Mit spitzem Bleistift und einem guten Auge
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Am 60 cm Refraktor war Prof. Kasimir Graff zu Hause. Er war ein Anhänger des visuellen Beobachtens und gehörte zu jenen Astronomen, deren Auge Sternhelligkeiten auf die Zehntel Größenklasse genau schätzen konnte und die am Okular schwache Strukturen wahrnahmen, die andere nicht einmal geahnt hätten. Er konnte, bewaffnet mit Bleistift und Notizblock, die Oberflächen von Mars, Jupiter und Saturn fast künstlerisch mit faszinierender Präzision zu Papier bringen.


Saturn 1922. Zeichnung von Kasimir Graff

Das Hauptprogramm Graffs hieß „visuell-photometrisches Meßprogramm". Dabei galt sein Augenmerk hauptsächlich den Helligkeiten von Sternen in Sternhaufen und den Beobachtungen von veränderlichen Sternen aller Art, denn der physikalische Zusammenhang der Veränderlichkeit war in kaum einem Fall bekannt. Anders als in der Astronomie heutiger Prägung ging er der Frage des Ursprungs auch bewußt aus dem Weg:

 
Ich habe es vermieden, aus den spärlichen Beobachtungen irgendwelche bestimmten Schlüsse auf die möglichen Ursachen des Lichtwechsels zu ziehen. Es lag mir einzig und allein daran, einen jeden der Veränderlichen so lange zu verfolgen, bis die Periode und der Verlauf des Lichtwechsels gesichert war."

Ein ganz besonderes Interesse Graffs galt der Oberflächenüberwachung der großen Planeten. Sogar der Mond wurde gelegentlich in das Untersuchungsprogramm zu „selenologischen Studien" mit herangezogen. Graff suchte auf dem Mond z.B. nach Formationen, die in ähnlicher Gestalt auch auf der Erde hätten vorkommen können. Einige hundert Skizzen von Mond und Planeten wurden von Graff direkt am Okular angefertigt und später am Arbeitstisch ausführlicher dargestellt.

 
Zeichnung des Halleyschen Kometen am 26. Mai 1926 von Kasimir Graff. Links: Skizze am Teleskop, Rechts: Nachbearbeitung am Schreibtisch.

Besonders erfolgreich waren Zeiten, wenn die Planeten in Opposition standen. Ein besonders gutes Jahr war das Jahr 1924, denn in diesem Jahr war der Mars in Oppositionsstellung besonders gut beobachtbar und Graff fertigte 80 Zeichnungen an. Der Mars stand Anfang des Jahrhunderts im besonderen Interesse der Beobachter nachdem Giovanni Schiaparelli 1857 glaubte, "Kanäle" gesehen zu haben.

In der Abbildung oben sind einige der Graff'schen Mars-Zeichnungen dargestellt. Die Abbildungen zeigen, daß sich Graff zu Beginn seiner Beobachtungen, noch am Millerntor, sehr stark durch die „Marskanäle" hat inspirieren lassen und sie folglich auch sehr scharf „sah". Im Laufe der Beobachtungserfahrung Graffs verschwammen die Kanäle auf seinen Zeichnungen mehr und mehr mit den übrigen Konturen, doch glaubte er noch 1924, zweifellos Kanäle gesehen zu haben.

Ab 1926 stand ein zweites Objektiv für den Großen Refraktor zur Verfügung. Es war besonders für den blauen Spektralbereich optimiert worden, denn hier waren vor allem die neuen photographischen Emulsionen empfindlich. Graff testete es sehr sorgfältig. Sein Mißtrauen gegenüber Qualität und photometrischer Reproduzierbarkeit in der Fotografie war jedoch noch erheblich. Zur Marsopposition 1926 wurde deshalb wieder auf das alte "visuelle" Objektiv einschließlich Bleistift und Notizblock zurückgegriffen.

Sein visuelles Beobachtungsprogramm konnte Graff in Hamburg nicht beenden, denn 1928 erhielt er einen Ruf als Direktor der Wiener Sternwarte.


Kasimir Graff (ca. 1939)(Quelle:L.Figl Observatorium, Wien)

   
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