Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften |
KONKURSE 320 Jahre Hamburger Umweltbehörde - Nummer 3 Dezember 1998 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Download(PDF)
Inhalt Wenn die Behörde erzählt Als Tiger gestartet... Maracujasaft Mühlenberger Loch 5 Stunden Angst Faul, Dreist, Geldgierig Chronik Sprachlasten |
Chronologie der Hamburger Umweltpolitik1978Dezember
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Unfall bei Stoltzenberg |
|---|
| Ein verwahrlostes Gelände in Eidelstedt voll mit Sprengstoff, Nervengiften, Munition Nebeltöpfen, Tränengas. Das Zeug liegt teils offen herum, teils ist es verbuddelt, , der Zaun ist gespickt mit Löchern. Jedes Jahr gibt es mindestens einen Feuerwehreinsatz. Der Betreiber - ein wahnsinniger Chemiker. Die Zustände auf dem Gelände sind den Behörden seit vielen Jahren wohlbekannt. Aber selbst die Umweltbehörde unternimmt nichts, weil Onkel Bundeswehr (bester Stoltzenberg-Kunde) sonst vielleicht schimpfen könnte. Im September dann die Katastrophe: ein kleiner Junge, der mit Chemikalien vom Gelände gespielt hat, kommt dadurch ums Leben. Erst nach dem Unfall wird bekannt, wie leichtsinnig die Behörden hier mit der schon lange drohenden Gefahr umgegangen sind. |
Oktober
Boehringer: "Nachts kommt Gift aus dem Schornstein"
Untersuchung über Fischkrankheiten in der Elbe
Bürgerschaft fordert Phosphatfällung für HH-Klärwerke
MVA Stapelfeld geht in Betrieb (650.000 t/a)
März
Giftschiff unter der Köhlbrandbrücke entdeckt
In Wandsbek stinkt's zum Himmel!" (Hoechst)
Mai
Mühlenberger Loch soll für MBB zugeschüttet werden
Juni
Boehringer: Pestizide (HCH) & TCDD im Grundwasser und im Moorfleeter Kanal
| Gift bei C.H. Boehringer |
|---|
|
| HCH-Funde in der Kuhmilch und im Gemüse der Boehringer-Nachbarn sowie Dioxine im Grundwasser geraten an die Öffentlichkeit. Die ersten Reaktionen der Behörden: "Es besteht keine akute Gesundheitsgefahr" oder "Alles Panikmache". Jahrelang beobachtete auffällige Krankheitsbilder bei Boehringer-Angestellten, unerklärliche Todesfälle von Vieh auf den Nachbarweiden und die Seveso-Dioxin-Katastrophe (1976) waren offenbar noch nicht Grund genug für die gerade aus dem Ei geschlüpfte Umweltbehörde, sich von selbst mit dem Schadstoff - und Gefährdungspotential dieser Firma zu beschäftigen. Nun angekündigte Sofortmaßnahmen lassen monatelang auf sich warten oder versanden gänzlich. |
September
Fischsterben vor der Affi
Oktober
Vulcanus verbrennt weiter Chemieabfälle in der Nordsee
Umweltgruppe mißt hohe Schwermetallwerte bei der Affi
November
Heidelberger Elbe-Forscher bestätigen zunehmende Schwermetallanreicherung im Raum Hamburg
Georgswerder Sickerwasser jetzt ins Siel (vorher Elbe)
Klärwerk Köhlbrandhöft-Süd mit mechanischer Stufe im Betrieb
Stillegung der Klärwerke West,Volksdorf, Bergedorf
Hafenentwicklungs(-ermächtigungs)gesetz kündigt Zerstörung von Altenwerder, Francop
und Moorburg an
Januar
Verkaufsverbot für Aale - Elbfischerei beendet
| Elbfischerei beendet |
|---|
| Mehr und mehr kranke Fische finden sich in den Netzen der Elbfischer. Doch es kommt noch schlimmer: 1981 wird den Elbfischern ein Merkblatt der Wirtschaftsbehörde zugestellt, das darauf hinweist, daß 90% der Aale aus der Elbe zu hohe Gehalte an chlorierten Kohlenwasserstoffen und 40% zu hohe Quecksilbergehalte hätten, und daß es laut Lebensmittelgesetz verboten sei, Fische mit zu hohen Schadstoffgehalten in den Handel zu bringen. Bei Verstößen drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder bis zu 50.000 DM Geldbuße. Der seit Jahrhunderten übliche freie Verkauf ist damit nicht mehr möglich, die traditionelle Elbfischerei erledigt. Von Seiten der Umweltbehörde gibt es nach wie vor keine durchgreifenden Maßnahmen gegen Gifteinleitungen in die Elbe. |
März
Demo gegen Gewässerverschmutzung vor der Affi
Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Wasser in Hamburg - Giftig, salzig, dreckig, stinkig
Mai
Eine " schwimmende Zeitbombe" (Giftmüll in der Nordsee)
Demo: 20.000 Menschen fordern Sanierung der Gewässer
Juli
Forderung nach Stillegung von Boehringer
Baden in der Elbe: " Verbot nächstes Jahr ?"
