Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften


KONKURSE 3

20 Jahre Hamburger Umweltbehörde - Nummer 3 Dezember 1998

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Inhalt

Wenn die Behörde erzählt

Als Tiger gestartet...

Maracujasaft

Mühlenberger Loch

5 Stunden Angst

Faul, Dreist, Geldgierig

Chronik

Sprachlasten

Chronologie der Hamburger Umweltpolitik

1978

Dezember

Umweltbehörde erblickt das Licht der dunklen Welt

Umweltsenator 1978 - 1986
Wolfgang Curilla
Wolfgang Curilla, der mit der Lupe Umweltprobleme suchen wollte.
Als erster Umweltsenator Hamburgs begann seine Karriere mit so heiklen Fällen wie
Boehringer und Georgswerder. Eingebettet in eine politisch lebendige Atmosphäre
konnte die Umweltbewegung seinerzeit enormen Druck entfalten und erzwang so
manche Fortschritte in der Umweltpolitik, die von der damals noch im umweltpolitischen
Mittelalter befindlichen Hamburger Verwaltung nicht zu erwarten gewesen wären.
Dummdreistes und borniertes Auftreten der "wissenden" und "erfahrenen" Fachleute
gegenüber den "dummen" und deswegen "emotional" und "unwissenschaftlich"
argumentierenden Bürgern waren an der Tagesordnung, ernste Probleme gab es nicht, und
wenn sie sich dann doch nicht mehr unter den Teppich kehren ließen, wurden sie am
besten ohne lästige Einmischung von Umweltschützern und betroffenen Bürgern hinter
verschlossenen Amtstüren "gelöst". Wenn das alles gegen protestierende Umweltschützer
nichts half, wurde eben das Totschlagargument "Zuviel Umweltschutz gefährdet
Arbeitsplätze" rausgeholt, denn alles, was die Umweltbehörde selbst für nicht machbar
hielt, wurde sowieso als unrealistische Spinnerei durchgeknallter Ökos abgetan. "Wir sind
dabei im Einzelnen zu ermitteln" lautete eine seiner Standardfloskeln - Ergebnisse
blieben aber aus.


1979


Juli

HCH (Pestizide) in der Kuhmilch, Gift bei C.H. Boehringer


September


"Dann macht es wumm", Unfall bei Stoltzenberg

Unfall bei Stoltzenberg
Ein verwahrlostes Gelände in Eidelstedt voll mit Sprengstoff, Nervengiften, Munition
Nebeltöpfen, Tränengas. Das Zeug liegt teils offen herum, teils ist es verbuddelt, ,
der Zaun ist gespickt mit Löchern. Jedes Jahr gibt es mindestens einen Feuerwehreinsatz.
Der Betreiber - ein wahnsinniger Chemiker. Die Zustände auf dem Gelände sind den
Behörden seit vielen Jahren wohlbekannt. Aber selbst die Umweltbehörde unternimmt
nichts, weil Onkel Bundeswehr (bester Stoltzenberg-Kunde) sonst vielleicht schimpfen
könnte. Im September dann die Katastrophe: ein kleiner Junge, der mit Chemikalien vom
Gelände gespielt hat, kommt dadurch ums Leben. Erst nach dem Unfall wird bekannt,
wie leichtsinnig die Behörden hier mit der schon lange drohenden Gefahr umgegangen sind.


Oktober


Boehringer: "Nachts kommt Gift aus dem Schornstein"
Untersuchung über Fischkrankheiten in der Elbe
Bürgerschaft fordert Phosphatfällung für HH-Klärwerke
MVA Stapelfeld geht in Betrieb (650.000 t/a)



März


Giftschiff unter der Köhlbrandbrücke entdeckt
In Wandsbek stinkt's zum Himmel!" (Hoechst)

1980


Mai

Mühlenberger Loch soll für MBB zugeschüttet werden


Juni

Boehringer: Pestizide (HCH) & TCDD im Grundwasser und im Moorfleeter Kanal

Gift bei C.H. Boehringer
HCH-Funde in der Kuhmilch und im Gemüse der Boehringer-Nachbarn sowie Dioxine
im Grundwasser geraten an die Öffentlichkeit. Die ersten Reaktionen der Behörden: "Es besteht
keine akute Gesundheitsgefahr" oder "Alles Panikmache". Jahrelang beobachtete auffällige
Krankheitsbilder bei Boehringer-Angestellten, unerklärliche Todesfälle von Vieh auf den
Nachbarweiden und die Seveso-Dioxin-Katastrophe (1976) waren offenbar noch nicht Grund
genug für die gerade aus dem Ei geschlüpfte Umweltbehörde, sich von selbst mit dem Schadstoff
- und Gefährdungspotential dieser Firma zu beschäftigen. Nun angekündigte Sofortmaßnahmen
lassen monatelang auf sich warten oder versanden gänzlich.


