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Aus der Tradition heraus war das wichtigste Instrument der neuen Sternwarte ein Meridiankreis und Schorr hatte bereits im Februar 1903 nach Anbietern gesucht. Hier kamen im wesentlichen drei Firmen in Frage: Die Hamburger Firma Repsold, die Firma Max Hildebrand in Freiberg und die renommierten englischen Werkstätten Troughton & Simms in London. Troughton hatte erst kurz zuvor für die südafrikanische Cap-Sternwarte ein solches Instrument abgeliefert.
Schorr war bei der Beschaffung des Meridiankreis besonders sorgfältig und verglich die Konstruktionen mehrerer anderer Sternwarten (Yerkes, Straßburg, Nizza, Kiel, Bonn, Edinburgh, Lick, Wien-Ottakring, Kapstadt, Washington), und entschied sich - wie zu erwarten war - für Repsold in Hamburg.
| Der Meridiankreis der Hamburger Sternwarte steht auf dem südlichen Geländeteil in einem Gebäude, das von einem tonnenförmigen Dach bedeckt ist. Der Beobachtungsraum ist in der Nord-Süd-Richtung 10 m, in der Ost-West-Richtung 8 m lang. Das halbzylindrische Dach, dessen Achse mit der Umdrehungsachse des Instruments zusammenfällt, besteht aus einer doppelten Eisenwand, deren Zwischenraum oben und unten Öffnungen nach außen hat, wodurch ein Durchströmen der Luft ermöglicht wird; elektrische Ventilatoren beschleunigen noch diese Zirkulation." |
Auf die thermische Isolierung wurde beim Meridiankreis besonderer Wert gelegt. Deshalb wurde zusätzlich noch über das Tonnendach eine jalousieartige Holzverkleidung montiert. Im 3m breiten Spalt konnten zwei auseinanderfahrbare Spaltschieber möglichst viel Streulicht abschirmen. Dies war besonders bei der Beobachtung des Sonnendurchgangs notwendig, denn dann schien die Sonne ja genau in den Instrumentensaal. Der südliche Spaltschieber konnte deshalb so weit hochgezogen werden, daß die Sonneneinstrahlung im Gebäude vollständig ausgeblendet wurde.
| In der Spaltgardine sind durch Klappen verschließbare kreisrunde Löcher, die so gestellt werden, daß die Sonne bei ihrem Meridiandurchgang durch sie im Fernrohr sichtbar ist. Nur während der kurzen Zeit des Meridiandurchgangs wird die Klappe geöffnet und nachher gleich wieder geschlossen." |
Das Instrument selber war der Standardtypus von Meridiankreisen, den die Firma Repsold schon mehrfach verkauft hatte. Zusammen mit dem Bergedorfer legte Repsold drei weitere baugleiche Instrumente für La Plata, Cordoba und Santiago auf. Das Instrument hatte eine Öffnung von 19 cm und eine Brennweite von 2.3 m. Es ruhte auf einem massigen Backsteinpfeiler von 6*6m Grundfläche und 3½ m Höhe, damit möglichst keine Bodenschwingungen in das Instrument zu übertragen werden.
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Großer Meridiankreis
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| Fernrohr | Brennweite | Öffnung | |
| Fernrohr | 2,3 m | 190 mm | |


Bauzeichnungen des Meridiankreisgebäudes
Weiterhin war das Instrument mit mehreren Kontrollstrukturen versehen, die die Abweichungen von der exakten Ausrichtung des Fernrohrs angaben.
Er befand sich direkt senkrecht unter dem Instrument.
| Stellt man das Fernrohr mit dem Objektiv nach unten und sieht oben hinein, so wird man, wenn das Fernrohr nicht genau steht, neben jedem Faden des Fadennetzes12 auch noch ein Spiegelbild im Quecksilberhorizont sehen." |
| Hierzu dient ein an dem Eisengerüst über den Pfeilern
befestigter Kran, mit dem die Umdrehungsachse des Fernrohrs aus ihren Lagern
herausgehoben, um 180° gedreht und wieder in die Lager eingelegt werden kann, so daß das Achsenende, das vor der Umlegung im Osten lag, nun nach Westen kommt." |
Dadurch konnte man die Fehler, die durch die Lagerung des Instrumentes herrührten oder im optischen System des Fernrohrs lagen, herausmitteln.
| Durch diese Umlegung kann auch der Kollimationsfehler des Fernrohrs bestimmt werden, indem man entweder einen dem Nordpol nahestehenden Stern bei seinem Durchgang durch den Meridian oder eine feste terrestrische Meridianmarke, eine Mire, in beiden Instrumentenlagen beobachtet. Eine solche Mire besteht aus einer auf einem Festpfeiler aufgestellten Metallplatte, die in der Mitte eine feine Durchbohrung hat, hinter welcher eine elektrische Lampe aufleuchtet... Ist das Fernrohr nicht ganz senkrecht auf der Umdrehungsachse, ist also ein Kollimationsfehler vorhanden, so wird das Mirenbild in beiden Instrumentenlagen in verschiedener Entfernung vom Mittelfaden des Mikrometers sichtbar sein.... Die Mire des Bergedorfer Meridiankreises steht 109 m nördlich vom Instrument in einem kleinen Mirenhäuschen. Um die von dieser Mire ausgehenden Strahlen genau parallel zueinander, wie die Strahlen der unendlich entfernten Gestirne, in das Objektiv des Fernrohrs gelangen zulassen, ist im Meridianraum auf einem Pfeiler nördlich vom Instrument eine Linse von 109 m Brennweite aufgestellt, welche also die von der Mire kommenden Lichtstrahlen parallel macht." |

| Auf einem Pfeiler im Süden des Meridianraumes steht ein auf unendlich eingestelltes horizontales kleines Fernrohr, der Kollimator, der ähnlichen Zwecken wie die Mire dient." |
ursprünglich war geplant im Süden in etwa 4.5 km Entfernung und im Norden in etwa 1.2 km Entfernung zwei Fernmiren zu errichten, die ebenfalls der Kontrolle des Meridiankreises dienen sollten. Sie wurden jedoch nie gebaut.