Öltanker vor Övelgönne auf Grund
August
Besuch bei Haltermann, Boehringer, Affi & Co
| Besuch bei Haltermann, Boehringer, Affi und Co. |
|---|
|
| Mit einem Kanu als "Meßtanker" wird von unserer Umweltschutzgruppe erstmals ein umfassendes Meßprogramm im Hamburger Hafen durchgeführt, um festzustellen, wie Schwermetallgehalte im Schlick mit in der Nähe befindlichen Abwasserrohren im Zusammenhang stehen. Was die Umweltbehörde seit drei Jahren als nicht zu bewältigenden Meß- und Analyseaufwand vor sich herschiebt, wird von uns innerhalb eines halben Jahres (leider ohne Gage) erledigt. Die oft extrem hohen Werte geben einen guten Überblick darüber, welche Firma welchen Schadstoffingerabdruck im Hafen hinterläßt. |
November
Curilla verspricht weniger Luftemissionen (siehe Mai '82)
März
Hafenerweiterung in Moorburg geplant
Bundesminister Baum rügt Umweltschutz in Hamburg
Mai
Emissionssenkung per Taschenrechner
| Emissionssenkung per Taschenrechner |
|---|
| Firma X darf bisher 1 t/a Schwermetalle verblasen, laut Genehmigung. Macht sie aber nicht, hat sie nie gemacht und wird sie wohl auch nicht machen. Sie bläst wie eh und je 'ne halbe Tonne pro Jahr in die Luft. Doch sie hat nicht mit Senator Curilla gerechnet (oh Schreck): der paßt die Genehmigungen jetzt nämlich an. Der bahnbrechende Sanierungserfolg: die rechnerische Schadstoffbelastung durch Hamburg's Industrie geht drastisch zurück !!! Was bleibt, ist Schall und Rauch. |
Boehringer läßt das Gelände einkapseln
Bürobesetzung bei Haltermann
August
" Alarm in Wilhelmsburg: Gift im Boden" (Haltermann)
Oktober
Hamburg's Heidewasserwerk geht in Betrieb
" Keine Erweiterung von MBB im Mühlenberger Loch!"
(Forderung der SPD Altona-Rissen-Sülldorf)
November
Maueraktion am Dreckrohr unter der Argentinienbrücke
" Siel-Abwässer in die Elbe: Seit 20 Jahren ungesetzlich"
Anzeigen gegen Haltermann, Affi, Umweltbehörde,
und Baubehörde wegen Gewässerverschmutzung
Klärschlamm nach Schönberg (vorher Verklappung)
Klärwerk Köhlbrandhöft-Süd: biolog. Stufe im Betrieb
Industriemülldeponie Neuhöfer Str. soll saniert werden
Bodenkundler finden Schwermetalle in der Billesiedlung
Januar
Umweltschutz à la Affi
| Umweltschutz à la Affi |
|---|
| Der Norddeutschen Affinerie gelingt es, durch eine 'freiwillige' Emissionsbeschränkung eine Umweltschutzauflage abzuwenden. Der Erfolg: eine vom betriebstechnischen Standpunkt aus längst überfällige Modernisierungsmaßnahme ( die erst in einigen Jahren abgeschlossen und als Nebeneffekt Emissionssenkungen mit sich bringen wird) wird zur Hälfte vom Bund als Umweltschutzmaßnahme finanziert! Die Umweltbehörde hatte es über Jahre hinweg nicht geschafft, die veraltete SO2-Kontaktanlage stillzulegen. Die Affi nutzte dieses aus, um ihre Kapazitäten zu erhöhen. |
Karte mit 2000 Altlastenverdachtsflächen veröffentlicht
März
UB: " Keine strafbaren Überschreitung von Grenzwerten..."
