Reimarus Ursus - der Bär

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Die Zeit des beginnenden Wissenschaftsinteresses, in der das alte Weltbild verfiel und neue phantastische Gedanken diesen Platz mit vielen tiefgreifenden Folgen für die Philosophie, die Religion und natürlich die Naturwissenschaften einnahmen, gehörten auch heftige Streitigkeiten zum wissenschaftlichen Alltag und persönliche Anfeindungen waren unvermeidbar. Nicht nur in religiösen oder philosophischen Fragen, sondern zwangsläufig auch innerhalb der astrononomischen Wissenschaft gab es heftige Auseinandersetzungen mit tätlichen Angriffen.

Tycho Brahe war in mehrere solcher Dispute verwickelt. Sein jähzorniger Charakter und höfische Überheblichkeit prädestinierten ihn für solche Verwicklungen. Einer seiner ärgsten Kontrahenten war Reimarus Ursus, genannt "der Bär" erwähnt. Dieser stammte aus Henstedt in Dithmarschen, damals ebenfalls dänisch.

Reimarus war nicht wie Tycho Brahe mit höfischen Privilegien ausgestattet, sondern fühlte sich zeitlebens wie David, der dem großen „Goliath" (Brahe) mit entschlossenem Mut entgegentreten mußte.

Bis zum 18. Lebensjahr hütete Nicalaus Reymers Schweine und lernte dann Lesen und Schreiben und erwarb Kenntnisse der lateinischen und griechischen Sprache. Seine besondere Vorliebe waren Mathematik und Astronomie. Mit 29 Jahren war Reimarus Ursus auf einem Gut von Heinrich Rantzau als Landmesser angestellt. Von Rantzau erhielt er auch eine Förderung zur Veröffentlichung einer lateinischen Grammatik. Mit seinem vorgesetzten Dienstherren, dem dänischen Edelmann Erik Lange auf Engelholm in Jütland, besuchte Reimarus im Jahr 1584 Tycho Brahe auf dessen Sternwarte Uraniborg, wobei er offenbar das erste Mal heftig mit Brahe in Streit geriet. Dieses unerfreuliche Treffen hat alle späteren Beziehungen zwischen diesen beiden Männern nachhaltig beeinflußt.

Ein Jahr darauf, 1585, wurde Reimarus Ursus als Hauslehrer in Kassel angestellt, traf dort den Landgrafen Wilhelm IV und erhielt hier ebenso wie zuvor Brahe starke Impulse für eigene astronomische Ideen. Hier entwarf Reimarus ein eigenes Weltsystem, das das kopernikanische Weltbild aufnahm zugleich aber Teile des alten geozentrischen Weltbildes zuließ. 1588, als Reimarus in Straßburg beschäftigt war, trug er seine Theorien vor der städtischen Akademie vor, die ihm auch die Möglichkeit verschaffte, seine Ideen drucken zu lassen. Dieses Werk ermöglichte es ihm, 1591 eine Anstellung am Hof des Kaisers Rudolph II in Prag als kaiserlicher Mathematiker zu erhalten.

Mit der Veröffentlichung seines Planetenmodells brachte Reimarus jedoch Tycho Brahe endgültig gegen sich auf. War es Zufall oder Absicht: Reimarus Ursus' Weltbild war mit dem von Brahe nahezu identisch. Tycho Brahe beschuldigte deshalb Reimers lautstark, dieser habe ihm während des Besuchs auf Hven die Ideen für sein Weltsystem gestohlen. Standhaft verteidigte sich Reimarus Ursus, „Ich will ihm begegnen wie ein Bär".

In einer Schrift „Über astronomische Hypothesen" warf Reimarus nun seinerseits Brahes Freund Rothmann, der am Hof von Landgraf Wilhelm IV beschäftigt war, vor, für Brahe spioniertzu haben. Reimarus wollte sich nichts gefallen lassen und deutete in Gegenzug einige peinliche Vorgänge an, die während seines damaligen Besuchs auf Hven vorgefallen waren.

Da Tycho Brahe im Jahr 1600 ebenfalls an den kaiserlichen Hof in Prag berufen wurden ging der Streit nun richtig weiter. Tycho Brahe, der prominente und mächtige Gelehrte, erwirkte gegen den aufmüpfigen Hofmathematiker eine Verfügung, wonach Reimarus Ursus, der Bär, das gegen Brahe Geschriebene zu widerrufen hätte, die Schriften zu vernichten seien, und verlangte, dass sogar der Drucker zu bestrafen sei. Unter diesen Umständen mußte Reimarus Ursus aus Prag fliehen und die Professur verfiel. Am 15. 8. 1600 starb er (wahrscheinlich in Prag) und erlebte den Ausgang des Verfahrens mit Tycho Brahe nicht mehr. Gerüchte kursierten, wonach das Ende Reimarus Ursus' nicht ganz so natürlich erfolgt sei, wie es später dargestellt wurde, und daß Tycho Brahe seine Hand dabei im Spiel gehabt haben könnte. Spätere Chronisten kamen darüberhinaus zu dem Urteil, daß Reimarus Ursus schweres Unrecht geschehen sei und beide, er und Brahe, nahezu gleiche Weltsysteme unabhängig voneinander entwickelt hätten wenn auch die mathematische Logik der Modelle eindeutig für das Tycho Brahes spricht.

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Tycho Brahe