September

Fischsterben vor der Affi

Oktober

Vulcanus verbrennt weiter Chemieabfälle in der Nordsee
Umweltgruppe mißt hohe Schwermetallwerte bei der Affi

November

Heidelberger Elbe-Forscher bestätigen zunehmende Schwermetallanreicherung im Raum Hamburg

1981


Georgswerder Sickerwasser jetzt ins Siel (vorher Elbe)
Klärwerk Köhlbrandhöft-Süd mit mechanischer Stufe im Betrieb
Stillegung der Klärwerke West,Volksdorf, Bergedorf
Hafenentwicklungs(-ermächtigungs)gesetz kündigt Zerstörung von Altenwerder, Francop
und Moorburg an


Januar

Verkaufsverbot für Aale - Elbfischerei beendet

Elbfischerei beendet
Mehr und mehr kranke Fische finden sich in den Netzen der Elbfischer. Doch es
kommt noch schlimmer: 1981 wird den Elbfischern ein Merkblatt der Wirtschaftsbehörde zugestellt,
das darauf hinweist, daß 90% der Aale aus der Elbe zu hohe Gehalte an chlorierten
Kohlenwasserstoffen und 40% zu hohe Quecksilbergehalte hätten, und daß es laut
Lebensmittelgesetz verboten sei, Fische mit zu hohen Schadstoffgehalten in den Handel zu
bringen. Bei Verstößen drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder bis zu 50.000 DM Geldbuße.
Der seit Jahrhunderten übliche freie Verkauf ist damit nicht mehr möglich, die traditionelle
Elbfischerei erledigt. Von Seiten der Umweltbehörde gibt es nach wie vor keine durchgreifenden
Maßnahmen gegen Gifteinleitungen in die Elbe.


März


Demo gegen Gewässerverschmutzung vor der Affi
Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Wasser in Hamburg - Giftig, salzig, dreckig, stinkig


Mai


Eine " schwimmende Zeitbombe" (Giftmüll in der Nordsee)
Demo: 20.000 Menschen fordern Sanierung der Gewässer


Juli


Forderung nach Stillegung von Boehringer
Baden in der Elbe: " Verbot nächstes Jahr ?"
Öltanker vor Övelgönne auf Grund


August

Besuch bei Haltermann, Boehringer, Affi & Co

Besuch bei Haltermann, Boehringer, Affi und Co.
Mit einem Kanu als "Meßtanker" wird von unserer Umweltschutzgruppe erstmals ein
umfassendes Meßprogramm im Hamburger Hafen durchgeführt, um festzustellen, wie
Schwermetallgehalte im Schlick mit in der Nähe befindlichen Abwasserrohren im
Zusammenhang stehen. Was die Umweltbehörde seit drei Jahren als nicht zu bewältigenden
Meß- und Analyseaufwand vor sich herschiebt, wird von uns innerhalb eines halben
Jahres (leider ohne Gage) erledigt. Die oft extrem hohen Werte geben einen guten
Überblick darüber, welche Firma welchen Schadstoffingerabdruck im Hafen hinterläßt.


November

Curilla verspricht weniger Luftemissionen (siehe Mai '82)

1982


März

Hafenerweiterung in Moorburg geplant
Bundesminister Baum rügt Umweltschutz in Hamburg


Mai

Emissionssenkung per Taschenrechner

Emissionssenkung per Taschenrechner
Firma X darf bisher 1 t/a Schwermetalle verblasen, laut Genehmigung. Macht sie aber nicht,
hat sie nie gemacht und wird sie wohl auch nicht machen. Sie bläst wie eh und je 'ne halbe
Tonne pro Jahr in die Luft. Doch sie hat nicht mit Senator Curilla gerechnet (oh Schreck): der
paßt die Genehmigungen jetzt nämlich an. Der bahnbrechende Sanierungserfolg: die rechnerische
Schadstoffbelastung durch Hamburg's Industrie geht drastisch zurück !!! Was bleibt, ist Schall
und Rauch.

