Beeinträchtigungen durch die Luftfahrt
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Sternwarte aus der Luft (um 1939)

Neben dem erfolgreichen Beobachtungsleben gab es an der Hamburger Sternwarte auch so manche Aspekte, deren Wirkung man bei der Gründung noch nicht geahnt hatte. Einer davon betraf die zunehmende „Lichtverschmutzung". Einerseits rückte die Bergedorfer Bebauung immer dichter an die Sternwarte heran und andererseits machte sich auch die zunehmende Beleuchtung in Hamburg bemerkbar. Ein ganz neues Problem war die beginnende Luftfahrt, denn mit der wachsenden Fliegerei äußerten die Piloten bald den Wunsch nach nächtlichen Orientierungshilfen.

Berichte, wie der des Postfliegers Zorers machten allen das Problem deutlich:

 

Die Notlandung in Farmsen

- Flughafen Fuhlsbüttel braucht Nachtbefeuerung -
Als ich mit meiner Maschine in die Nähe Hamburgs kam, geriet ich in eine mehrere Kilometer lange Rauchfahne, die mir bald jede Sicht nahm. Die Lichtmassen der Großstadt waren aber aus einer Höhe von 1200 Metern gut zu erkennen. Nur den Flughafen konnte ich nicht sichten, da ich das Licht des Platzes nicht wahrnehmen konnte. Ich kreiste in der selben Höhe ungefähr eine halbe Stunde lang über der Gegend, in der Hoffnung, daß durch Lichtsignale mir die Richtung vom Flughafen aus würde angegeben werden, da ich bestimmt annahm, daß die Luftpolizei meine Landeabsicht gemerkt habe. Da ich aber - inzwischen war es bald neun Uhr abends geworden - mich in meiner Annahme getäuscht sah, flog ich über das nördlich von Hamburg gelegene Gebiet, um mir ein passendes Notlandegelände zu suchen. Die Sicht war hier etwas besser. Ich entschloß mich, auf einer Koppel in der Nähe des Werk- und Armenhauses bei Farmsen niederzugehen. Obgleich ihre Ausmaße nur etwa 200 Meter betragen, glaubte ich dennoch, glatt landen zu können. Ich schwebte in niedriger Höhe über den Knick hinweg. Beim Ausrollen stieß aber die Maschine gegen den gegenüberliegenden Knick, wobei das Fahrgestell und die eine Fläche beschädigt wurden und der Propeller einen geringen Ritz erhielt. Der Motor ist vollkommen intakt geblieben. Mein Begleiter kam mit dem Schrecken davon, und ich erhielt „einige nette Püffe", von denen ich mich bald erholen konnte."

Das Hamburger Fremdenblatt kam deshalb zum Schluß,

daß es an der Zeit sei, zur Sicherung der Fliegerei während der Nacht die Nachtbefeuerung des Flughafens durchzuführen".

Dies wurde bald Realität und zur ernsthaften Schwierigkeit für die Sternwarte.

1925 installierte der „Deutsche Aero Lloyd" ein Leuchtfeuer für Flugzeuge auf der Hansa-Schule in Bergedorf, dessen Schein regelmäßig über die Sternwarte strich. Schorr hatte zwar sofort scharf interveniert und die Firma strich den Betrieb auf Schlechtwettertage zusammen und stellte den Betrieb ab 1926 fast ganz ein, doch 1933 hatte sich der Nachtflugbetrieb nach Berlin derart verstärkt, daß im April 1933 auf dem Hapag-Haus an der Binnenalster und im Mai 1933 auf dem neuen Rundfunksender in Billwärder rote Drehfeuer installiert wurden. Die Sternwarte verhielt sich zu diesen Anlagen still. Als jedoch 1937 in Fuhlsbüttel neue starke weiße Landefeuer montiert wurden gab es wieder murrende Einwände. Proteste wurden auch erhoben, als 1933 die Nachtflugstrecke Malmö - Hannover eröffnet wurde. Zur Sicherheit der Flugstrecke wurden alle 30 bis 33 km helle weiße Lichtquellen montiert. In Richtung Pattensen (9 km), Kirchwärder (13 km) und Langenlohe (18 km) sah man nun weiße Lichter mit roter Umrandung. Die Geschwindigkeit, mit der Signale dieser Art entstanden, ließen Schorrs Einwände als Kampf gegen Drachenköpfe erscheinen - dann jedoch schaltete der Kriegsbeginn das Licht der Luft-Leuchtfeuer auf andere Weise ab.

Nur einmal hatte Schorr mit seinen Einwendungen richtigen Erfolg. Im Dezember 1932 beantragte die Firma Henkel&Co., mit einem Motorboot mit dem Namen „Persil" im Hafen Leuchtreklame durchführen zu dürfen. Mit starken Scheinwerfern wurde in den Hamburger Himmel geleuchtet. Nach 14 Tagen hatten Schorrs Beschwerden Erfolg und Henkel mußte mit seinem Reklameboot beidrehen und verlegte die Show nach Berlin.

   
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