Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften


Über uns

 

Die Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften aus Hamburg existiert seit über 30 Jahren. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Auswirkungen der Industrie in Hamburg und Umgebung auf die Umwelt, insbesondere die Elbe. Unser Ziel ist es, die Mechanismen, mit denen Industrie und Politik ihre Interessen zum Schaden der Umwelt durchsetzen, zu analysieren und diesen entgegenzuwirken.

In unserem umfangreichen Online-Archiv finden sich Publikationen und Beiträge zu nahezu allen großen Hamburger Umweltthemen.

Geschichte: Der Anfang

Unsere Umweltschutzgruppe, auch "Geos" genannt, war anfangs als studentische Initiativgruppe mit dem Ziel gegründet worden, hautnah und eigenverantwortlich die erlernten naturwissenschaftlichen Fähigkeiten praxisbezogen anzuwenden. Die ersten "Brennpunkte" fanden sich um den Bauzaun von Brokdorf herum. Noch in den 70er Jahren beteiligte sich die Umweltschutzgruppe als wissenschaftlicher Beistand an den Klagen gegen das AKW Krümmel.

(15 kB)AKWKruemmel

Schwermetalle in Luft und Wasser

Der eigentliche Arbeitsschwerpunkt verlagerte sich jedoch bald auf Umweltprobleme in Hamburg. Erste Erfahrungen sammelte die Gruppe mit der Luftverschmutzung im Raum Rothenburgsort. Der südwestliche Wind brachte häufig die Abgase des Hafenbereichs in diesen Wohnort. Luftfilter in Rothenburgsort verteilt brachten Klarheit über deutlich erhöhte Schwermetallfrachten aus dem Hafenbereich - vornehmlich aus Richtung der Norddeutschen Affinerie. Bei dieser Arbeit entstand die Broschüre "Schwermetalle" (Hamburg 1980).

(14 kB)Schwermetall

Der Kontakt mit anderen Bürgerinitiativen brachte uns die Information, daß Schwermetalle auch durch unzählige Abwassereinleitungen der "Affi" in die Elbe gelangten. Probenahmen am Abwasserkanal des Werkes Ost machten uns mit unserem Arbeitsschwerpunkt der nächsten 10 Jahre bekannt: Wasserproben ziehen und analysiern. Die weitaus meisten Abwassereinleitungen der Affi lagen jedoch auf beiden Seiten des Müggenburger Kanals. Kanus, kleine baufällige Motorboote oder geliehene Festmacher des Museumshafens ließen uns Mitte 1980 fündig werden: Es gab Einleitungen, in denen wir gigantische Schwermetallkonzentrationen fanden. Für ein einziges Rohr errechneten wir damals eine tägliche Fracht von sieben Kilogramm Cadmium! Ein Taucher brachte dann Klarheit: Die Kanalsedimente waren derart verseucht, daß beinahe ein Abbau lohnenswert war (was die Affi später tatsächlich diskutierte) und sie zeigten, daß die Vergiftung der Elbe bereits seit Jahrzehnten anhielt.

Wasser und Hafenschlick

Im März 1981 erschien unsere Broschüre "Wasser in Hamburg", die später zweimal nachgedruckt werden mußte. Sie enthielt nicht nur unsere Affiuntersuchungen sondern auch die übrigen Interessengebiete der Gruppe rund ums Thema Wasser: Grundwasser, Trinkwasser, Unterelbeindustrialisierung, Klärschlamm.

Die Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften blieb beim Thema und startete ein aufwendiges Hafensediment-Untersuchungsprogramm. Fast alle Hafenbecken wurden auf mehrere Schwermetalle hin untersucht. Noch vor dem Amt für Strom- und Hafenbau, das seit über drei Jahren an einem ähnlichen Programm werkelte, konnte die Gruppe ihr Ergebnis im Frühjahr 1983 in einer weiteren Broschüre "Wasser in Hamburg 2" präsentieren. Mehrere Hafenbecken waren die reinsten Erzlagerstätten, so im Billegebiet, im Harburger Binnenhafen und -sonderbar- direkt vor den Ausläufen vieler Firmen, besonders natürlich vor der Affi.

(12 kB)Wasser1 (16 kB)Wasser2 (13 kB)Wasser3

"Wasser-in-Hamburg-2" enthielt neben Themen des ersten "Wasser-in-Hamburg" Bandes Beiträge zur Spülfeldproblematik und zum Elbfischerprotest.