Boehringer läßt das Gelände einkapseln
Bürobesetzung bei Haltermann


August

" Alarm in Wilhelmsburg: Gift im Boden" (Haltermann)


Oktober

Hamburg's Heidewasserwerk geht in Betrieb
" Keine Erweiterung von MBB im Mühlenberger Loch!"
(Forderung der SPD Altona-Rissen-Sülldorf)


November

Maueraktion am Dreckrohr unter der Argentinienbrücke
" Siel-Abwässer in die Elbe: Seit 20 Jahren ungesetzlich"
Anzeigen gegen Haltermann, Affi, Umweltbehörde,
und Baubehörde wegen Gewässerverschmutzung

1983


Klärschlamm nach Schönberg (vorher Verklappung)
Klärwerk Köhlbrandhöft-Süd: biolog. Stufe im Betrieb
Industriemülldeponie Neuhöfer Str. soll saniert werden
Bodenkundler finden Schwermetalle in der Billesiedlung


Januar

Umweltschutz à la Affi

Umweltschutz à la Affi
Der Norddeutschen Affinerie gelingt es, durch eine 'freiwillige' Emissionsbeschränkung
eine Umweltschutzauflage abzuwenden. Der Erfolg: eine vom betriebstechnischen Standpunkt
aus längst überfällige Modernisierungsmaßnahme ( die erst in einigen Jahren abgeschlossen
und als Nebeneffekt Emissionssenkungen mit sich bringen wird) wird zur Hälfte vom Bund
als Umweltschutzmaßnahme finanziert! Die Umweltbehörde hatte es über Jahre hinweg nicht
geschafft, die veraltete SO2-Kontaktanlage stillzulegen. Die Affi nutzte dieses aus, um ihre
Kapazitäten zu erhöhen.

Karte mit 2000 Altlastenverdachtsflächen veröffentlicht


März

UB: " Keine strafbaren Überschreitung von Grenzwerten..."
Wohin mit dem Schlick ?"
" Fall Stoltzenberg ohne Konsequenzen eingestellt"
Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Wasser in Hamburg Band 2

April

" Umweltamt: Abhängig von Industrie ?"
Boehringer: Kein Dioxin auf Georgswerder !"
Bromwolke über Boehringer
Streit um Heizkraftwerk Haferweg
" Affi: Umweltbehörde gefährdet 3300 Arbeitsplätze"


Mai

" Unter der Müllkippe Georgswerder tickt eine Zeitbombe"
" Der Schlick ist Giftmüll"
Tanker verliert Öl im Hafen


Juli

Explosion bei der Ölmühle


August

Strafanzeige gegen Boehringer

November

Analyse von Langzeitschäden an Hamburg's Bäumen


Dezember

Dioxin auf Georgswerder

Dioxin auf Georgswerder
Dioxin in aller Munde: "Kein Dioxin auf der Deponie Georgswerder", versichert Boehringer
im April 1983. Im September '83 ist es dann doch im Sickerwasser. Eine akute Gefährdung wird
wie üblich ausgeschlossen. Auch das Grundwasser sei sicher. Nun ja, im Januar '84 ist auch das
nicht mehr zu halten. Zudem wird bei der Sickerwasser-Entsorgung in der MVA Borsigstraße
Dioxin mit der Flugasche rausgepustet. Auch dieses war ursprünglich dementiert worden, im übrigen
auf einer Untersuchung basierend, die der Stadt kostenfrei von Boehringer zur Verfügung gestellt
wurde. Mit Sanierungskosten von bis heute 240 Mio. DM, zu denen die Verursacher nur einen
Bruchteil beisteuerten, wurde Georgswerder Hamburgs teuerster Berg.

1984


Januar

" Dioxin: Weiträumige Verseuchung"


April

Giro-Blau-Protest gegen Atomstrom
Affi
feiert neue Abgasreinigung (alte Anlage wird mit erhöhter Leistung weiterbetrieben)

Mai

Barkasse Elise wird unser Meßschiff

Beschlagnahme von Boehringer-Akten

Juni

Ölschlamm in Moorfleet/Billesiedlung
Prof. Epstein mahnt Hamburg's Umweltpolitiker
Boehringer-Schließung

Boehringer-Schließung
Das Werk wird geschlossen. Nicht wegen Umweltverschmutzung, wie man denken könnte,
denn dazu ist das bestehende Umweltrecht nicht ausreichend. Nach mühsamer Suche findet
sich ein indirekter Weg: Boehringer muß einen Entsorgungsnachweis für dioxinhaltige Stoffe
vorweisen, woraufhin die Einstellung des Betriebes bekanntgegeben wird. Die Firma, die viele
Menschen, ihr eigenes Gelände, ihre Umgebung, zahlreiche Deponien und ein Wasserwerk auf
dem Gewissen hat, reagiert zunächst mit Schadensersatzforderungen. Bald ist jedoch klar, daß sie
sanieren muß. Es beginnen Verhandlungen mit der Stadt darüber, wie sich diese Sanierung auf ein
erträgliches (billiges) Maß reduzieren läßt (s. Juni '94).


