Dieser neue kleine Meridiankreis stammte übrigens ebenfalls aus den Repsoldschen Werkstätten und war dort 1875 hergestellt worden. 1954 wurde es dem Institut für Angewandte Geodäsie in Frankfurt überlassen.
1945, beim Herannahen der Roten Armee, wurde das Marineobservatorium in Greifswald geschlossen und nach Bergedorf ausgelagert. In den Räumen des Lippert-Astrographen und in Dachräumen des Hauptgebäudes war für das Greifswalder Personal schon Platz gemacht worden, doch zum Umzug kam es nicht mehr. Nur der Meridiankreis wurde, in Ölpapier verpackt, in den Keller gelegt.
In den Kriegsjahren blieb auch Bernhard Schmidts Wunderspiegel nicht verschont.
Das Militär forderte ihn an und setzte ihn an der Kanalküste und in
Swinemünde ein.
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