Wohin mit dem Schlick ?"
" Fall Stoltzenberg ohne Konsequenzen eingestellt"
Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Wasser in Hamburg Band 2
April
" Umweltamt: Abhängig von Industrie ?"
Boehringer: Kein Dioxin auf Georgswerder !"
Bromwolke über Boehringer
Streit um Heizkraftwerk Haferweg
" Affi: Umweltbehörde gefährdet 3300 Arbeitsplätze"
Mai
" Unter der Müllkippe Georgswerder tickt eine Zeitbombe"
" Der Schlick ist Giftmüll"
Tanker verliert Öl im Hafen
Juli
Explosion bei der Ölmühle
August
Strafanzeige gegen Boehringer
November
Analyse von Langzeitschäden an Hamburg's Bäumen
Dezember
Dioxin auf Georgswerder
| Dioxin auf Georgswerder |
|---|
| Dioxin in aller Munde: "Kein Dioxin auf der Deponie Georgswerder", versichert Boehringer im April 1983. Im September '83 ist es dann doch im Sickerwasser. Eine akute Gefährdung wird wie üblich ausgeschlossen. Auch das Grundwasser sei sicher. Nun ja, im Januar '84 ist auch das nicht mehr zu halten. Zudem wird bei der Sickerwasser-Entsorgung in der MVA Borsigstraße Dioxin mit der Flugasche rausgepustet. Auch dieses war ursprünglich dementiert worden, im übrigen auf einer Untersuchung basierend, die der Stadt kostenfrei von Boehringer zur Verfügung gestellt wurde. Mit Sanierungskosten von bis heute 240 Mio. DM, zu denen die Verursacher nur einen Bruchteil beisteuerten, wurde Georgswerder Hamburgs teuerster Berg. |
Beschlagnahme von Boehringer-Akten
Juni
Ölschlamm in Moorfleet/Billesiedlung
Prof. Epstein mahnt Hamburg's Umweltpolitiker
Boehringer-Schließung
| Boehringer-Schließung |
|---|
| Das Werk wird geschlossen. Nicht wegen Umweltverschmutzung, wie man denken könnte, denn dazu ist das bestehende Umweltrecht nicht ausreichend. Nach mühsamer Suche findet sich ein indirekter Weg: Boehringer muß einen Entsorgungsnachweis für dioxinhaltige Stoffe vorweisen, woraufhin die Einstellung des Betriebes bekanntgegeben wird. Die Firma, die viele Menschen, ihr eigenes Gelände, ihre Umgebung, zahlreiche Deponien und ein Wasserwerk auf dem Gewissen hat, reagiert zunächst mit Schadensersatzforderungen. Bald ist jedoch klar, daß sie sanieren muß. Es beginnen Verhandlungen mit der Stadt darüber, wie sich diese Sanierung auf ein erträgliches (billiges) Maß reduzieren läßt (s. Juni '94). |
Oktober
Demo: Hafenschlick für den Wirtschaftssenator
November
Klagen wegen Billigstrom für Industrie
Aufklärung über Vergiftung von Boehringer-Arbeitern
Januar
Erstmaliges Schlickeggen im Hamburger Hafen
Smogalarm, doch Affi senkt Emissionen nicht !
