Die Wachhundkrise

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Die Sternwarte besaß immer einen oder mehrere Wachhunde, die tags an der Kette lagen und nachts frei mit den Nachtwächtern liefen. Ab 1909 gab es zunächst zwei Hunde, 1911 wurde ein weiterer Hund auf Probe angeschafft. Dieses Tier war der einzige Fehlgriff, denn entgegen den Beteuerungen des Vorbesitzers: „Der Hund faßt zwar nicht an, meldet aber alles", wurde der Hund nach 4 Wochen zurückgegeben mit einer Notiz von Schorr: „Erstes richtig, zweites falsch".

In den Mangelzeiten des Ersten Weltkrieges sind drei Hunde eingegangen, da sich die Futterbeschaffung als unmöglich herausstellte. Eine ähnliche Entwicklung mußten die Wachhunde dann auch im 2. Weltkrieg durchmachen.

1937 erging von der „Kultur- und Hochschulbehörde" ein Verbot, Reis an Hunde zu verfüttern und die Sternwarte sah sich im September 1937 genötigt, bei der Behörde nachzufragen, womit sie denn nun die Hunde ernähren sollte. Nach über zwei Wochen lag immer noch keine Antwort vor und die Sternwarte mahnte die Antwort an. 4 Tage später antwortete die Hochschulbehörde, daß sie keine Ahnung hätte, woher das Futter zu beschaffen sei, aber das nahe „Waldheim", das 80 bis 85 Personen beherbergte, oder die Kasernen müßten doch genügend Reste als Futter anbieten können.

Das „Waldheim" meldete Schorr, war bereits anderweitig gebunden und könne nichts abgeben. Schorr bat nun die Hochschulbehörde um Nachricht, wie das mit den Kasernen klappen sollte und erhielt, mittlerweile Mitte November, die
Antwort sich an die Heeresstandortverwaltung zu wenden, die zunächst die Zuständigkeit nach Wentorf weiterleitete. Von dort kam ebenfalls der Bescheid, man sei anderweitig gebunden.

Eine erneute Nachfrage beim „Waldheim" hatte die entmutigende Antwort zur Folge, selbst der eigene Hund hätte es schwer und außer Kartoffelschale würden alle Reste wieder verwendet.

Entnervt wandte sich Schorr wieder an die Hochschulbehörde, die Ende November mitteilte, daß zum 31. März des nächsten Jahres neue Verträge mit dem Bergedorfer Krankenhaus regelbar seien, und ergänzte aus Mangel an weiteren Ideen: „Bis dahin muß es der Sternwarte selbst überlassen bleiben, um das notwendige Futter bemüht zu sein".

Am 30. Dezember sagte das Krankenhaus vorzeitig zu und verlangte ab dem 1. April einen Hundeverpflegungssatz von 40 Pfennigen pro Tag, den die Sternwarte als Extraposten Anfang Januar genehmigt bekam.

Im April werden die Hunde dann ordentlich reingehauen haben - nach über einem halben Jahr Fasten...

Die Tiere haben die weiteren Kriegsjahre gut überstanden. In der Nachkriegszeit waren die Bedingungen auf der Sternwarte jedoch zu hart geworden, so daß der letzte Hund 1946 wegen Futtermangel „abgeschafft" wurde, d.h. er wurde ins Tierheim in der Süderstraße gebracht - die Hundemarke liegt noch heute in den Akten im Hamburger Staatsarchiv.


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