Tycho Brahe

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1546 kam Tyge Brahe auf dem Landsitz Knudstrup seines Vaters in Schonen zur Welt. Ab dem siebten Jahr erhielt er Privatunterricht und wurde mit 13 zur Kopenhagener Universität geschickt, um Rhetorik und Philosophie zu studieren. Am 21. August 1560, als Tycho 14 Jahre alt war, fand eine Sonnenfinsternis statt, die den jungen Brahe derart faszinierte, daß er beschloß, sich fortan ausschließlich der Astronomie zu widmen. Ende November des gleichen Jahres kaufte er sich beide Bände des Ptolemäischen Almagest. Im folgenden Jahr wurde er nach Leipzig geschickt, um Jura zu studieren, doch heimlich begann er mit astronomischen Beobachtungen. Es folgte ein Besuch der Universität von Wittenberg sowie der von Rostock. Hier, in Rostock, geriet er mit seinem Landsmann Manderup Parsbjerg in einen Streit, aus dem sich ein Duell mit dem Degen erwuchs. Bei diesem Duell war Parsbjergs Klinge erfolgreich, und Brahe mußte einen Teil seiner Nase einbüßen. Als Ersatz ließ sich Tycho eine Prothese aus Gold und Silber machen und trug stets eine Schachtel mit klebriger Salbe mit sich, um die Nase hin und wieder neu zu befestigen.

Tycho Brahes Entdeckung eines "Nova Stella" (Stern I), die Supernova von 1572

Tycho Brahes weiterer astronomischer Werdegang wurde durch mehrere Ereignisse geprägt. Am 11. November 1572, als sich Tycho Brahe inzwischen wieder auf dem Gut seines Vaters aufhielt, entdeckte er im Sternbild der Cassiopeia einen neuen Stern, der nach dem Aufflammen bald stetig schwächer wurde. Brahe beobachtete hier die Endphase eines Sterns: eine Supernovaexplosion. An der Stelle der von Brahe entdeckten Supernovaexplosion kann man noch heute mit großen Teleskopen die Überreste als feine Gaswolken betrachten. Für die damalige Welt war dieses Ereignis eine Ungeheuerlichkeit, denn es erschütterte wieder einmal ein kirchliches Dogma: das der ewigen Unveränderlichkeit des Himmels.

Auf einer Reise nach Süddeutschland lernte Brahe das berühmte Observatorium des Landgrafen Wilhelm IV in Kassel kennen und gewann hier die Kenntnis der damals gebräuchlichsten und leistungsfähigsten Meßgeräte der Astronomie. Später, zurück in Dänemark, stellte ihm König Friedrich II, ein ihm wohlgesinnter Förderer der Wissenschaft, die kleine Insel Hven zur Verfügung und finanzierte ein ausladendes Observatorium mit vielen Plattformen zur Aufstellung von Instrumenten. Es erhielt den Namen „Uraniborg". Wenige Jahre später entstand, nur knapp 30 m entfernt trotz der Größe von Uraniborg, aus Platzmangel das zweite Observatorium: Stjerneborg.

 
Uraniborg
Stjerneborg

Nahezu 20 Jahre konnte Brahe von hier aus unzählige Stern- und Planetenbeobachtungen durchführen. Brahes Positionsangaben waren für damalige Verhältnisse erstaunlich genau. Sie wiesen einen Fehler auf, der im Bereich von 3 bis 5 Bogenminuten lag (der Sextant soll 1/20 Grad genaue Ablesungen ermöglicht haben). Dies ist um so bemerkenswerter, als zu jener Zeit die Sterne lediglich über Diopter (Kimme und Korn) anvisiert werden konnten, denn Fernrohre gab es erst ab 1610.

 

Einen Hinweis auf einen anderen interessanten Stern erhielt Tycho 1596 von David Fabricius aus Esens an der Wesermündung. Fabricius hatte beobachtet, daß dieser Stern wiederholt mit großen Zeitabständen hell aufleuchtete und wieder verlosch. Dieser Stern, Mira genannt, wurde zunächst von Tycho Brahe, dann ca. 40 Jahre später von Joachim Jungius in Hamburg weiter beobachtet.

1588 starb Friedrich II. Sein Nachfolger, der junge König Christian IV, konnte sich nicht für den pedantischen und oft jähzornigen Brahe begeistern. Brahe, der auf seiner Insel als despotischer Lehnsherr gefürchtet war und ein strenges Regiment führte, stellte am 15. März 1597 seine Beobachtungen ein, seitdem er bei Hof nicht mehr besonders geschätzt war. 1588 war ihm bereits seine Pension drastisch beschnitten worden. Verärgert packte Tycho Brahe seine Instrumente, die Bücher und die Druckerpresse in Kisten und reiste nach Rostock. Die dort ausbrechende Pest vertrieb ihn jedoch schon bald. Er nahm eine Einladung des Holsteinischen Grafen Heinrich Rantzaus an und zog im Oktober 1597 auf dessen Schloss Wandsbek (Wandisburgi genannt) ein.

