Der Zeitdienst
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Die Aufgabe der Sternwarte, eine präzise Zeit für die Hamburger zu bestimmen, weitete sich nach dem Ersten Weltkrieg rasch aus. Von der Sternwarte wurden mehrere Zeitzeichen-Anlagen betrieben und gesteuert:


Der Zeitball im Hafen auf den Resten des Kaiserkai-Speichers
(Foto aus den frühen fünfziger Jahren von Peter Wagner)

In der Regel wurden die Zeitzeichen in unveränderter Weise abgegeben. Die Zeitzentrale, die 1920 die neuen Betriebsräume im Neubau des Museums für Hamburgische Geschichte übernehmen konnte, lieferte durch die Kontakte an den ständig gewarteten Pendeluhren das Zeitsignal für Zeitbälle, Normaluhren und Lichtzeichenanlagen. Die Genauigkeit der gegebenen Zeiten lag bei einer Zehntel Sekunde. Die Zeitbälle fielen zweimal pro Tag, die Lichtzeichen blitzten täglich viermal auf.

Schon gleich mit dem Neubau der Sternwarte in Bergedorf tauchte der Wunsch vieler Uhr- und Chronometermacher auf, ein ständig abrufbares Zeitsignal über das Telefon zu erhalten. Die Sternwarte kam diesen Ansinnen zunächst dadurch nach, daß die anrufende Leitung per Umschalter auf eine Signaluhr gelegt werden konnte. Dieser Service wurde aber durch die häufige Benutzung bald zur Qual für den Telefondienst der Sternwarte. Manche Uhrmacher hatten sich sogar einen eigenen Nebenanschluß zur Sternwarte legen lassen, um ohne das Vermittlungsamt ständig auf das Zeitsignal zugreifen zu können. Kurz darauf wurde eine neue Zeitsignaleinrichtung unter der Telefonnummer "Alster 10.000" permanent eingerichtet. Anfangs wurde zu jeder vollen Minute ein fünf Sekunden dauernder Sirenenton abgegeben; alle fünf Minuten ließ man einen Wecker kurz ertönen. Dieses neue Telefonzeitzeichen wurde begeistert aufgenommen und manche Einrichtungen forderten gar eine Anbindung an das Fernsprechnetz bis hin ins Ausland. Diesen Andrang hätte die neue Anlage aber kaum bewältigt,außerdem gab es Probleme mit den Vermittlungsstellen, denn die auswärtigen Vermittlungsämter nahmen in den Pausenzeiten, wenn kein Wecker oder Ton zu vernehmen war an, der andere Teilnehmer sei nicht anwesend und stellten keine Verbindung her. So wurde dann eine weitere Änderung durch eine aufwendige Kontakt- und Schalteinrichtung installiert, die kurze Knacktöne alle zwei Sekunden erzeugte. Der Weckerton wurde gleichzeitig auf einminütige Intervalle abgeändert.


Im Zeitdienstzimmer der Sternwarte

Das Telefonzeitzeichen schien nun bestens zu funktionieren. Bald jedoch entdeckten die meist jugendlichen Angestellten der Uhrmacher, daß die Anrufer alle parallel auf die Zeitanlage geschaltet wurden und die Sprechmöglichkeit nach wie vor existierte. Bald verständigten sich die ersten mit Pfeif- und Ruftönen untereinander. Manche begannen sogar auf der Leitung zu singen. Das Telegraphenamt mußte schleunigst die Sprechmöglichkeit unterbinden, damit die Zeitsignale wieder verständlich wurden.

1937 kam die „Sprechende Uhr" (Hamburg 03) als Zeitansage unter „Hamburg 05" hinzu. Eine Pendeluhr im Hamburger Fernsprechamt wurde durch die Uhrenanlage der Sternwarte kontrolliert.


Schaltbrett der Uhrenanlage (1908) (Hamburger Sternwarte)

Je besser die Chronometer wurden und je mehr Zeitabgleichsmöglichkeiten zu jeder gewünschten Zeit bestanden, um so weniger wurde der aufwendige Betrieb des Zeitballs im Hafen benötigt. Ab dem 24. September 1932 wurde der Betrieb auf die Werktage begrenzt. Seit dem 1. Juni 1934 fiel der Zeitball gar nicht mehr. Statt dessen wurde die Zeichenfolge an den Lichtzeichenanlagen auf stündliche Intervalle verändert. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde auch die Lichtzeichenanlage abgeschaltet.

Die Bombardierung Hamburgs beschädigte auch viele Einrichtungen des Zeitdienstes. Aus Kapazitätsgründen mußte das telefonische Signal „Hamburg 03" nach 1943 eingestellt werden. Die Normaluhr am Museum für Hamburgische Geschichte wurde zerstört, die Uhr am Reiherdamm stark beschädigt. Die Zeitzentrale im Museum wurde daraufhin aufgelöst und nach Bergedorf verlagert. In den letzten vier Wochen des Krieges gab die Sternwarte schließlich noch einmal ein Funkzeitzeichen ab, das „Onogo-Signal", denn sie war die einzige Institution im Deutschen Reich, die dazu noch in der Lage war.

Nach dem Krieg hat die Sternwarte noch eine gewisse Zeit alle Bahnhofsuhren in der Britischen Besatzungszone gesteuert und bis 1971 über Rundfunksender in Nord- und Westdeutschland Kurzzeitzeichen abgegeben.

   
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