Oktober

Demo: Hafenschlick für den Wirtschaftssenator

November

Klagen wegen Billigstrom für Industrie
Aufklärung über Vergiftung von Boehringer-Arbeitern

1985


Januar

Erstmaliges Schlickeggen im Hamburger Hafen
Smogalarm, doch Affi senkt Emissionen nicht !


Februar

Der Arsenskandal

Der Arsenskandal
Der Boden in Hamburg's Osten ist hochbelastet mit Arsen. Ein Löffel Boden kann für Kinder
bereits die tödliche Dosis enthalten. Als Hauptverursacher kommt nur die Affi in Frage, die früher
bis zu 70 t/a Arsen über den Luftweg in den östlich der Schlote gelegenen Stadtteilen verteilt hat.
Der eigentliche Skandal besteht darin, daß die Affi und die Umweltbehörde diese Ergebnisse vor
der Öffentlichkeit zunächst verheimlichen, der Nachsatz "keine akute Gefahr" wäre zu gewagt. Und
schließlich ist es bei einer derart hohen Vorbelastung ein schwacher Trost, den BürgerInnen zu sagen, daß ja 1985 nur noch 4 t/a (Affi-Angabe) emittiert werden..

März

Abschlußbericht Georgswerder gibt Senat Mitschuld
Blockade im Hafen gegen Müllverbrennung auf See

Juli

Boehringer fordert Schadensersatz in Millionenhöhe

August

Ölfabrik Noblee & Thörl fliegt in die Luft

September

Boehringer klagt wegen Betriebsgeheimnisverrat
Studie über Gefahrenpotential von Schlickdeponien


Oktober

Deponie Münchehagen muß saniert werden

1986


Scheinsanierung in Georgswerder beginnt (Zudeckeln)
Direkteinleiterkataster belegt Schwächen bei Kontrollen


Januar

Bundesratsinitiative:Finanzierung von Bodensanierungen


Februar

Umweltgruppe kritisiert Senat wegen Schlickeggen

Schlickeggen
Das Entsorgungsproblem in Hamburg verschärft sich, Deponieplatz gibt's nicht mehr. Um die
riesigen Mengen des "Wirtschaftsgutes" Giftschlick, die nach dem Ausbaggern aus den
Hafenbecken entsorgt werden müssen, zu reduzieren, wird in Hamburg das Schlickeggen
eingeführt. Tonnenweise mitaufgewühlte Schadstoffe der Hamburger Industrie werden vom
Strom über die Stadtgrenzen hinausbefördert und können in Zukunft Unterelbe und Nordsee
vergiften. Damit hat Hamburg dann aber nichts mehr zu tun.

Verseuchtes Grundwasser in Hummelsbüttel gefunden


März

Francop soll 25m-Schlick-Spülberg werden


April

"Hafenerweiterung, Senat: Um 10 Jahre verschätzt"
Tschernobyl
Handlungskonzept z. Sicherung d. Trinkwasservorräte


Mai

Diskussion über Ausstieg aus der Kernenergie

Umweltsenatorin 1986 - 1987
Christiane Maring
Christiane Maring war für weniger als ein Jahr Umweltsenatorin,
flankiert durch den damaligen Staatsrat und Maracujasaft-Gegner Dr. F. Vahrenholt.
Sie blieb dadurch von besonders schlimmen Umweltskandalen aber auch von
nennenswerten Erfolgsmeldungen verschont.


Oktober

Neue Pläne für den Gift-Schlick: Atoll-Lösung bzw. Loch-Lösung im Wattenmeer


November

AKW-Krümmel: Kein Katastrophenplan

1987

Umweltsenator 1987 - 1991
Jörg Kuhbier
Jörg Kuhbier hat wie keine seiner VorgängerInnen und Nachfolger umweltpolitische
Visionen entwickelt und mit dem Papier "Umwelt 2000" ein Vermächtnis hinterlassen,
dessen Niveau durch aktuelle rot-grüne Koalitionsverträge oder Neusprech-Wortschöpfungen
wie Öko-Audit oder Effizienzrevolution kaum mehr erreicht wird. Zudem galt er als relativ
zugänglich und diskussionsbereit auch gegenüber Kritikern aus der Umweltszene. Dennoch
war er eben nur ein SPD-Umweltsenator. In seine Amtszeit fielen die Computerschrottaffäre
der Affi und der Billesiedlungsskandal.


