Entnazifiziert

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Danach ging es so weiter, wie es überall in Deutschland weiter ging: Keiner hat ernsthaft etwas gewußt. Alle waren zum Parteieintritt gezwungen worden, jeder hatte irgendwann doch einmal irgendwem geholfen und war eigentlich so ein ganz kleines bißchen im Widerstand gewesen. Selbst Bruno Thüring gab an, er habe sich „gegen die geistigen Güter des Dritten Reiches" betätigt.

Kaum war der Krieg vorbei, da entnazifizierte sich so mancher ehemalige Parteigenosse der Sternwarte umgehend: „Der Eintritt in die Partei erfolgte auf Grund einer an die Staatsangestellten gerichteten Aufforderung." sagte Wachmann und wußte noch mehr, Siedentopf und Vogt, ja, das wären die eigentlichen Nazis.

Heckmann erhielt von Carl-Friedrich von Weizsäcker, mit dem zusammen er während der "Münchner Religionsgesprächen" den Nazis im Bezug auf Relativitäts- und Quantentheorie das Fürchten lehrte, ein Entnazifizierungsgutachten. Jenem Weizsäcker aber auch der mit Heisenberg an der deutschen Atombombe bastelte.

Ich fragte Adriaan Blaauw, dem Nachfolger Heckmanns bei der Europäischen Südsternwarte, die sich nach dem Krieg gründete, ob sich denn niemand für Heckmanns NS-Vergangenheit interessiert hätte. Nein, es hätte wohl niemand interessiert. Man habe Heckmann lediglich für einen guten Katholiken gehalten.


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