Das Eros-Programm
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1898 war ein Kleinplanet (Nummer 433) entdeckt worden, dessen Bahn teilweise innerhalb der Marsbahn lag, obwohl sich der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter erstreckt. Dieser Planet, Eros genannt, besitzt eine Bahn mit starker Exzentrizität und reicht bis auf einen Abstand von 1,133 mittleren Erdbahnradien an die Sonne heran. Es ist nur ein kleines Gebilde, knapp 12 km lang und ca. 9 km an der schmalsten Stelle - eine große fliegende Erdnuß. 1931 war das Jahr, in dem Eros sich bis auf 23 Millionen km der Erde annäherte. Weltweit wurden deshalb Beobachtungsprogramme vorbereitet, in denen die Eros-Bahn sehr genau bestimmt werden sollte. Man wollte einerseits den genauen Abstand zu Eros bestimmen und mehr noch, man wollte aus den Bahndaten die wahre Größe der „Astronomischen Einheit" berechnen.

1926 begannen die Vorarbeiten auf der Hamburger Sternwarte. Um bei der Annäherung 1931 ausreichend genaue Anschlußsterne zu besitzen, wurden entlang der erwarteten Eros-Bahn am Meridiankreis 216 schwache Sterne vermessen. Diese sollten die Fixpunkte der Reduktion darstellen. Die Daten erschienen im Januar 1930 in den Mitteilungen der Sternwarte.

Am Meridiankreis wurden die Beobachtungen zur Eros-Opposition auch genutzt, um die Ablesemöglichkeiten der großen Deklinationskreise deutlich zu verbessern. Man beabsichtigte von der visuellen Ablesung zur photographischen Registrierung zu wechseln. 1925 wurden die ersten Probeaufnahmen gemacht.

 

Die Registrierung geht in der Art vor sich, daß der Beobachter am Fernrohr bei jeder _-Einstellung zweimal auf einen elektrischen Taster drückt. Beim ersten Tastendruck werden zunächst durch ein Laufwerk die Filmstreifen der 4 Mikroskopkassetten gleichzeitig um die Bildhöhe von etwa 1 cm vorwärts bewegt, dann die Klappen an den Objektiven der 4 Mikroskope geöffnet und der Kreis durch 4 Lämpchen beleuchtet, womit die Aufnahme auf den Filmstreifen beginnt. Nach etwa 5 Sekunden Expositionsdauer hat der Beobachter den Taster zum zweiten Male zu drücken, wodurch die Klappen geschlossen werden und die Lämpchen erlöschen. ... Zugleich mit der Kreisteilung wird ein Diaphragmastrich mit Mikroskopnummer aufgenommen, der als Marke bei der Ausmessung dient. Die Kassetten können etwa 1 m Filmstreifen fassen, worauf etwa 70 Registrierungen erhalten werden. Zur Ausmessung der Filmstreifen wurden hier vier Ableseapparate gebaut."


Photographisches Registrierverfahren

Dieses neue Verfahren zeichnete sich dadurch aus, daß nun nicht mehr unmittelbar das Auge des Beobachters gebraucht wurde, das vielleicht gerade arg im Streß war, wenn der Stern durchging. Die Registrierung der Filmstreifen konnte später in Ruhe und wesentlich präziser unter einem der neuen Meßgeräte erfolgen. Ende 1925 wurde die erste Version montiert, doch mußte sie in den nächsten zwei Jahren noch mehrfach umgebaut werden bis sie schließlich beim AG-Unternehmen intensiv eingesetzt werden konnte.
Johannes Hellerich

Am Refraktor war mittlerweile ein Observatorenwechsel eingetreten. Für den am 1. Juli 1928 ausgeschiedenen Graff war Johannes Hellerich, der bisher Assistent in Kiel war, am 1. Dezember 1928 eingestellt worden. Er hatte sich zunächst an ein ähnliches Beobachtungsprogramm, wie das seines Vorgängers gehalten, doch setzte Hellerich fast ausschließlich Fotoplatten ein. 1929 wurde das photographische Objektiv des Refraktors montiert, das nach der Beschaffung von Graff nur kurzen Tests unterzogen worden war. Hellerich prüfte das Objektiv eingehend. Das Ergebnis fiel befriedigend aus, so daß Mitte 1930 beschlossen wurde, den Refraktor ebenfalls während der Eros-Opposition einzusetzen. Auch beim Refraktor mußten deswegen Umbauten vorgenommen werden, denn das bisherige Bildfeld war lediglich 12 cm * 12 cm groß. Dies entsprach einer Himmelsfläche von 0.8° * 0.8°, viel zu klein, um genügend Anhaltsterne während der Opposition zu vermessen. Es wurde beschlossen, den Okulartubus auf eine innere Weite von 32 cm zu vergrößern, so daß nun Plattenformate von 24 cm * 24 cm benutzt werden konnten und ein auswertbares Feld von 1,5°*1,5° zur Verfügung stand. Bis Jahresschluß 1930 konnten mit der neuen Plattenkamera 33 Eros-Aufnahmen gewonnen werden. Allerdings war der Planet zu schwach, um ihn auf den Aufnahmen sinnvoll zu messen.