Februar
Der Arsenskandal
| Der Arsenskandal |
|---|
| Der Boden in Hamburg's Osten ist hochbelastet mit Arsen. Ein Löffel Boden kann für Kinder bereits die tödliche Dosis enthalten. Als Hauptverursacher kommt nur die Affi in Frage, die früher bis zu 70 t/a Arsen über den Luftweg in den östlich der Schlote gelegenen Stadtteilen verteilt hat. Der eigentliche Skandal besteht darin, daß die Affi und die Umweltbehörde diese Ergebnisse vor der Öffentlichkeit zunächst verheimlichen, der Nachsatz "keine akute Gefahr" wäre zu gewagt. Und schließlich ist es bei einer derart hohen Vorbelastung ein schwacher Trost, den BürgerInnen zu sagen, daß ja 1985 nur noch 4 t/a (Affi-Angabe) emittiert werden.. |
März
Abschlußbericht Georgswerder gibt Senat Mitschuld
Blockade im Hafen gegen Müllverbrennung auf See
Juli
Boehringer fordert Schadensersatz in Millionenhöhe
August
Ölfabrik Noblee & Thörl fliegt in die Luft
September
Boehringer klagt wegen Betriebsgeheimnisverrat
Studie über Gefahrenpotential von Schlickdeponien
Oktober
Deponie Münchehagen muß saniert werden
Scheinsanierung in Georgswerder beginnt (Zudeckeln)
Direkteinleiterkataster belegt Schwächen bei Kontrollen
Januar
Bundesratsinitiative:Finanzierung von Bodensanierungen
Februar
Umweltgruppe kritisiert Senat wegen Schlickeggen
| Schlickeggen |
|---|
|
| Das Entsorgungsproblem in Hamburg verschärft sich, Deponieplatz gibt's nicht mehr. Um die riesigen Mengen des "Wirtschaftsgutes" Giftschlick, die nach dem Ausbaggern aus den Hafenbecken entsorgt werden müssen, zu reduzieren, wird in Hamburg das Schlickeggen eingeführt. Tonnenweise mitaufgewühlte Schadstoffe der Hamburger Industrie werden vom Strom über die Stadtgrenzen hinausbefördert und können in Zukunft Unterelbe und Nordsee vergiften. Damit hat Hamburg dann aber nichts mehr zu tun. |
Verseuchtes Grundwasser in Hummelsbüttel gefunden
März
Francop soll 25m-Schlick-Spülberg werden
April
"Hafenerweiterung, Senat: Um 10 Jahre verschätzt"
Tschernobyl
Handlungskonzept z. Sicherung d. Trinkwasservorräte
Mai
Diskussion über Ausstieg aus der Kernenergie
| Umweltsenatorin 1986 - 1987 |
|---|
|
| Christiane Maring war für weniger als ein Jahr Umweltsenatorin, flankiert durch den damaligen Staatsrat und Maracujasaft-Gegner Dr. F. Vahrenholt. Sie blieb dadurch von besonders schlimmen Umweltskandalen aber auch von nennenswerten Erfolgsmeldungen verschont. |
Oktober
Neue Pläne für den Gift-Schlick: Atoll-Lösung bzw. Loch-Lösung im Wattenmeer
November
AKW-Krümmel: Kein Katastrophenplan
| Umweltsenator 1987 - 1991 |
|---|
|
| Jörg Kuhbier hat wie keine seiner VorgängerInnen und Nachfolger umweltpolitische Visionen entwickelt und mit dem Papier "Umwelt 2000" ein Vermächtnis hinterlassen, dessen Niveau durch aktuelle rot-grüne Koalitionsverträge oder Neusprech-Wortschöpfungen wie Öko-Audit oder Effizienzrevolution kaum mehr erreicht wird. Zudem galt er als relativ zugänglich und diskussionsbereit auch gegenüber Kritikern aus der Umweltszene. Dennoch war er eben nur ein SPD-Umweltsenator. In seine Amtszeit fielen die Computerschrottaffäre der Affi und der Billesiedlungsskandal. |
April
Lecithinfabrik Lucas Meyer brennt ab
Juli
Schönberg: "Risiko einer Trinkwasserverseuchung"
September
Computerschrottverbrennung bei der Affi stinkt
Oktober
Francop und Feldhofe werden Schlickhügel
Moorfleeter Brack ist stark verseucht
November