Hafenerweiterung Altenwerder und Moorburg

Zum Protest der Elbfischer und gegen die Pläne des Senates, die Stadtteile Moorburg und Altenwerder der Hafenerweiterung zu opfern, beteiligte sich die Gruppe an den nun regelmäßig stattfindenden Fischerfesten und organisierte mit dem Förderkreis Rettet die Elbe regelmäßige "alternative Hafenrundfahrten", die bis heute zur Institution geworden sind. Statt Döntjes und heiler Hafenromantik werden den Besuchern dreckige Wassereinleitungen, Probleme der Hafenindustrie und der Hafenerweiterung in Altenwerder gezeigt. Zehn Jahre lang fand im Museumshafen in Neumühlen einmal pro Jahr das "Floßcafe" statt, wo bei einem Glas Wein auf schwankenden Brettern Aktuelles zur Elbverschmutzung vermittelt wurde.

"Für Elise"

Die Umweltschutzgruppe hatte ihre Meßfahrten durch den Hafen bislang mit geliehenen Booten gemacht und entschloß sich im Oktober 1982 eine eigene Barkasse zu kaufen. Über ein Jahr hämmerten, entrosteten, malten, sägten, verkabelten, entrosteten erneut, malten erneut, schweißten und entrosteten die Geos an dem Schiff, bis die "Elise" einsatzfähig war. Ende der Achtziger, als die Muße am ständigen Entrosten und Maschinenpflegen nicht mehr gegeben war, wurde das alte Schiff an einen Liebhaber verkauft.

Die "Affi"

(4 kB)Glanz

Im Mai 1985 widmete die Gruppe der Norddeutschen Affinerie ein eigenes Buch: "Glänzende Geschäfte". Es handelt von der Verantwortungslosigkeit und Macht eines großen Industriebetriebes und der Unfähigkeit und Unwilligkeit der Behörden einem guten Steuerzahler all zu scharf auf die Finger zu sehen.

Weitere Themen

Die Arbeitsgebiete der Geos weiteten sich mittlerweile auf das Gebiet Müll und Sondermüll aus. 1988 erschien die Studie "Sondermüll", 1989 das "Müllkonzept".

(6 kB)Muellkonzept (4 kB)sondermuell

Eine Studie über die Grundwasserverunreinigung in Hamburg-Hummelsbüttel (Oktober 1988) sowie die Vorlage eines eigenen "Gewässergüteberichts Elbe" (Juni 1988) zeigte die Umweltschutzgruppe Physik-Geowissenschaften in voller Leistungsstärke.

Die Hamburger Umweltbehörde

Gleichzeitig, auch weil die Umweltbehörde vergaß ihr eigenes 10-Jähriges zu feiern, gaben die Geos im Juni 1988 stellvertretend die Jubiläumsschrift "Konkurse" heraus. Weil die Behörde auch ihr 15 und 20-Jähriges ohne satirische Jubelschrift ließ, haben wir 1993 und 1999 zwei weitere Hefte, Konkurse 2 und Konkurse 3, herausgegeben. Die Hamburger Umweltbehörde mit ihren zum Teil äußerst starren und handlungsunfähigen Strukturen war und ist eine regelmäßige Zielscheibe unserer Aktivitäten.

(13 kB)Konkurse (10 kB)Konkurse3

Abwasser in Hamburg

In den Neunziger Jahren wurde es ruhiger bei den Geos, so wie es bei den meisten BI's ruhiger wurde, wenn es sie denn überhaupt noch gibt.

Als bisher letzte Print-Veröffentlichung erschien 1997 die Broschüre "Klärschlamm" zur Problematik eines früher wertvollen und heute vergifteten Stoffs.

(27 kB)Klaerschlamm

Filme von Wolfgang Morell

Seit Anfang der 80'er Jahre begleitete "Wolle" (Wolfgang Morell 11.4.1952 - 20.10.1997) die Umweltschutzgruppe und wurde eines ihrer aktivsten Mitglieder. Sein Projekt war der Film "Wasserzeichen". Er zeigte die Verschmutzung der Elbe durch die Affi, das Arbeiten der Umweltschutzgruppe an den Abwasserrohren, die Arbeiten für die Renovierung der Elise und die Präsentation des "Falles Affi" während des Internationalen Wassertibunals 1983 in Rotterdam.

Film Wasserzeichen

Wolles Begeisterung für das Thema Wasser, die er auch mit "Wasserzeichen" vertiefen konnte, ließ seinen nächsten Film ausschließlich vom Wasser handeln. "Im Zeichen des Wassers" zeigt die vielfältigen Ausdrucksformen des Wassers, die stille Sprache und die unbekannten Kräfte des Phänomens Wasser.


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Februar 2007