Balthasar Mentzer
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Am 30. April 1696 trat Balthasar Mentzer seinen neuen Dienst als Mathematikprofessor am Akademischen Gymnasium an. Wie schon viele andere, war auch er aufgrund der Vertreibung durch die Kirche nach Hamburg gekommen. Bereits sein Großvater (Balthasar I) war über theologische Streitigkeiten als Professor der Theologie in Marburg mehrmals mit kirchlichen Würdenträgern in Konflikt geraten.

Balthasar II war ebenfalls Theologe. Seinen Sohn Balthasar III hatte er in Gießen Mathematik studieren lassen und nahm ihn zu Studienzwecken auf längere Reisen z.B. nachStockholm und Kopenhagen mit. 1674 wurde Balthasar III. Professor für Mathematik in Gießen und 1681 dort Rektor. Im Jahr 1695 wurde er jedoch von seinem Amt abgesetzt und des Landes verwiesen, weil er einen Erlaß seines Fürsten gegen die Pietisten nicht unterschreiben wollte. An anderer Stelle hieß es, er sei entlassen worden, weil er der theologischen Fakultät mehrere Irrtümer vorgeworfen hätte. Da er gute Kontakte nach Norddeutschland besaß, erfuhr er, daß der bisherige Professor für Mathematik am Hamburger akademischen Gymnasium als Diakon an die Michaeliskirche gewechselt war. Mentzers Bewerbung hatte Erfolg und er wurde im September auf diese Professur gewählt. Er trat seinen Dienst am 30. April 1696 an und blieb bis zu seinem Tod am 8. März 1727 im Amt.

In Hamburg gab Balthasar Mentzer eine Vielzahl von Schriften heraus, die sein astronomisches Interesse belegen:

 
Deutliche Nachricht, wie der Mercurius vor der Sonne den 5. Maji, verbesserten Styli, dieses 1707. Jahres können gesehen werden. Und was dieser Aspect bedeute
Astronomischer Schattenriß u. genaue Beschreibung der am 22. April 1715 von denen fürtrefflichen königl. französischen u. engl. Mathematicis in u. vor London observirten remarquablen Sonnenfinsternis
Kurzer Entwurf des ungewöhnlichen im März A. 1716 gesehenen hellen Lichts
Beschreibung der Nordlichter von 1715 und 1721
Die von nicht wenigen curiosen Astronomis verlangte Nachricht der zwar selten zum Vorschein kommenden, dennoch a. 1690 den 10. Nov. u. 1697 den 3. Nov. zu Gießen u. zu Hamburg a. 1707 den 5. Mai, u. diesesmal den 9. Nov. 1723 zum vierten mahl wirklich observirten Conjunction des Mercurii u. der Sonnen.

Im Hamburgischen Correspondenten vom 20.2.1725 wurde im übrigen über Mentzers Vorliebe für die Meteorologie berichtet. Besonderes Interesse zeigte er für die sog. „Wettergläser", eine Kombination aus Barometer und Thermometer.

 
Balthasar Mentzers Wettergläser in einem Kupferstich des Hamburgischen Correspondenten,
20. Februar 1725