Gasunfall bei Alphachemie: Tränengas entweicht
Dezember
Computerschrottverbrennung der Affi jetzt genehmigt
| Klärwerk Dradenau |
|---|
| Das Klärwerk Köhlbrandhöft bekommt eine Stickstoffbehandlungsstufe und eine Phosphatentfernungsstufe. Bereits seit 9 Jahren verlangen die Abwassergesetze diese Stufen. Obwohl schon Anfang der 80er Jahre eine vollständige Stickstoffentfernung Stand der Technik ist, schafft Hamburg das nur zu 60%. Die angewendete Phosphatfällung ist ebenfalls eine Billiglösung, die zudem riesige Mengen Eisenschlamm produziert. Radio Hamburg meldet zur Eröffnung: "Der Leiter des Dradenauer Klärwerkes bestätigte gegenüber Radio Hamburg, daß die neue Anlage bereits veraltet sei." |
Oktober
Demo bei der Affi wegen Computerschrott-Emissionen
8.000 Einwendungen gegen 4. Elbtunnelröhre
Emissionskataster für Indirekteinleiter "nicht möglich"
Konzept zur Sanierung der maroden Siele
Juni
11 HCH-Fässer (Pestizide) in einem Privathaus gefunden,
Umweltbehörde verweigert Hilfe bei Entsorgung
"Müll-Oscar" für Müllpascha Bausenator E. Wagner
August
"Dioxine aus Kabelrecycling" (Schumann & Rumohr)
Abfallwirtschaftsplan: "Verbrennen, alles Verbrennen"
Indirekteinleiterkataster: ... " Veröffentlichung erfolgt nach Abschluß aller Untersuchungen..."
Februar
Wasserwerk Kaltehofe schließt
| Wasserwerk Kaltehofe schließt |
|---|
| Ein Handlungskonzept von 1986 versprach einst vollmundig Maßnahmen zum Schutz der Hamburger Wasservorkommen. Handlungen zum Schutz von Kaltehofe vor der drohenden Boehringer-Giftfront im Grundwasser gab es jedoch nicht. Während zwischen Boehringer und Hamburg mittlerweile 5 Jahre lang tatenlos darüber verhandelt wurde, wie zu sanieren sei, schwammen HCH und Begleiter ungehindert zum 1.500 m entfernten Wasserwerk. Spätestens 1990 haben sie ihr Ziel erreicht. Seit dem "notwendigen" Import von Heidewasser 1983 haben Senat und Behörden offenbar die Einstellung, auf ein Wasserwerk wie Kaltehofe könne Hamburg ja nun auch locker verzichten. |
März
Elbe-Konferenz von Initiativen in Dresden, Kuhbier ausgeladen
Sanierungskonzept für die Billesiedlung
Juli
Brand auf der Affi-Deponie Müggenburger Straße
September
Dioxin auf 61 Spielplätzen in Hamburg
November
Pulverfaß Billesiedlung
| Pulverfaß Billesiedlung |
|---|
|
| Am idyllischen Stadtrand in der Billesiedlung passieren seit einigen Jahren merkwürdige Dinge: erst Altöl, dann explosionsfähiges Gas und nicht zuletzt Dioxine finden sich im Boden unter den Gärten der Anwohner. Die Behörden kennen die Altlast als ein Spülfeld aus der Zeit vor 1950, u.a. mit Affi-Arsen-Schlick aus den 30ern, Waffen und Munition aus den Kriegsjahren, und immer wieder Baggergut, Altöl und Chemiemüll. Dennoch geht die Umweltbehörde auf groteske Weise mit den Sorgen der AnwohnerInnen um. Diese müssen nicht selten selbst teure Untersuchungen durchführen lassen, um nachzuweisen, daß dort akute Gefahr besteht, woraufhin dann schleppend eine sporadische Prüfung auf Stichhaltigkeit in die Wege geleitet wird. Erst als auch offiziell "ungewöhnlich hohe" Bodenwerte von Dioxin gemessen werden, passiert etwas: die Stadt bietet 1991 den Ankauf der Häuser an. |
Dezember
Affi darf Dioxin ausstoßen bei Computerverbrennung
| Umweltsenator 1991 - 1997 |
|---|
