Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften


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Affi-Broschüre:
Glänzende Geschäfte

(1985)

Messfahrten in den Müggenburger Kanal (Norddeutsche Affinerie)

Im Sommer 2003 haben wir uns nach langer Ruhepause unserem alten Lieblingsthema: „Die Einleitungen der Norddeutschen Affinerie in die Elbe“ gewidmet. Nach 10 Jahren anderer Aktivitäten, wollten wir mal wieder auf der Elbe mit dem Boot schippern, aber vor allem uns einmal anschauen, welch schöne Früchte die Hamburger Umweltpolitik trägt und welche Umweltlasten heute mit der Produktion von Kupfer verbunden sind. Und dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich die Norddeutsche Affinerie vom Umweltfrevler von einst zum industriellen Musterbetrieb gemausert haben soll.

Unsere ersten Messfahrten haben uns an die Belastungsschwerpunkte von damals geführt. Anfang 1990 waren die Sedimente im Müggenburger Kanal, der das Werksgelände der Norddeutschen Affinerie durchzieht, hochgradig mit Schwermetallen belastet. Diese Schwermetallbelastung stammte aus den Produktionswässern, die das Unternehmen damals wie heute, in den Müggenburger Kanal einleitet, aus den Wässern, die aus den Spundwänden in den Kanal sickerten und aus dem Staub, der durch den Umschlag des Kupferkonzentrates in den Kanal gelangt .

Risse in den Spundwänden

Schon bei der ersten Einfahrt in den Kanal im Sommer 2003 vielen uns die Veränderungen gegenüber von vor 10 Jahren auf. Einige der Einläufe waren stillgelegt, in dem Werk Nord schien überhaupt nicht mehr produziert zu werden, und die Vielzahl damaliger Einläufe waren deutlich reduziert und zu einigen wenigen, großen Einläufen zusammengefasst. Nur zwei Dinge waren so wie damals: aus den Rissen in der Spundwand vom Werk Süd „pülschte“ weiterhin munter das Sickerwasser und der Werkschutz beäugte unsere Aktivitäten misstrauisch, als wir mit unserem Probenahmegerät die Einläufe und das Sickerwasser der Spundwände beprobten.

Die Untersuchung der in die Elbe eingeleiteten Produktionsabwässer auf Schwermetalle hatte für uns als notorische Nörgler ein wirklich niederschmetterndes Ergebnis. Im Wesentlichen leitet die Norddeutsche Affinerie heute nur noch warmes Wasser in den Müggenburger Kanal ein. Doch erfreulicher Weise wiesen die Sickerwasser der Spundwände nach wie vor „erfreuliche“ Schwermetallkonzentrationen auf.

Auf den zweiten Blick: Hochbelasteter Schlick unter dem Teppich

Während der folgenden Messfahrten untersuchten wir, wie sich die Schwermetallbelastung der Sedimente im Müggenburger Kanal in den letzten 10 Jahren verändert hat. Anhand unserer Untersuchungen ließ sich hervorragend die Entwicklung der Emissionssituation nachvollziehen. Die jungen Sedimente, die in den oberen Schichten des Schlicks zu finden sind, wiesen nur noch einen Schwermetallgehalt von etwa 10% der damaligen Belastung auf. Die Entfrachtung der Produktionsabwässer von Schwermetallen schlägt sich hier in einer deutlichen Reduzierung der Schwermetallkonzentrationen im Schlick nieder.

Geht man jedoch der Situation im Müggenburger Kanal ein wenig auf dem Grund, sprich bohrt man ein wenig tiefer, ist fast alles so wie in den „guten alten Tagen“ . Die Schwermetallkonzentrationen im Schlick erreichen schon nach 20-40 cm Tiefe die gleich hohen Konzentrationen wie damals. In unseren Augen hat sich damit zwar die heutige Immissionssituation bei den Produktionsabwässern deutlich verbessert, aber im Schlick lauert immer noch das gleiche Risikopotential von damals. Für uns ein Grund von der Hamburger Umweltbehörde, oder korrekt der heutigen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, die Entwicklung eines Sanierungskonzeptes für den Müggenburger Kanal zu fordern.

Signifikante Hinweise auf Schwermetall-Altlasten unter dem Affi-Gelände

Ein weiteres Problem stellen die Sickerwässer dar, die nach jeder Flut aus den Spundwänden Schwermetalle in hohen Konzentrationen in die Elbe eintragen. Sie sind ein Hinweis darauf, dass auf dem Gelände der Norddeutschen Affinierie Bereiche vorhanden sind, in denen das Erdreich hochgradig mit Schwermetallen belastet ist. Unserer Auffassung nach sind dabei nicht einmal die Sickerwässer das Hauptproblem, sondern wir sind der Meinung, dass der überwiegende Teil der Schwermetalle durch den täglichen Tidenhub im großen Stil in das Grundwasser eingetragen und mit ihm verlagert wird. Unserer Auffassung nach sind dies ausreichend Anzeichen dafür, einmal auf der Seite des Abstroms des Grundwassers von der Norddeutschen Affinierie nach einer Verschmutzungsfahne zu suchen und hydrogeologische Untersuchungen anzustellen.

Achselzucken in der Behörde

Doch die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ziert sich. Ein Sanierungskonzept weist sie mit dem Hinweis zurück, das es sich bei dem Belastungsprofil im Müggenburger Kanal um eben hafentypische Belastungen handelt und damit eine Sanierung nicht notwendig ist. Ausserdem sieht man sich Ausserstande die hydrogeologische Situation zu modellieren und zu beurteilen.

Was bitte ist "hafentypisch"? Wir messen selbst...

Auf unser bislang letzten Messfahrt im Sommer 2005 haben wir uns der Fragestellung gewidmet, wie hafentypisch sind die Schwermetallkonzentrationen im Müggenburger Kanal. Um dies nachvollziehen zu können, sind wir eine Vielzahl von Punkten im Hamburger Hafen angefahren und haben an vielen Plätzen Schlickproben gezogen. Die statistische Auswertung dieser Daten zeigt ein deutlich anderes Bild, als das von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt gezeichnete.

Für die affinerietypischen Schwermetalle, wie z.B. Cadmium, Kupfer, Zink und Blei, weichen die Schwankungsbreiten der Schwermetallkonzentrationen im Müggenburger Kanal je nach Element um den Faktor 20 bis 330 vom Durchschnitt der Schwankungsbreiten im Hamburger Hafen ab. Für uns ist damit der Nachweis erbracht, dass der Müggenburger Kanal innerhalb des Hamburger Hafens einen Belastungsschwerpunkt darstellt und Überlegungen zu dessen Sanierung angestellt werden müssen.

Doch bisher hat die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf diese Fakten noch nicht reagiert.


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Februar 2007