Maßnahmen gegen die Astrologie

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Schorr lehnte, wie nahezu jeder professionell arbeitende Astronom, die Arbeiten von Astrologen strikt ab. Phantasieprodukte, die von Astrologen überaus ernst als Wissenschaft bezeichnet wurden, waren Schorr zuwider. Auch heute findet sich kaum ein Astronom, der diesem esoterischen Zeitvertreib wohlwollend gegenübersteht.

Eine andere Sache ist jedoch, wie Schorr die „reinigenden Fluten des Nationalsozialismus" gegen die unbeliebten Astrologen anwendete.

Bereits im August 1933 schrieb Schorr als Vorsitzender des Ausschusses der Deutschen Astronomen an das Reichsministerium des Innern:

Die Deutschen Astronomen betrachten es als ihre nationale Pflicht, die Reichsregierung zu bitten, bei ihrem Vorgehen zur Säuberung des öffentlichen Lebens in Deutschland auch dem überall eingerissenen astrologischen Unfug Einhalt zu gebieten.

Täglich werden Tausende von Volksgenossen, besonders der minderbemittelten Schichten durch „Astrologen" beschwindelt und um ihr Geld gebracht...

Staatsanwalt und Polizei haben die Leihbüchereien und Zeitungsstände erfreulicherweise weitgehend von Schmutzschriften gesäubert; ebenso muß auch der astrologische Schund beseitigt werden.

Wir Deutsche Astronomen sind gern bereit, die staatlichen Behörden in diesem Kampf gegen den astrologischen Unfug in jeglicher Weise zu unterstützen."

Nach dieser Bezugnahme auf die Bücherverbrennung vom Mai 1933 hatte die Hamburger Sternwarte unter Schorrs Leitung diese Unterstützung dann auch massiv betrieben.
Wann immer ein Vortrag in Hamburg angekündigt wurde, der im entferntesten nach Astrologie roch, schickte Schorr zwei Spitzel unter die Zuhörer, die anschließend einen Bericht ablieferten, der von Schorr umgehend an die Gestapo weitergeleitet wurde.


Schorrs Gutachten für die Gestapo im Februar 1937

Opfer war beispielsweise Wilhelm Wulff. Zwischen 1910 und 1913 lernte dieser bei der Firma Hugo Krüss an der Adolphsbrücke wie man naturwissenschaftliche Geräte herstellte. Ab den Kriegsjahren des 1. Weltkriegs begann Wulff, sich ausschließlich seinen künstlerischen Neigungen zu widmen. Er schrieb sich an der Hochschule für bildende Künste ein und beschäftigte sich vornehmlich mit der Bildhauerei. In den 20er Jahren faszinierte ihn zunächst die Astronomie - er konstruierte beispielsweise eine astronomische Uhr. Während dieser Zeit kam Wulf mehr und mehr mit der Astrologie in Berührung. Seit 1922 schrieb er astrologische Aufsätze und veröffentlichte 1925 ein Buch über altindische Astrologie. 1937 versuchte er eine astrologische Schule zu gründen, mit dem Zweck, Vorbereitungskurse für die Verbandsprüfung der Astrologischen Zentralstelle in Düsseldorf durchzuführen. Der entsprechende Antrag landete in der Hamburger Sternwarte auf dem Schreibtisch des Direktors mit der Aufforderung um Stellungnahme. Im Gutachten schrieb Schorr:

Der Antrag des Herren Wulff bezweckt in Hamburg eine besondere Einrichtung zu schaffen, um sogenannte Diplom-Astrologen auszubilden und abzustempeln, also einen Aberglauben zu fördern und zu vertiefen, der im Interesse des gesamten Volkes unbedingt beseitigt werden soll."

Das Gutachten Schorrs war an die Gestapo adressiert.

Ähnlich wie Wulff erging es Karl Friedrich Schulze und Alfred Witte. Auch ihre Vorträge wurden aufmerksam beäugt:

Im Auftrag von Herrn Prof. Dr. Schorr haben wir auf Anregung der Geheimen Staatspolizei die Vorträge besucht, die Karl Friedrich Schulze am 27. und 28. November 1936 in Hamburg hielt..."

Was anschließend nach den Sternwartengutachten an die Gestapo aus Wilhelm Theodor Heinrich Wulff, aus Karl Friedrich Schulze, aus Peter Siegfried Georg Heinrich Zimmermann, aus Karl Christian Günther oder Alfred Witte geworden ist, ist in den spärlichen Dokumenten, die aus der Zeit des Dritten Reiches übrig geblieben sind, nicht mehr zu erfahren gewesen.

In den amtlichen Adressbüchern jedenfalls wurden sie danach nicht mehr geführt und Schlimmes ist zu vermuten. Ein Schreiben Schorrs an die Gestapo anläßlich der Bespitzelung Schulzes bekräftigt dies:

Es ergibt sich daraus, dass man die Machenschaften der Astrologen dauernd überwachen muss und nicht scharf genug gegen diese Volksschädlinge vorgehen kann."

 
   
   
   
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