April

Lecithinfabrik Lucas Meyer brennt ab


Juli

Schönberg: "Risiko einer Trinkwasserverseuchung"


September

Computerschrottverbrennung bei der Affi stinkt


Oktober

Francop und Feldhofe werden Schlickhügel
Moorfleeter Brack ist stark verseucht


November

Gasunfall bei Alphachemie: Tränengas entweicht


Dezember

Computerschrottverbrennung der Affi jetzt genehmigt

1988

Unfall bei der Affi: 150 t Schwefelsäure in die Elbe
Rechnungshof kritisiert mangelnde Überwachung von Indirekteinleitern
DDT im Schlick vor der Affi ( Müggenburger Kanal)
Untersuchung des " Ölschadens" unter der Billesiedlung

Juni

Klärwerk Dradenau

Klärwerk Dradenau
Das Klärwerk Köhlbrandhöft bekommt eine Stickstoffbehandlungsstufe und eine
Phosphatentfernungsstufe. Bereits seit 9 Jahren verlangen die Abwassergesetze diese
Stufen. Obwohl schon Anfang der 80er Jahre eine vollständige Stickstoffentfernung
Stand der Technik ist, schafft Hamburg das nur zu 60%. Die angewendete Phosphatfällung
ist ebenfalls eine Billiglösung, die zudem riesige Mengen Eisenschlamm produziert. Radio
Hamburg meldet zur Eröffnung: "Der Leiter des Dradenauer Klärwerkes bestätigte
gegenüber Radio Hamburg, daß die neue Anlage bereits veraltet sei."


Oktober

Demo bei der Affi wegen Computerschrott-Emissionen

1989


8.000 Einwendungen gegen 4. Elbtunnelröhre
Emissionskataster für Indirekteinleiter "nicht möglich"
Konzept zur Sanierung der maroden Siele

Juni

11 HCH-Fässer (Pestizide) in einem Privathaus gefunden,
Umweltbehörde verweigert Hilfe bei Entsorgung
"Müll-Oscar" für Müllpascha Bausenator E. Wagner


August

"Dioxine aus Kabelrecycling" (Schumann & Rumohr)

1990

Abfallwirtschaftsplan: "Verbrennen, alles Verbrennen"
Indirekteinleiterkataster: ... " Veröffentlichung erfolgt nach Abschluß aller Untersuchungen..."


Februar

Wasserwerk Kaltehofe schließt

Wasserwerk Kaltehofe schließt
Ein Handlungskonzept von 1986 versprach einst vollmundig Maßnahmen zum Schutz
der Hamburger Wasservorkommen. Handlungen zum Schutz von Kaltehofe vor der
drohenden Boehringer-Giftfront im Grundwasser gab es jedoch nicht. Während zwischen
Boehringer und Hamburg mittlerweile 5 Jahre lang tatenlos darüber verhandelt wurde,
wie zu sanieren sei, schwammen HCH und Begleiter ungehindert zum 1.500 m entfernten
Wasserwerk. Spätestens 1990 haben sie ihr Ziel erreicht. Seit dem "notwendigen" Import
von Heidewasser 1983 haben Senat und Behörden offenbar die Einstellung, auf ein Wasserwerk
wie Kaltehofe könne Hamburg ja nun auch locker verzichten.

März

Elbe-Konferenz von Initiativen in Dresden, Kuhbier ausgeladen
Sanierungskonzept für die Billesiedlung


Juli

Brand auf der Affi-Deponie Müggenburger Straße


September

Dioxin auf 61 Spielplätzen in Hamburg


November

Pulverfaß Billesiedlung

Pulverfaß Billesiedlung
Am idyllischen Stadtrand in der Billesiedlung passieren seit einigen Jahren merkwürdige
Dinge: erst Altöl, dann explosionsfähiges Gas und nicht zuletzt Dioxine finden sich im
Boden unter den Gärten der Anwohner. Die Behörden kennen die Altlast als ein Spülfeld aus
der Zeit vor 1950, u.a. mit Affi-Arsen-Schlick aus den 30ern, Waffen und Munition aus den
Kriegsjahren, und immer wieder Baggergut, Altöl und Chemiemüll. Dennoch geht die
Umweltbehörde auf groteske Weise mit den Sorgen der AnwohnerInnen um. Diese müssen
nicht selten selbst teure Untersuchungen durchführen lassen, um nachzuweisen, daß dort
akute Gefahr besteht, woraufhin dann schleppend eine sporadische Prüfung auf Stichhaltigkeit
in die Wege geleitet wird. Erst als auch offiziell "ungewöhnlich hohe" Bodenwerte von Dioxin
gemessen werden, passiert etwas: die Stadt bietet 1991 den Ankauf der Häuser an.