Ende 1930 waren alle großen Instrumente mit der Beobachtung des Kleinplaneten 433, Eros, beschäftigt. Mit zwei Südafrikanischen Observatorien, der Kap-Sternwarte in Kapstadt geleitet von Spencer-Jones und der Südstation der Yale-Sternwarte in Johannesburg geleitet von Alden, waren gemeinsame Beobachtungsprogramme abgesprochen worden. Die vereinbarte Gleichzeitigkeit gelang später jedoch so gut wie nie - das Hamburger Schmuddelwetter spielte in diesem Teil des Programms eine eigene Rolle.

Je näher der Zeitpunkt der Oppositionsbeobachtungen rückte, um so deutlicher wurde es, daß die vom Entdecker des Planeten, Witt in Berlin, angegebenen Ephemeriden für die Planetenbahn um erhebliche Beträge von den wahren Werten abwichen. Sobald erste Aufnahmen am Lippert-Astrographen vorlagen (September 1930), wurden Kopien davon weltweit versand. Zusammen mit den südafrikanischen Partnern wurde sehr schnell klar, daß die bisher gemessenen Hauptanhaltsterne (216 waren am Meridiankreis nachbeobachtet worden) ein viel zu grobmaschiges Netz darstellten. Spencer-Jones, der im übrigen der Vorsitzende der Eros-Kommission IAU48 war, schlug vor, die Planetenbahn über zusätzlich photographisch zu gewinnende „Anhaltsterne 2. Ordnung" abzusichern. Die Positionsbestimmung sollte im Rahmen des mittlerweile in Hamburg angelaufenen AG-Zonenunternehmens am neuen AG-Astrographen gemacht werden. Da die Zeit drängte wurden im Frühjahr 1930 mehrere halbstündige Aufnahmen am Lippert-Astrographen gewonnen. Auf diesen Platten bestimmte Hellerich geeignete Sterne. Von Schwassmann und Wachmann wurde diese Liste dann am Repsoldschen parallaktischen Plattenmesser abgearbeitet und in den Astronomischen Nachrichten veröffentlicht. Ende 1930 wurde dann noch einmal eine Ergänzung notwendig, da die tatsächliche Bahn sehr stark von den Schätzwerten abwich.

Die gleichen Felder, die bereits der Lippert-Astrograph aufgenommen hatte, wurden am neuen AG-Astrographen wiederholt. Im Frühjahr 1930 wurden 42 Platten zu je 10 Minuten Belichtungszeit gemacht. Das Ziel war, Sterne bis zur 12. Größe mit AG-Genauigkeiten zu vermessen, doch stellte sich bald heraus, daß diese Grenzgröße nur in Ausnahmefällen erreicht wurde. Willy Kruse und Helmuth Brüggemann, die Beobachter am AG-Astrographen, wiederholten im Frühjahr 1931 diese 42 Felder, dieses Mal jedoch mit halbstündigen Belichtungszeiten.

Ursprünglich war vorgesehen nur die Sterne zu vermessen, die in der Nähe der Eros-Bahn standen. Doch die Beobachtungsmeldungen gingen spärlicher in Hamburg ein, als es das auf Hochtouren arbeitende AG-Team benötigte. Um das AG-Programm nicht allzu stark zu blockieren und weil überdies in Hamburg kaum eine Schwierigkeit als unüberwindlich galt, entschloß sich Schorr eben alle Sterne, die bereits im Lippertprogramm vermessen wurden, auch auf den AG-Platten zu messen. Bis Oktober 1931 waren die Platten im normalen AG-Messbetrieb mit durchgeschleust und von den Plattenmessern v.d. Heide und Kröger abgearbeitet worden. Das Resultat dieser unfreiwilligen Sonderschicht wurde 1934 als „Zweites Bergedorfer Sternverzeichnis 1930.0" veröffentlicht.

Gegen Ende der Eros-Kampagne beteiligte sich schließlich auch Baade am 1 m-Spiegel mit 30 Kurzaufnahmen von 20 bis 30 Sekunden Dauer am Programm. Sein Instrument mußte allerdings auf Amateurfernrohrdimensionen abgeblendet werden, da der Planet sonst auf den Aufnahmen des lichtstarken 1 m-Spiegels hoffnungslos überbelichtet gewesen wäre.


   
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