| Wie kein anderer hat dieser Chemie-Doktor daran gearbeitet, das Image der Chemieindustrie als einer profitgierigen, ohne Skrupel produzierenden und zur Not über Leichen gehenden Branche in das einer Hunger, Krankheit und Umweltprobleme bekämpfenden industriellen Heilsarmee zu wandeln. Dabei hat er oftmals gegenüber Kritikern, aber auch gegenüber Opfern der Chemiesierung unserer Umwelt einen Zynismus an den Tag gelegt, der von einem Mann in dieser Position kaum zu überbieten ist. Um in diese Rolle schlüpfen zu können, mußte Vahrenholt sich jedoch erst als Chemiekritiker und "wahrer Umweltschützer" etablieren. Seine Verdienste sind so "bedeutend", daß wir ihm einen eigenen Artikel widmen. |
Juni
Billesiedlung wird aufgekauft, wegen Dioxin im Boden
November
UB liegen keine zusammenfassenden Erkenntnisse über Ausgleichsmaßnahmen vor
Januar
Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Hamburgs Gewässer: schmutzig, giftig,stinkig"
November
Laub wird gewaschen, wegen Schwermetallen
KETA (Klärschlammtrockner) wird gebaut
| Genehmigungsverfahren Kabel-Ehlers |
|---|
| Hamburg's Luft soll eine weitere Bleiquelle bekommen. Das muß von der Umweltbehörde genehmigt werden. Ehlers beantragt, gemäß gesetzlichen Minimalanforderungen 100 kg Blei pro Jahr verblasen zu dürfen. Anläßlich einiger Einwendungen von uns - "das ist ja wohl ein bißchen zu viel" - nehmen wir am Erörterungstermin teil. Der Filterhersteller lässt beiläufig die Bombe hochgehen: die Filteranlage könne eigentlich auch Blei bis auf 20 g pro Jahr zurückhalten (da fehlt kein k !). Amen! Damit sind wir einverstanden. Da die Unterlagen in der Behörde bereits öffentlich auslagen ist klar: ohne unsere Einwendung wären die 100 Kilo Blei akzeptiert worden. Zu unserer Überraschung hat die Umweltbehörde später im Protokoll dann doch 400 g/a festgeschrieben. Und was das Genehmigungsrecht angeht, ist Hamburg weltweit betrachtet, natürlich ganz weit ...bla... vorne...bla...Fritze...bla.... |
April
Altenwerder: 7.000 Einwendungen und 50 Klagen
November
Bestechung: Dreckige Geschäfte mit dem Schlick
Dezember
" Der Giftbach von Rahlstedt macht unsere Kinder krank"
Genehmigungsverfahren für Klärschlammverbrennung
" Indirekteinleiter".: ...Kataster befindet sich im Aufbau..."
Februar
" Der Müll und die Moneten" (Deponie Schönberg)
März
Neue Müllverbrennungsanlage Borsigstraße (320.000 t)
Juni
Boehringer-Sanierung gescheitert
| Boehringer-Sanierung gescheitert |
|---|
| Sanierungsmaßnahmen 1984-1990: keine. Gerede: viel. Wasserwerk Kaltehofe: geschlossen. Soweit die Zwischenbilanz. Dann der Wunderofen Prometheus, mit dem man Gift einfach wegzaubern kann. Doch, oh Wunder, er funktioniert nicht ganz einwandfrei. Prometheus hat statt giftigem Boden nämlich lieber viel Geld weggezaubert. Der Boehringer-Konzern und seine "Sahnier-Tochter" Dekonta haben hierbei keine Kosten und Mühen gescheut (hätte ja ein dickes Geschäft werden können). Der ursprünglich so ehrgeizige Sanierungsplan muß nun aber leider geändert werden: Dioxine und HCH bleiben leider im Boden, leider auch im Moorfleeter Kanal und leider auch im Grundwasser. Von Sanierung keine Spur mehr. Bleibt die "Sahnierung", eine Maßnahme, um der Öffentlichkeit Erfolge vorzutäuschen: ein paar Meter Bodenaustausch, ein paar Mauern zum Schutz vor dem bösen Grundwasser, Beton drauf, gründlich fegen und 1998 dann: 80.000 m2 Gewerbefläche mit "Sahnehäubchen" in "Sahnelage" zu verkaufen ! |
Dezember
Umweltgefährdende Müllentsorgung bei Hamburger-Firmen
