Johann Franz Encke

 

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Johann Franz Encke war einer der angesehensten Astronomen am Anfang des 19. Jahrhunderts. Er stammte aus Hamburg und wuchs hier auf. Während seiner Jugendzeit arbeitete er scheinbar kaum astronomisch, doch viele Hamburger Astronomen (Bode, Rümker, Schumacher, Hansen) haben später mit Encke zusammen gearbeitet.

Encke, am 23. September 1791 geboren, kam in den Vorzug, als Privatlehrer Carl Friedrich Hipp zu haben, dem Enckes Vater gerade zu einer eigenen Handelsschule verholfen hatte. Da die öffentlichen Schulen schlecht waren, nahmen viele wohlhabende Eltern einen Privatlehrer oder unterrichteten ihre Kinder selber. Encke erhielt von Hipp mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. 1795 erlitt Franz' Vater einen Schlaganfall, und der herbei geholte Arzt verordnete die Standard-Behandlung der damaligen Zeit: zur Ader lassen. Am nächsten Morgen war der Prediger Johann Michael Encke tot. Hipp, der sich ihm gegenüber verpflichtet fühlte, sogte nun dafür, daß Johann Franz eine umfassende Ausbildung erhielt. 1798 wurde Encke an Hipps Handelsschule aufgenommen, ab 1805 wechselte er zum Johanneum, wo Hipp die mathematische Lehrtätigkeit übernommen hatte. 1810, als Hamburg schon unter französischer Besatzung litt, beendete Encke das Johanneum und wechselte an das akademische Gymnasium, wo er bei vielen astronomisch interessierten Lehrer Vorlesungen hörte: Bei Hipp Mathematik, bei Reimarus Chemie und bei Ebeling Geschichte und Literatur. 1811, im Jahr des Abganges vom Gymnasium und nach dem Tod der Mutter verließ er Hamburg, denn sein Berufswunsch war es, Mathematiker und Astronom zu werden. Am 16. Oktober 1811 schrieb sich Franz Encke in Göttingen bei Gauß ein.

1813 zog Encke als Kanonier für Preußen in den Krieg. Ein Angebot, in Budapest die Leitung der Sternwarte zu übernehmen, wurde deshalb zurückgestellt. 1814 nahm Encke diese Stelle an, doch während er auf die ungarische Antwort wartete, kam im März 1815 Napoleon von seinem Exil auf Elba zurück, und der Kriegsspuk begann erneut. Im April 1815 wurde Encke an die Offiziersschule in Berlin beordert; im Herbst wurde er nach Thorn verlegt. Während seiner Ausbildung in Berlin hatte er Zeit, sich gelegentlich mit Bode zu treffen, dem Direktor der Berliner Sternwarte. Nach dem Friedensschluß war Encke 1816 erneut bei Gauß in Göttingen, wo für ihn ein zweites Angebot einging: eine Assistensstelle an der Gothaer Sternwarte auf dem Seeberg. Da aus Budapest immer noch keine definitive Zusage vorlag und der Seeberg zu den angesehensten europäischen Sternwarten der Zeit zählte, nahm Encke die Gothaer Stelle an.

Am 26. November 1818 entdeckte der französische Astronom Pons in Marseille einen Kometen. Encke beobachtete die Bahn dieses Kometen über drei Wochen lang und berechnete die Bahndaten. Er fand eine Umlaufszeit von lediglich 3.6 Jahren und erkannte, daß dieser Komet schon mehrfach vorher beobachtet worden war. Diese Entdeckung des Kometen, der nun „Encke'scher Komet" genannt wurde, war nach Bessel „die wichtigste wissenschaftliche Entdeckung des Jahrhunderts" - das Jahrhundert war allerdings erst 18 Jahre alt. Die akkuraten Bahndaten von Encke ermöglichten es Christian Carl Ludwig Rümker im Januar 1822, den Kometen von Australien aus wieder aufzufinden.

1822 wurde Encke Direktor der Seeberger Sternwarte, und als Bode 1825 seine Position als Direktor der Berliner Sternwarte niederlegte und sowohl Gauß als auch Bessel ablehnten, wurde Encke am 27. September 1825 zum neuen Direktor ernannt. Er konnte erreichen, daß für die Sternwarte am Stadtrand ein neues Gebäude mit ebenfalls neuen Instrumenten errichtet wurde. Auch das von Bode herausgegebene Jahrbuch, das längst nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entsprach, wurde grundlegend verändert. Die Fachaufsätze verschwanden, sie wurden fortan in Schumachers Astronomischen Nachrichten in Altona gedruckt, dafür wurde das Schwergewicht auf die Herausgabe genauer Ephemeriden und Hilfstabellen gelegt. Das Berliner Jahrbuch wurde dadurch zum Muster später erscheinender astronomischer und nautischer Almanache. Am 26. August 1865 starb Encke nach seinem dritten Schlaganfall. Bereits seit seinem ersten am 17. November 1859 hatte sich Encke aus allen Ämtern zurückgezogen.