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Elbebadetag

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Ein Tag geht Baden

Am 14. Juli 2002 rief der Gruner und Jahr Verlag zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe zum Elbe-Badetag auf. Ausgerechnet Baden in der Elbe !!!

Unser Flyer vom Badetag:

Würden Sie Ihr Badewasser trinken?

Die Badewasserqualität schreibt bzgl. der Schadstoffe nur eine maximale Anzahl krankheitsauslösender Colibakterien im Wasser vor - maximal 10.000 Bakterien pro Liter. Von Viren und anderen Kleinstlebewesen spricht die Verordnung nicht.

Stärkere Anforderungen an ein Gewässer würde die Trinkwasserverordnung stellen. Sie gilt nicht nur für das Endprodukt aus dem Wasserhahn, sondern auch für die Region aus der Wasser gewonnen wird. Nitrate, Pflanzenschutzmittelrückstände und Schwermetalle dürfen nur in geringsten Konzentrationen enthalten sein.

Für ein ökologisches Gewässer reicht die Trinkwasserverordnung aber auch nicht aus, weil sich in den vielfältigen biologischen Kreisläufen sehr starke Anreicherungsvorgänge abspielen. Und da sind selbst die Werte der Trinkwasserverordnung viel zu hoch.

Die Anwendung der Badewasserverordnung als Kriterium der Wasserqualität von Alster und Elbe?

Lieber nicht!

Baden in der Elbe ist prima. Doch ungeeignete Parameter dürfen nicht als Alibi genutzt werden, die Elbe gesund zu reden während gleichzeitig die Hauptprobleme verschwiegen werden. Unzählige Schadstoffe machen die Elbe nach wie vor zu einem ökologisch kranken Gewässer.

Baden im Reagenzglas

Hamburg's prominenteste Quelle der Elbverschmutzung ist - weithin sichtbar mit seinen 10 eierförmigen Faultürmen auf dem Köhlbrandhöft - das zentrale Klärwerk. Bis weit über die Stadtgrenzen hinaus sind in seinem Schatten elbabwärts Grenzwerte für fäkale Bakterien überschritten. Und darum ist Baden in Övelgönne oder Blankenese auch nicht so schön.

Für das Ökosystem Elbe sind unsere Fäkalien Nahrung. Kleinstlebewesen, die sich dadurch super vermehren, verbrauchen viel von dem im Wasser gelösten Sauerstoff. Die Fische dagegen finden das nicht so toll, denn Schwimmen und sich Ernähren ohne ausreichend Sauerstoff ist total anstrengend. Wirtschaftlich fragwürdige Baumassnahmen, wie die Elbvertiefung oder die unsinnige Zuschüttung des Mühlenberger Lochs verhindern eine Anreicherung bzw. Durchmischung der Elbe mit Sauerstoff und verringern damit ihre Selbstreinigungskraft.

Schwermetalle, wie z.B. Quecksilber, Zink, Kupfer, Blei oder Cadmium, sind für einen, der hin und wieder in die Elbe springt, i. d. Regel harmlos, für Lebewesen aber, die ihr ganzes Leben darin verbringen, sind sie doch sehr unangenehm (z.B. Leberschäden b. Fischen). Obwohl heute viel mehr Industrieabwasser im Klärwerk gereinigt wird als noch vor 20 Jahren, sieht die Bilanz für die unsichtbaren und geruchsneutralen Schwermetalle dabei schlecht aus: Nur ca. 50% werden bei der Reinigung zurückbehalten, der Rest rauscht durch.

Ein Reagenzglas voll Elbwasser im Westen Hamburg's enthält darüber hinaus noch chlorierte Kohlenwasserstoffe (Industrie), Pflanzengifte (Landwirtschaft), Schadstoffe aus Schiffsanstrichen, Medikamentenrückstände (Abwasser) u. v. a. mehr ... .

Badegeschichte(n)

Wer kennt sie nicht die Erzählungen der älteren Generationen, die es an heissen Tagen an den Elbestrand, zu den offiziellen und den vielen inoffiziellen Badestellen gezogen hat, um sich in die kühlenden Fluten zu stürzen - damals, als das Elbewasser noch zum Baden taugte.

Eine schöne Erinnerung. Nur war das Baden in der Elbe alles andere als ein ungetrübtes Vergnügen. Spätestens seitdem die Stadt Hamburg begonnen hat die häuslichen Abwässer in grossem Stil ungeklärt in die Elbe zu leiten, war das Baden mit gesundheitlichen Risiken verbunden. So wurde in regelmässigen Abständen vor dem Bad oder der "Errichtung von Flussbadeanstalten", so im Hamburger Correspondenten 1899 gewarnt.

Standen anfänglich bakterielle Infekte im Vordergrund, an denen Badende erkranken konnten, so kamen seit den 30er Jahren die gesundheitlichen Gefährdungen hinzu, die in erster Linie durch die organischen Schadstoffe, wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, verursacht wurden.

In den 70er Jahren wurde das letzte öffentliche Bad geschlossen und das Baden in der Elbe verboten. Die Personen, die sich dann noch in die Fluten warfen, waren die "Verrückten", die schon mal von der Polizei aus dem Wasser geholt wurden.

Baden in der Elbe ?

Prima!!!

.... aber nur ein erster Schritt hin zu einem ökologisch intakten Gewässer.

Eine ökologisch sinnvolle Wasserqualität erfordert:

  • verschärfte Überwachung der Abwassereinleitungen durch die Behörden

  • verschärfte Einleitungsbedingungen für Schadstoffe

  • dezentrale Klärwerke für Hamburg, die auch ökologischen Bedingungen gerecht werden

  • naturnahe Uferzonengestaltung

  • Erhalt der Selbstreinigungskräfte der Elbe statt Zuschüttung des Mühlenberger Lochs

  • keine Elbvertiefung.

Zum Download als PDF:

- Unser Flyer zum Elbe-Badetag (0,3kB)
- Elbe-Baden im 19. Jh. (Artikel aus 'Wasser in Hamburg 3') (0,6MB)



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Juli 2002