Dezember

Affi darf Dioxin ausstoßen bei Computerverbrennung

1991


Indirekteinleitungen: ...1050 sind erfaßt.;, Veröffentlichung findet gesondert statt..."

Umweltsenator 1991 - 1997
Fritze Vahrenholt
Wie kein anderer hat dieser Chemie-Doktor daran gearbeitet, das Image der Chemieindustrie
als einer profitgierigen, ohne Skrupel produzierenden und zur Not über Leichen gehenden
Branche in das einer Hunger, Krankheit und Umweltprobleme bekämpfenden industriellen
Heilsarmee zu wandeln. Dabei hat er oftmals gegenüber Kritikern, aber auch gegenüber Opfern
der Chemiesierung unserer Umwelt einen Zynismus an den Tag gelegt, der von einem Mann
in dieser Position kaum zu überbieten ist. Um in diese Rolle schlüpfen zu können, mußte
Vahrenholt sich jedoch erst als Chemiekritiker und "wahrer Umweltschützer" etablieren.
Seine Verdienste sind so "bedeutend", daß wir ihm einen eigenen Artikel widmen.


Juni

Billesiedlung wird aufgekauft, wegen Dioxin im Boden

November

UB liegen keine zusammenfassenden Erkenntnisse über Ausgleichsmaßnahmen vor


1992


Januar

Umweltschutzgruppe veröffentlicht: Hamburgs Gewässer: schmutzig, giftig,stinkig"

November

Laub wird gewaschen, wegen Schwermetallen
KETA (Klärschlammtrockner) wird gebaut

1993


Januar

EU-Richtlinie für Umweltinformationen siehe: faul, dreist und geldgierig
Altenwerder wird neu aufgerollt
Vahrenholt: "HEW-Kurs steht auf Atom-Ausstieg"
Genehmigungsverfahren Kabel-Ehlers

Genehmigungsverfahren Kabel-Ehlers
Hamburg's Luft soll eine weitere Bleiquelle bekommen. Das muß von der Umweltbehörde
genehmigt werden. Ehlers beantragt, gemäß gesetzlichen Minimalanforderungen 100 kg
Blei pro Jahr verblasen zu dürfen. Anläßlich einiger Einwendungen von uns - "das ist ja
wohl ein bißchen zu viel" - nehmen wir am Erörterungstermin teil. Der Filterhersteller lässt
beiläufig die Bombe hochgehen: die Filteranlage könne eigentlich auch Blei bis auf 20 g pro
Jahr zurückhalten (da fehlt kein k !). Amen! Damit sind wir einverstanden. Da die
Unterlagen in der Behörde bereits öffentlich auslagen ist klar: ohne unsere Einwendung
wären die 100 Kilo Blei akzeptiert worden. Zu unserer Überraschung hat die Umweltbehörde
später im Protokoll dann doch 400 g/a festgeschrieben. Und was das Genehmigungsrecht
angeht, ist Hamburg weltweit betrachtet, natürlich ganz weit ...bla... vorne...bla...Fritze...bla....

April

Altenwerder: 7.000 Einwendungen und 50 Klagen


November

Bestechung: Dreckige Geschäfte mit dem Schlick


Dezember

" Der Giftbach von Rahlstedt macht unsere Kinder krank"


1994


Genehmigungsverfahren für Klärschlammverbrennung
" Indirekteinleiter".: ...Kataster befindet sich im Aufbau..."


Februar

" Der Müll und die Moneten" (Deponie Schönberg)


März

Neue Müllverbrennungsanlage Borsigstraße (320.000 t)


Juni

Boehringer-Sanierung gescheitert

Boehringer-Sanierung gescheitert
Sanierungsmaßnahmen 1984-1990: keine. Gerede: viel. Wasserwerk Kaltehofe:
geschlossen. Soweit die Zwischenbilanz. Dann der Wunderofen Prometheus, mit
dem man Gift einfach wegzaubern kann. Doch, oh Wunder, er funktioniert nicht ganz
einwandfrei. Prometheus hat statt giftigem Boden nämlich lieber viel Geld weggezaubert.
Der Boehringer-Konzern und seine "Sahnier-Tochter" Dekonta haben hierbei keine
Kosten und Mühen gescheut (hätte ja ein dickes Geschäft werden können). Der
ursprünglich so ehrgeizige Sanierungsplan muß nun aber leider geändert werden:
Dioxine und HCH bleiben leider im Boden, leider auch im Moorfleeter Kanal und leider
auch im Grundwasser. Von Sanierung keine Spur mehr. Bleibt die "Sahnierung", eine
Maßnahme, um der Öffentlichkeit Erfolge vorzutäuschen: ein paar Meter Bodenaustausch,
ein paar Mauern zum Schutz vor dem bösen Grundwasser, Beton drauf, gründlich
fegen und 1998 dann: 80.000 m2 Gewerbefläche mit "Sahnehäubchen" in "Sahnelage"
zu verkaufen !


