Gleichgeschaltet
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Auch die Sternwarte blieb nicht von der Diktatur des Nationalsozialismus verschont, wenn auch nicht mit den erschütternden Folgen, wie manche andere Institutionen heimgesucht worden sind.
Die ersten Auswirkungen gab es bereits kurz nach der Machtergreifung der Nazis durch die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", vom 7. April 1933 und durch das Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" vom 1. Dezember 1933 (Gleichschaltungsgesetz).
An der Hamburger Universität durchforsteten sofort die freiwillig zum Nationalsozialismus übergelaufenen Professoren und Studentenschaften die Fakultäten, wie weit die Dozenten und Professoren für eine politische, d.h. nationalsozialistisch auszurichtende Hochschule tragbar seien". 74 Professoren und Privatdozenten erhielten 1933 postwendend mit der Gleichschaltung" ihre Entlassungspapiere. Weitere Lehrstühle wurden geräumt, als im Januar 1935 die Entpflichtung
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AG-Versammlung 1937 in Breslau. Unten
Mitte: Richard Schorr
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der Lehrtätigkeit mit dem 65. Lebensjahr zum Zwang wurde. Je mehr Plätze frei wurden desto besser für die Nazis, denn das schaffte Platz für die eigene Gefolgschaft. Die Verfolgung von jüdischen Mitbürgern oder politisch Andersdenkenden wurde natürlich auch an der Hamburger Universität betrieben, folglich auch mit Anweisungen an die Sternwarte. Am 2. Februar 1937 wurde ein Formblatt an alle Dienststellen" verteilt, auf denen bis spätestens 25. März 1938 der vollständige Nachweis der arischen Abstammung einschließlich des Ehepartners vorzulegen war. Niemand, der die notwendigen Unterlagen nicht beibringen konnte, durfte weiter beschäftigt werden. Manche Scheuerfrauen mußten acht Urkunden vorlegen, um weiter die Böden wischen zu dürfen.
Gleichzeitig wurde von allen Beschäftigten eine Erklärung verlangt, daß sie sich nicht in einer kommunistischen Partei betätigt hatten. Nach einer Verfügung von 1933 mußten solche Personen sofort entlassen werden. In all den auffindbaren Unterlagen der Sternwarte findet sich bislang jedoch kein Fall, der diesen Repressionen unterworfen gewesen wäre. Im Gegenteil: Eleonora Grünwald, deren väterliche Linie jüdisch war, ist noch im September 1944 an der Sternwarte als Hilfsrechnerin eingestellt worden - unter bewußter Kenntnisnahme, jedoch ohne Weiterleitung ihrer Daten durch Otto Heckmann, der damals Direktor der Sternwarte war.
Anders als ihr erging es manchen Personen aus dem Physikalischen Staatslabor. Hier ist besonders Rudolf Minkowski zu erwähnen.
Erst viel später, 1992, bekannte sich der akademische Senat der Universität Hamburg zu seiner unrühmlichen Vergangenheit:
| Die Universität Hamburg hat im Jahr 1933 nichts getan, um dem Nationalsozialismus Einhalt zu gebieten. Sie hat schweigend hingenommen, daß Menschen verfolgt und schließlich systematisch vernichtet wurden." |
Auch Schorr, der am 20. August 1934 seinen 67. Geburtstag feierte, gehörte zu den vorzeitig emeritierten Professoren - doch gegen Ende seiner über 40-jährigen Sternwartentätigkeit wurde auch er in das Herrschaftsgefüge der Nazis einbezogen.
Gehörte Schorr bei der Universitätsgründung 1919 noch zu den Unterzeichnern gegen staatliche Vormundschaft, ausgedrückt im damaligen Hochschulgesetz, so war nun 1933 kein Widerspruch mehr zu vernehmen und Schorr wurde im Juli 1933 sogar zum ersten Dekan der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät bestimmt. Im Juli 1934 gab er diesen Posten an den neuberufenen Professor für Zoologie, Berthold Klatt, ab. Er behielt dennoch die interimistischen Leitung der Sternwarte.
Gleichwohl war Schorr kein Mitglied der NSDAP und kein Anhänger der Deutschen Physik". Diese vom Nationalsozialismus beseelte Wissenschaftsideologie hatte in den Jahren des Dritten Reiches ihr Unwesen in den Köpfen so mancher Physiker, aber auch anderer Naturwissenschaftler getrieben. Die Hamburger Sternwarte ist (zumindest was sich heute recherchieren läßt) von aktiven Deutschen Physikern" unter den Kollegen verschont geblieben, obwohl sie mit ihnen sehr stark zu tun bekam, wie die Berufungsverhandlungen um Otto Heckmann zeigen.
Lautstarke Gebärden, wie die von Parteiaktivisten waren in der Professorenschaft verpönt, und dennoch bewältigte der Lehrkörper seine wissenschaftlichen und ideologischen Aufgaben im Einklang mit der Parteiführung. Schorrs Kontakte mit den Nazis reichten von artigem Gehorsam bis zur Ausnutzung bei den Problemen, gegen die er immer schon einmal gerne vorgegangen wäre: z.B. gegen die Astrologen.
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