Wilhelmsburg revoltiert gegen 4. Müllverbrennungsanlage
Kostenlose Annahme von Altöl im Hafen wird eingestellt
Januar
Barsbütteler Deponie soll wieder besiedelt werden
Juni
Harburg: Grundwasser ist mit CKW's verseucht
Baubeginn für die MVA Rugenberger Damm in Altenwerder
Juni
Medikamentenrückstände im Brunnenwasser
November
Bagger in Altenwerder
| Bagger in Altenwerder |
|---|
| Das Thema Altenwerder ist durch. Die Bagger haben bereits innerhalb weniger Wochen 200 ha erhaltenswerte Natur plattgewalzt. Sowas nennt man Sofortvollzug. Das Verfahren gegen die Hafenerweiterung ist offiziell noch nicht zu Ende, doch die ausstehende Revision wird nicht mehr abgewartet. Einwendungen wurden wie erwartet als unbegründet abgeschmettert, die Frage nach der Notwendigkeit des Ganzen und eine Einbeziehung möglicher Alternativflächen (Petroleumhafen) wurden von vornherein ausgeklammert. Die Umweltbehörde beschäftigt sich lediglich damit, wie die an sich ziemlich sinnlose Ausgleichsmaßnahme 'Öffnung der Alten Süderelbe' bürokratisch aufgewertet werden kann, um sie als großzügige Wiedergutmachung zu feiern. Leider eine aus Sicht der Behörde "gelungene" Generalprobe für die Themen Elbvertiefung und Mühlenberger Loch.. |
| Klärschlammofen VERA |
|---|
| Seit 1981 werden 90% der Hamburger Abwässer im Klärwerk Köhlbrandhöft gereinigt. Der dort entstehende Klärschlamm ist hochbelastet, denn auch das Gift, das früher in die Elbe geleitet wurde, findet sich heute darin wieder. Anstatt nun endlich eine Entgiftung bei den Schadstoffproduzenten zu forcieren, wurde von Pyromane Vahrenholt die teure Verbrennung gewählt, um die gigantischen Schlammengen gerade mal zu halbieren. Langfristig gesehen ist damit wie auch bei den Müll-Öfen eine wirksame Schadstoff- minimierungspolitik umgangen worden. Die Ofen-Kapazität ist doppelt so groß wie nötig und Mindestmengen sind den Betreibern für 20 Jahre garantiert. Hätte man das dezentrale Konzept erhalten und mit den in High-Tech verpulverten Millionen eingeführt, daß Regen-, Haushalts- und Industrieabwässer getrennt behandelt werden, wäre am Ende sicher weniger Giftmüll dabei herausgekommen. |
| Umweltsenator 1997 - 2001 |
|---|
| Trotz erst einjähriger Amtszeit und inhaltlich nicht erkennbarer Unterschiede zu seinem Vorgänger hat er schon eine bedeutende Leistung vollbracht: Er ist wohl der erste grüne Umweltsenator, der eine völlig sinnlose und ökologisch katastrophale Zerstörung eines großen Naturgebietes, nämlich des Mühlenberger Lochs, als notwendig, vertretbar und ausgleichbar hinstellt. Wir erinnern uns an die Anfangszeit der Umweltbehörde: "Zuviel Umweltschutz gefährdet Arbeitsplätze"? Alter Wein in neuen Schläuchen! Von diesem grünen Senator war nicht allzu viel Grünes zu sehen. |
| Stoltzenberg nochmal |
|---|
| Der Kreis schließt sich: Während das Boehringer-Gelände nun angeblich fertig gesichert ist, kommt die Meldung, daß das Gelände der ehemaligen Waffenfabrik Stoltzenberg neu saniert werden muß. 1984 hatte man die Sanierung dort beendet, weil der Grundwasserschutz nach damaligen Behörden-Erkenntnissen gewährleistet war. Im Wasserwerk Stellingen wird seit einiger Zeit jedoch weniger Grundwasser gefördert, der Pegel steigt, und das Gelände stellt nun doch wieder eine Gefahr da. Erst recht dürfte das der Fall sein, wenn dem Wasserwerk Stellingen durch die hohe Industriedichte in Eidelstedt das Gleiche wiederfahren sollte wie Kaltehofe 1990. Und am Ende nun die Masterfrage: Wieviel Jahre beträgt derzeit die gesetzliche Minimalanforderung für das Unwort 1998 "Nachhaltigkeit": 10, 20 oder 21 Jahre ??? Die Auflösung finden Sie in Konkurse 5 !!! |
