Astronomische Gedichte

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Tycho Brahe

(1597)

„Sei mir gegrüßt, Heinrich, aus Rantzauischem Geschlecht,
der Du Urania, die Muse der Astronomie, gastfreundlich aufnahmst,
Hier, wo in der Nähe des mauerumgrünten Hamburg
sich die neue Wandesburg auch mit hohen Häusern erhebt,
die sich der edle Herr erbaute,
als er 40 Jahre seines Lebens vollendet hatte.
Gott, du weiser Lenker des gestirnetragenden Olymp,
gib, daß uns dieses Vorteils und Ortes nutzbringend erfreuen,
damit die Wunder, die so lange im Himmelsglanz versteckt waren,
aller Welt bekannt werden.
Rantzau, solange Dir der Himmel deine Gestirne schützt,
wird der gute Ruf Deiner Gastfreundschaft andauern.
Im Jahre des Herrn 1597."

Matthias Claudius

Der Mond ist aufgegangen

(1779)

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar;
der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
und in der Dämmrung Hülle
so traulich und so holt
als eine stille Kammer,
wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
sind eitel arme Sünder
und wissen gar nicht viel;
wir spinnen Luftgespinste
und suchen viele Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß dein Heil uns schauen,
auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
laß uns einfältig werden
und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen
aus dieser Welt uns nehmen
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen,
laß uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn, ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott, mit Strafen
und laß uns ruhig schlafen
und unsern kranken Nachbar auch.

 

Friedrich Gottlieb Klopstock

Die Gestirne

(1764)

„Der Welten erschuf, dort den Leun! Heißer ergießt
Sich sein Herz! Widder, und dich Kaprikorn, Pleionen,
Skorpion, und den Krebs. Steigender wägt sich dort
Den Begleiter. Mit dem Pfeil zielet, und blitzt

Der Schütze! Wie tönt, dreht er sich, Köcher und Pfeil!
Wie vereint leuchtet ihr, Zwilling', herab! Sie heben
Im Triumphe des Gangs freudig den Strahlenfuß!
Und der Fisch spielet, und bläst Ströme der Glut."

Die Welten

(1764)

Groß ist der Herr! und jede seiner Thaten,
Die wir kennen, ist groß!
Ozean der Welten, Sterne sind Tropfen des Ozeans!
Wir kennen dich nicht!

Wo beginn ich, und ach! wo end' ich
Des Ewigen Preis?
Welcher Donner giebt mir Stimme?
Gedanken welcher Engel?

Wer leitet mich hinauf
Zu den ewigen Hügeln?
Ich versink', ich versinke, geh unter
In deiner Welten Ozean!

Wie schön, und wie hehr war diese Sternennacht,
Eh ich des großen Gedankens Flug,
Eh ich es wagte, mich zu fragen:
Welche Thaten thäte dort oben der Herliche?

Mich, den Thoren! den Staub!
Ich fürchtet', als ich zu fragen begann,
Daß kommen würde, was gekommen ist.
Ich unterliege dem großen Gedanken!

Weniger kühn, hast, o Pilot,
Du gleiches Schicksal.
Trüb' an dem fernen Olymp
Sammeln sich Sturmwolken.

Jetzo ruht noch das Meer fürchterlich still.
Doch der Pilot weiß,
Welcher Sturm dort herdroht!
Und die eherne Brust bebt ihm,

Er stürzt an dem Maste
Bleich die Segel herab.
Ach! nun kräuselt sich
Das Meer, und der Sturm ist da!

Donnernder rauscht der Ozean als du, schwarzer Olymp!
Krachend stürzet der Mast!
Lautheulend zuckt der Sturm!
Singt Todtengesang!

Der Pilot kennet ihn. Immer steigender hebst, Woge, du dich!
Ach die letzte, letzte bist du! Das Schif geht unter!
Und den Todtengesang heult dumpf fort
Auf dem großen, immer offenem Grabe der Sturm!

 

Patriotische Denkschrift auf Johann Georg Repsold

Hamburg 1830

tadellos als Mensch,
trefflich als Mitbürger,
rühmlich bekannt als denkender Künstler,
wohlverdient als Ober-Sprützenmeister dieser Stadt.

Wie ist die Welt so arm mit ihren Schätzen,
Und das Verdienst, wie ist es dünn gesä't!
Kann sie uns Männer immerdar ersetzen,
Wie Repsold war, den ihr geschieden seht?
Sie kann es nicht; sie darbt, und wir vermissen
Viel an dem Mann, der schmerzlich uns entrissen.

 

Charles Rümker

16.April 1829 an Bord der Ellen:


The pacific Sea the Ellen ploughs
with foaming waves curling round her Bows.
whilst from aloft a sacred cross
sends blessings down on us
and with the centaurs pairs in heavens high
iluminates the starry sky

To us the South pole does not unfold
what his northern brother never can be told
Columba, Pavo and Canopus
Phoenix Aro & Circinus
around the antarctic pole
continually stroll
and never dip their heavenly fire
in oceans coast empire

But the Dioscures to us are hidden
where from Juno though forbidden
Thetis Callisto's foul disgrace
with chaste ocean waters does afface

Grounds I filled and sewed,
others reaped the same,
much toil and labour I bestowed,
to add to others fame
for love and friendship wood
and found them idle names
then in the arms receive a happ'less child
that from the world has been begnited

Arnold Schwassmann

Muttern Messow zum 29. März 1923


Weisst Du, wieviel Sternlein stehen
an dem blauen Himmelszelt,
Weisst Du, wieviel Zahlen gehen
Unterm Messow durch die Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet
Rümkern haben sie gefehlet
Ach in ganzer großer Zahl.

Wie in einer Möncheszelle
Schriebst Du einstig Zahl für Zahl.
Immer warest Du zur Stelle,
Niemals ward es Dir zur Qual.
Und so wuchsen Dir die Seiten
Wie in Mittelalter Zeiten
Ach in ganzer großer Zahl.

Durch die stille Sternenklause
ging es wie ein Odium
Daß in jeder Wolkenpause
Rümkers Geist geht schleichend um.
Messow hat ihn jetzt beschworen
Alles fühlt sich neu geboren
Dankt es ihm in grosser Zahl.