Zu Rantzaus Ehren dichtete Brahe:

 
„Sei mir gegrüßt, Heinrich, aus Rantzauischem Geschlecht,
der Du Urania, die Muse der Astronomie, gastfreundlich aufnahmst,
Hier, wo in der Nähe des mauerumgrünten Hamburg
sich die neue Wandesburg auch mit hohen Häusern erhebt,
die sich der edle Herr erbaute,
als er 40 Jahre seines Lebens vollendet hatte.
Gott, du weiser Lenker des gestirnetragenden Olymp,
gib, daß uns dieses Vorteils und Ortes nutzbringend erfreuen,
damit die Wunder, die so lange im Himmelsglanz versteckt waren,
aller Welt bekannt werden.
Rantzau, solange Dir der Himmel deine Gestirne schützt,
wird der gute Ruf Deiner Gastfreundschaft andauern.
Im Jahre des Herrn 1597."

Auf dem Schloß traf Brahe Ludwig Frobenius aus dem Würzburger Raum, der bei den Rantzaus eine Anstellung bekommen hatte. Beide waren sich schon früher begegnet, u.a. bei einem Besuch Frobenius' auf Hven. Frobenius, ebenfalls astronomisch interessiert, hatte sich mit der Kunst des Buchdruckens vertraut gemacht, und Brahe nutzte die Gelegenheit, mit Frobenius' Hilfe einen Teil seiner Werke zu veröffentlichen. Frobenius wurde später ein angesehener Hamburger Buchdrucker. Mehrere astronomische Werke sind von Frobenius verfaßt und veröffentlicht worden, darunter zwei Berechnungen von Mondfinsternissen: vom 8. Dezember 1592 und vom 4. Mai 1612.

Tycho Brahe brachte viele seiner Beobachtungen und Instrumentenbeschreibungen zu Papier. Das erste dieser Werke, das berühmte Buch „Mechanica", das eine Beschreibung seiner Instrumente auf Hven enthält, ist in Wandsbek erschienen.

Mit den Instrumenten, die Brahe im Turm des Schlosses aufstellte (anfangs nur die kleinen, später auch die größeren Quadranten) beobachtete Brahe einerseits fehlende Sternpositionen, andererseits im verstärkten Maße Plantenpositionen, um so brauchbare Bahndaten zu gewinnen. Eine Sonnenfinsternis am 25. Februar 1598 konnte von Wandsbek aus aber nur teilweise durch die Wolken beobachtet werden.

Rantzau hatte sich für Brahe auch dahingehend eingesetzt, einen dauerhaften Aufenthalt für ihn und seine Instrumente zu finden. In Prag wurde er fündig. 1598 erhielt Brahe die Nachricht, daß der Kaiser Rudolph II ihn an den Hof von Prag berufen hatte. Zu seinem Ärger war dort bereits einer seiner ärgsten Widersacher, Reimarus Ursus, zum Hofmathematiker ernannt worden.

Am 14. September 1598 verließ Brahe Wandsbek, gefolgt von seinen Söhnen und seinen Studenten. Seine Instrumente, von denen er jedoch wieder nur die kleinen mitnehmen konnte, wurden erneut in Kisten verpackt. In Prag angekommen schickte er seinen Sohn nach Dänemark, um die letzten drei großen Instrumente abzubauen und nach Prag zu schicken. Der Versand brauchte allerdings eine Ewigkeit. Das Schneckentempo wurde stark durch die schlampige Abfertigung in Hamburg verursacht. Von Januar 1600, als die Instrumente Lübeck auf dem Seeweg erreicht hatten, brauchte der Transport bis April, um nach Hamburg zu gelangen. Aus Hamburg kam beim Versand der Braheschen Geräte nur mäßiges Entgegenkommen, besser gesagt, der Versand wurde bewußt verschleppt. Da zudem Heinrich Rantzau am 1. Januar 1599 gestorben war, der den Versand der Geräte nach Prag hätte beschleunigen können, mußte der Kaiser persönlich einen Brief aus Prag an den Hamburger Rat schicken, damit die Instrumente nun endlich über die Elbe nach Prag verschifft wurden. Im September 1600 trafen die Gegenstände in Leitmeritz in Böhmen ein, und erst im November gelangten sie nach Prag.

In Prag berief Tycho Brahe Johann Kepler zu seinem Assistenten; Kepler nahm 1600 die Einladung nach Prag an.

Extern

 

Am 24. Oktober 1601 starb Brahe. Kepler übernahm dessen Stelle als kaiserlicher Mathematicus und Hofastronom und dank der präzisen Beobachtungsdaten Brahes war er in der Lage, die drei nach Kepler benannten Planetengesetze aufzustellen. Im Jahr 1609 veröffentlichte Kepler diese Erkenntnisse im Buch „Astronomia nova de motibus stellae martis observationibus Tychonis Brahe".

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