August
Boehringer-Sicherung beendet (siehe Juni '94)
Dezember
20 Jahre Umweltbehörde
Juni
Airbus entscheidet sich, in Hamburg den neuen Superjumbo A380 (A3XX) zu montieren
| Airbus |
|---|
| Am südöstlichen Ufer der Unterelbe ist das Werksgelände von Airbus angesiedelt. Unter wechselnden Namen (Hamburger Flugzeugbau, MBB (Messerschmidt-Bölkow-Blohm), EADS) werden hier seit den 70'ern Airbusse verschiedener Typenreihen teilgefertigt.Seit den 90'ern wird auch die Endmontage für kleiner Airbusse (A319, A320) in Hamburg abgewickelt. Der Zuschlag auch den A380 in Hamburg in die Endmontage zu nehmen, erforderte eine drastische Vergrösserung des Werksgeländes und der vorhandenen Landebahn. Trotz Ausweisung zum FFH-Gebiet der EU wurde das Mühlenberger Loch teilweise zugeschüttet. Als "Ausgleichsfläche" wurde eine bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fläche in der Haseldorfer Marsch deklariert. Die Ausgleichsmassnahme für diese Pseudoumwidmung wurde ein Gebiet an der Stör ausgewählt. |
November
Sanierung der Altlastenfläche Moorfleeter Brack
| Umweltsenator 2001 - 2004 |
|---|
|
| Als die CDU die Bürgerschaft am 23. September 2001 die Bürgerschaftswahl gewann und mit der populistischen Schillpartei das Rathaus übernahm, wurde Peter Rehaag von der Schillpartei der neue Umweltsenator. Sein Interesse an der Umweltbehörde blieb auf dem Nullniveau. Abgesehen von seinem "Antigraffitiprogramm" sah man nichts weiter von ihm. Im Herbst 2003 sägten erste Gerüchte an illegalen Nebentätigkeiten am Stuhl des Senators. Doch bei Schills Abgang und der Abwahl der Partei im Juni 2004 verschwand auch Rehaag wieder in der Bedeutungslosigkeit. |
Juni
Einweihung des Containerterminals Altenwerder
| ... Altenwerder |
|---|
![]() |
| Airbus zum Zweiten |
|---|
Im Juni 2002 beantragte Airbus zum ersten mal, die Startbahn um knapp 600 m in Richtung Neuenfelde zu verlängern. Gleichzeitig beschließt die Hamburgische Bürgerschaft eine "Lex Airbus", das "Werkflugplatzenteignungsgesetz". Das Gesetz soll die Werkserweiterung als gemeinnützig einstufen und so die Position der Stadt stärken. Die eingereichten Klagen erreichen einen Baustopp und dessen Bestätigung vor dem Verwaltungsgericht. Schlüsselgrundstücke von Obstbauern und der Kirche in Neuenfelde verhindern zudem den Weiterbau. Der Verzicht, die Startbahn noch einmal zu verlängern, bringt zwar mehrere Gegner dazu, sich ihr Grundstück abkaufen zu lassen, doch bleiben immer noch einige direkt im Weg. Im April 2006 entscheidet das Verwaltungsgericht dann wieder einmal für den Senat. Fertigstellung ist für den Herbst 2007 geplant. |
März
Der Säuretanker ENA der Norddeutschen Affinerie kollidiert mit einem Containerschiff und sinkt. Der Kapitän war mit 2,1 Promille Alkohol im Blut unterwegs.
| Umweltsenator 2004 - ? |
|---|
|
| Seit dem Gewinn der Bürgerschaftswahl 2004 schraubte die CDU ihr Interesse an der Umweltbehörde noch weiter herunterschraubte, wurde die Umweltbehörde Teil der Stadtentwicklungsbehörde. Offizieller Chef wurde Freytag, tatsächliche Leiterin wurde Herlind Gundelach. |