Dezember
Umweltgefährdende Müllentsorgung bei Hamburger-Firmen


1995


Wilhelmsburg revoltiert gegen 4. Müllverbrennungsanlage
Kostenlose Annahme von Altöl im Hafen wird eingestellt


Januar

Barsbütteler Deponie soll wieder besiedelt werden


Juni

Harburg: Grundwasser ist mit CKW's verseucht

1996


Baubeginn für die MVA Rugenberger Damm in Altenwerder


Juni

Medikamentenrückstände im Brunnenwasser

November

Bagger in Altenwerder

Bagger in Altenwerder
Das Thema Altenwerder ist durch. Die Bagger haben bereits innerhalb weniger Wochen
200 ha erhaltenswerte Natur plattgewalzt. Sowas nennt man Sofortvollzug. Das Verfahren
gegen die Hafenerweiterung ist offiziell noch nicht zu Ende, doch die ausstehende Revision
wird nicht mehr abgewartet. Einwendungen wurden wie erwartet als unbegründet
abgeschmettert, die Frage nach der Notwendigkeit des Ganzen und eine Einbeziehung
möglicher Alternativflächen (Petroleumhafen) wurden von vornherein ausgeklammert.
Die Umweltbehörde beschäftigt sich lediglich damit, wie die an sich ziemlich sinnlose
Ausgleichsmaßnahme 'Öffnung der Alten Süderelbe' bürokratisch aufgewertet werden kann,
um sie als großzügige Wiedergutmachung zu feiern. Leider eine aus Sicht der Behörde
"gelungene" Generalprobe für die Themen Elbvertiefung und Mühlenberger Loch..

1997


Planverfahren Elbvertiefung
Klärschlammofen VERA

Klärschlammofen VERA
Seit 1981 werden 90% der Hamburger Abwässer im Klärwerk Köhlbrandhöft gereinigt.
Der dort entstehende Klärschlamm ist hochbelastet, denn auch das Gift, das früher in die
Elbe geleitet wurde, findet sich heute darin wieder. Anstatt nun endlich eine Entgiftung
bei den Schadstoffproduzenten zu forcieren, wurde von Pyromane Vahrenholt die teure
Verbrennung gewählt, um die gigantischen Schlammengen gerade mal zu halbieren.
Langfristig gesehen ist damit wie auch bei den Müll-Öfen eine wirksame Schadstoff-
minimierungspolitik umgangen worden. Die Ofen-Kapazität ist doppelt so groß wie nötig und
Mindestmengen sind den Betreibern für 20 Jahre garantiert. Hätte man das dezentrale
Konzept erhalten und mit den in High-Tech verpulverten Millionen eingeführt, daß Regen-,
Haushalts- und Industrieabwässer getrennt behandelt werden, wäre am Ende sicher weniger
Giftmüll dabei herausgekommen.

Umweltsenator 1997 - 2001
Alexander Porschke
Trotz erst einjähriger Amtszeit und inhaltlich nicht erkennbarer Unterschiede zu seinem
Vorgänger hat er schon eine bedeutende Leistung vollbracht: Er ist wohl der erste grüne
Umweltsenator, der eine völlig sinnlose und ökologisch katastrophale Zerstörung eines
großen Naturgebietes, nämlich des Mühlenberger Lochs, als notwendig, vertretbar und
ausgleichbar hinstellt. Wir erinnern uns an die Anfangszeit der Umweltbehörde: "Zuviel
Umweltschutz gefährdet Arbeitsplätze"? Alter Wein in neuen Schläuchen! Von diesem
grünen Senator war nicht allzu viel Grünes zu sehen.

1998


Planverfahren Mühlenberger Loch
Die Zukunft eines Lochs

Mai

Stoltzenberg nochmal

Stoltzenberg nochmal
Der Kreis schließt sich: Während das Boehringer-Gelände nun angeblich fertig gesichert ist,
kommt die Meldung, daß das Gelände der ehemaligen Waffenfabrik Stoltzenberg neu saniert
werden muß. 1984 hatte man die Sanierung dort beendet, weil der Grundwasserschutz nach
damaligen Behörden-Erkenntnissen gewährleistet war. Im Wasserwerk Stellingen wird seit
einiger Zeit jedoch weniger Grundwasser gefördert, der Pegel steigt, und das Gelände stellt
nun doch wieder eine Gefahr da. Erst recht dürfte das der Fall sein, wenn dem Wasserwerk
Stellingen durch die hohe Industriedichte in Eidelstedt das Gleiche wiederfahren sollte wie
Kaltehofe 1990.
Und am Ende nun die Masterfrage: Wieviel Jahre beträgt derzeit die gesetzliche
Minimalanforderung für das Unwort 1998 "Nachhaltigkeit": 10, 20 oder 21 Jahre ???
Die Auflösung finden Sie in Konkurse 5 !!!


