Reinhard W. Woltman

Navigation

Woltmans Vater war Landwirt im Herzogtum Bremen. So war es für Woltman mühsam, sich Wissen anzueignen. Es gelang ihm dennoch soviel Wissen zu sammeln, daß er in seinem Geburtsort Schullehrer wurde. Dann führte ihn ein glücklicher Umstand in das Amt Ritzebüttel, den Nothafen Hamburgs bei Cuxhafen. Seit 1725 unterhielt Hamburg dort eine Elbüberwachungsstation, die u.a. für die Instandsetzung der Seesignale und für den Schutz des sich häufig verändernden Elbufers zu sorgen hatte. Am 14. Mai 1779 erhielt Woltman eine Anstellung als Unteraufseher und Schreiber. Seine Vorgesetzten v. Grumkow und H. Zitting förderten Woltmans Wißbegierde so stark, daß er innerhalb eines Jahres zum Studium der Mathematik und des Wasserbaus ans akademische Gymnasium in Hamburg wechseln konnte. Mehrere Mitglieder der Admiralitätsdeputation, verantwortlich für die Elbschiffahrt, waren sehr von Woltmann eingenommen und unterstützten seine Studienabsichten unter der Bedingung, daß Woltman später im Hamburger Staatsdienst blieb. In Hamburg traf er zudem noch auf Johann Georg Büsch, der ihm kostenlosen Zutritt zu seinen Vorlesungen und zu seiner Bibliothek gestattete. Anschließend studierte Woltman ein Jahr lang in Kiel Deichbauwissenschaften. Als in Ritzebüttel Zitting aus dem Amt schied, bewarb er sich auf dessen Stelle und wurde am 25. April 1783 zum Adjunkten Gromkows gewählt. Er brauchte dort allerdings erst Ostern 1784 zu erscheinen, so daß er seine Studien abschließen konnte.

Bis 1810 blieb Woltman in Ritzebüttel und war praktisch, aber nicht offiziell, der Leiter der Stack- und Uferbauabteilung. Erst mit dem Ausscheiden Grumkows im Jahr 1803 wurde Woltman auch der offizielle Amtsinhaber.

Mit Grumkow hatte er schon seit 1790 kein gutes Verhältnis mehr und das Arbeiten im Ritzebütteler Amt war nicht einfach. Als die französische Besatzung über Hamburg hereinbrach, mußte Woltman nach Hamburg umziehen, da die französischen Behörden seine technische Hilfe anforderten.

Während seiner Zeit in Ritzebüttel hatte er sich einen kleinen Kreis von Schülern aufgebaut, denen er besonders die mathematischen Wissenschaften beibrachte. Einer seiner Schüler war ab 1788 Johann Georg Repsold, der ihm auch bei Vermessungsarbeiten zur Hand ging.

1815 übernahm Woltman das Amt des Direktors der Strom- und Uferwerke. Auf dieses Amt hatte sich auch Reinke Hoffnungen gemacht und durch die Berufung Woltmanns kühlte sich die Beziehung zwischen beiden schnell ab.

Von Woltmans astronomischen Arbeiten ist sein Buch „Handbuch der Schiffahrtskunde" (Hamburg 1819) das wichtigste, das ein Standardwerk für Seeleute wurde, denn zur Navigation gehörte auch die Kenntnis der astronomischen Positionsbestimmungsmethoden. Woltman blieb aber ein aktiver Förderer der Astronomie in Hamburg und wurde auch Dank seines neuen Postens eine der entscheidenden Autoritäten, die den Bau der Hamburger Sternwarte förderten. Er spielte später bei der Berufung Rümkers zum ersten Direktor eine zentrale Rolle.

home
zurück
   
 
   
J.G. Büsch
   
J.T. Reinke
   
J.G. Repsold
   
C. Rümker
   
H. Sternwarte