August

Boehringer-Sicherung beendet (siehe Juni '94)

Dezember

20 Jahre Umweltbehörde

1999

Juni

Umweltsenator Alexander Porschke zum Ausstieg aus der Atomenergie:
"Keine Einigung ohne Abschaltung in dieser Legislaturperiode!"

2000

Juni

Airbus entscheidet sich, in Hamburg den neuen Superjumbo A380 (A3XX) zu montieren

Airbus

Am südöstlichen Ufer der Unterelbe ist das Werksgelände von Airbus angesiedelt. Unter wechselnden Namen (Hamburger Flugzeugbau, MBB (Messerschmidt-Bölkow-Blohm), EADS) werden hier seit den 70'ern Airbusse verschiedener Typenreihen teilgefertigt.Seit den 90'ern wird auch die Endmontage für kleiner Airbusse (A319, A320) in Hamburg abgewickelt. Der Zuschlag auch den A380 in Hamburg in die Endmontage zu nehmen, erforderte eine drastische Vergrösserung des Werksgeländes und der vorhandenen Landebahn.

Trotz Ausweisung zum FFH-Gebiet der EU wurde das Mühlenberger Loch teilweise zugeschüttet. Als "Ausgleichsfläche" wurde eine bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesene Fläche in der Haseldorfer Marsch deklariert. Die Ausgleichsmassnahme für diese Pseudoumwidmung wurde ein Gebiet an der Stör ausgewählt.

 

November

Sanierung der Altlastenfläche Moorfleeter Brack


2001

Umweltsenator 2001 - 2004
Peter Rehaag
Als die CDU die Bürgerschaft am 23. September 2001 die Bürgerschaftswahl gewann und mit der populistischen Schillpartei das Rathaus übernahm, wurde Peter Rehaag von der Schillpartei der neue Umweltsenator. Sein Interesse an der Umweltbehörde blieb auf dem Nullniveau. Abgesehen von seinem "Antigraffitiprogramm" sah man nichts weiter von ihm. Im Herbst 2003 sägten erste Gerüchte an illegalen Nebentätigkeiten am Stuhl des Senators. Doch bei Schills Abgang und der Abwahl der Partei im Juni 2004 verschwand auch Rehaag wieder in der Bedeutungslosigkeit.

 

2002

Juni

Einweihung des Containerterminals Altenwerder

... Altenwerder

Airbus zum Zweiten

Im Juni 2002 beantragte Airbus zum ersten mal, die Startbahn um knapp 600 m in Richtung Neuenfelde zu verlängern. Gleichzeitig beschließt die Hamburgische Bürgerschaft eine "Lex Airbus", das "Werkflugplatzenteignungsgesetz". Das Gesetz soll die Werkserweiterung als gemeinnützig einstufen und so die Position der Stadt stärken. Die eingereichten Klagen erreichen einen Baustopp und dessen Bestätigung vor dem Verwaltungsgericht. Schlüsselgrundstücke von Obstbauern und der Kirche in Neuenfelde verhindern zudem den Weiterbau. Der Verzicht, die Startbahn noch einmal zu verlängern, bringt zwar mehrere Gegner dazu, sich ihr Grundstück abkaufen zu lassen, doch bleiben immer noch einige direkt im Weg. Im April 2006 entscheidet das Verwaltungsgericht dann wieder einmal für den Senat. Fertigstellung ist für den Herbst 2007 geplant.

 

2003

März

Der Säuretanker ENA der Norddeutschen Affinerie kollidiert mit einem Containerschiff und sinkt. Der Kapitän war mit 2,1 Promille Alkohol im Blut unterwegs.

 

2004

Umweltsenator 2004 - ?
Michael Freytag - Herlind Gundelach
Seit dem Gewinn der Bürgerschaftswahl 2004 schraubte die CDU ihr Interesse an der Umweltbehörde noch weiter herunterschraubte, wurde die Umweltbehörde Teil der Stadtentwicklungsbehörde. Offizieller Chef wurde Freytag, tatsächliche Leiterin wurde Herlind Gundelach.

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März 2007